Der unerwartete Besuch von Markgraf Dietrich und seinem Gefolge sorgte für Wirbel auf dem Meißner Burgberg.
Nicht nur für Wirbel sondern auch für Empörung, denn Otto muss feststellen, dass Dietrich Hedwig mitgebracht hat. Wie unschön für ihn, der doch der freien Liebe anhängt.

Immerhin besitzt er, wie uns mitgeteilt wird, genug höfisches Benehmen, um keinen Aufstand zu machen, als er in der Halle auf Dietrich und Hedwig trifft.
Na super, da kann er sich ja auch was drauf einbilden.
A****.
Hedwig wird mehr oder weniger aufs Zimmer geschickt („Ihr wollt euch doch sicher gleich frischmachen?"), dann wird Dietrich angeknurrt, was das denn solle und er möge besser einen wirklich guten Grund dafür haben.
„Allerdings", gab Dietrich ernst zurück. „Bruder, ich muss mit dir reden. Allein.
Wurmloch.
*zing*Jemand betritt ohne anzuklopfen Odas Kammer. Es ist Randolf, unser aller Sonnenschein. Sofort beginnen sie sich zu beharken. Ungefähr so:
Oda: „Du Doof! Du hast diesen Ministerialen entkommen lassen!"
Randy: „Mei. Sobald er irgendwo auftaucht, isser tot. Außerdem habe ich gehört, dass Otto nicht mehr ganz so interessiert an Dir ist wie fürdem, nähnähnäh."
Oda: „Ach! Aber wenn ich nicht mehr in bin, bist Du es bald auch nicht mehr, schon mal daran gedacht?"
Randy: „Jaja, ständig. Ficken?"
Oda: „Haja. Wenn's sein muss."
Randy: *auszieh* *ächzhechelstöhn*
Oda: *fingernägelfeil*
Randy: *ÄCHZHECHELSTÖHN*
Oda: „Ach, da fällt mir ein – was weißt Du über Dietrich?"
Randy: *ächzhechel ... WOT??*
Coitus interruptus.
Oda: „Ja, herrgott! Glaubst Du denn, das ist Zufall, dass der bei Dir war, als Sexy-Chris verschwindet, und dass er jetzt hier auftaucht? Und auch noch Hedwig mitbringt?"
Randy: *beleidigt* „Dann solltest Du Dir noch viel eher Sorgen machen!" *anzieh*
Warp 6.
Markgraf Ottos Gesichtszüge waren erstarrt. Seine Finger krallten sich so heftig um die Armlehnen des Stuhls, dass die Knöchel weiß hervortraten.
„Bist Du Dir sicher?", ächzte er.
„Ja", erwiderte sein Bruder ruhig.
Tscha. Bekommt Otto endlich schonungslos frontal vor den Latz geknallt, was für ein elender Versager, ein lächerlicher Hanswurst er ist, den Oda an der zweiten Nase herumgeführt hat. Dietrich könnte ihm noch mit der Fliegenklatsche eines überziehen, das fände ich persönlich noch sehr befriedigend.
Wir haben diesen Dumpfbaatz nun schließlich lange genug ertragen, da ist etwas Kompensation angebracht.

Dietrichs Beweisführung ist lückenlos: Der Leu hatte eine schwarzhaarige Spionin, die angeblich zum Zeitpunkt von Odas Auftauchen bei Otto nach Flandern verheiratet wurde. Außerdem hat Dietrich noch ihren geheimen Boten ausfindig gemacht, über den sie dem Leu Bericht erstattet. Spiel, Satz und Sieg für Team Chris. Otto ist entsetzt. (Recht so!)
Welch eine fatale Situation. Er hatte sich täuschen lassen.
Achwas, hm? Ein so scharfsinniger, gerechter, weiser, selbstbeherrschter Herrscher wie Du? Hat sich täuschen lassen? Hm? Hm?
:FLIEGENKLATSCHE:
Was tut unser herrischer Herrscher also? Er sorgt sich darum, was seine Frau von ihm denken könnte wenn sie erfährt, dass er sie wegen seines kleinen Mark Antons zugunsten einer Spionin exiliert hatte.
DUH! Dämlack. Es sind nicht alle so begriffsstutzig wie Du. Dietrich zieht ihm auch diesen Zahn recht schnell:
„Sie weiß es", entgegnete Dietrich kühl.
Ich hab' 'ne Idee. Dietrich heiratet Hedwig, Otto zieht in eine dunkle, feuchte Höhle und kommt nie wieder, Chris und Marthe bekommen 12 Kinder und besiedeln Neupfundland und Lukas und seine Lenden werden zölibat und alle leben glücklich und zufrieden. So.
... naja.
Kommen wir nun zurück zu Marthe. Die reitet mittlerweile selbst, schließlich ist sie nun schon danz drohß, einfache Witwe und zum zweiten Mal verheiratet. Da darf man dann schon selbst reiten, jawohl.
Marthe visioniert jedenfalls grade spontan und verkündet dem staunenden Publikum, dass sie unbedingt auf den Burgberg müsse.
Uhhh. Dräut da etwa wieder was?

Schaweren Herzens beschließt Chris also, alleine zum Landding weiterzureiten, während Marthe, von Lenden-Lukas beschützt, nach Meißen abbiegt. Der soll verlauten lassen, dass er nach dem Tod von Chris jetzt einen neuen Herrn sucht, so zum Spuren verwischen. Raffiniert!
Uuuuund wieder zurück auf den Burgberg. Mei, heute springen wir aber wie ein junges Zicklein zwischen den Schauplätzen hin und her, was, liebe Autorin? Bin schon ganz außer Atem. *keuch*
Jut, Dietrich kehrt zu Hedwig zurück und berichtet ihr von Ottos Zerknirschung. Außerdem solle sie sich bitte vom Abendmahle fernhalten, damit Oda keinen Verdacht schöpft und die gestellte Falle tappt, denn
Es könnte sie beunruhigen, wenn Otto plötzlich seiner Gemahlin den Platz an seiner Seite einräumen würde, den [Oda] so lange innegehabt hatte.
Nein, wirklich?
Hedwig fragt dann noch nach Dietrichs Schätzung des Ausmaßes von Ottos Zerknirschung. Ach, ja, recht hoch, meint Dietrich.
Recht so! :fliegenklatsche:
Am Abend läd Otto Oda ein, bei ihm zu sitzen. Sie gehorcht natürlich, ist aber alarmiert. Mißtrauisch über Dietrichs Erscheinen ließ sie ihren Boten beschatten und weiß von der Falle. Sie beschließt, dass dies ihr letzte Abend in Meißen sein wird.
Als Otto die Tafel aufhebt bittet er um die Gunst ihrer Gesellschaft heute Nacht. Leider hat er vergessen, ein bisschen Leidenschaft in die Augen zu schaufeln, so dass Oda sofort erkennt, dass er Bescheid weiß.
Was macht sie also? Sie krallt sich einen Pagen, zufällig Dietrichs Sohn, hält ihm einen vergifteten Dorn an den Hals und verkündet, dass sie einen vollgetankten Mercedes SL will, eine Million in kleinen Scheinen und niemand darf sie verfolgen.
Doch, ach ... von Marthe vorgewarnt hatte sich Lukas ständig in Odas Windschatten aufgehalten und der tritt jetzt in Aktion. Ein Tritt in die Kniekehlen und schwupp, ist Konrad der Page gerettet.
Kurz darauf fliegt ein Messer und trifft. Oda geht zu Wippi und dem Bären, während Randolf zufrieden seinen Dolch abwischt. Jetzt kann Oda ihn zumindest nicht mehr belasten und er kann darüber hinaus noch behaupten, er hätte es nur aus Loyalität zu Otto getan.
Die ganze folgende Nacht streiten sich Hedwig, Dietrich und Otto dann noch herum, aber Otto will Randolf nicht fallen lassen. Nö, der sei seit Generationen im Familienbesitz, einen älteren und treueren Gefolgsleut gäbe es nicht.
Hedi und Didi sehen sich resignierend an und stellen fest, dass Chris tatsächlich beim Landding alles ansprechen muss, denn vor so vielen Leuten muss Otto sich zumindest andeutungsweise zusammenreißen.
Sprung.
Otto ist vom Landding gelangweilt. Er fragt pro Forma, ob jemand noch was zu sagen hätte. Jau. Ganz von hinten kommt ein
Fremder an und meint, er hätte Beweise dafür, dass Otto bestohlen wurde. Marthe (gut versteckt zwischen Raimunds Gefolge) guckt gespannt.
Als sich Chris zu erkenne gibt, entsteht ein kleiner Aufruhr. Chris fordert Randy zum Duell, doch der meint, er sei als Vollblut viel zu fein für sowas, pfht.
Otto hätte dann erst mal gerne die Frage geklärt, warum Chris so lebendig vor ihm herumhüpft, obwohl Randy selbst seinen Tod verkündete.
Ja, uhm, meint Randy, die Nachrichten von Chris Tod, die ihn, Randolf, erreicht hätten, wären wohl etwas übertrieben gewesen. Hüstel. Könnte er aber nix für.
Ja, nun, und was wäre mit den Anklagen?
Chris lässt Hartwig, der nun eher ein Ganzweichwig ist, anschleppen. Der quäkt und jammert, er hätte ja nur auf Befehl gehandelt.
Ach, Pishposh, grantelt Randy, er wisse davon gar nichts. Das Einzige, was man ihm vorwerfen könne, sei seine schlechte Wahl des Verwalters gewesen.
Wie's das Gesetz verlangt braucht Chris sechs Bürgen, die ihre Fingerchen auf das Kreuz legen und beschwören, dass Chrissebub die Wahrheit sagt. Fünf sind schnell gefunden, der sechste lässt auf sich warten ... da tritt Dietrich vor und zeugt mit! Die Menge murmelt. Ein Markgraf verbürgt sich für einen einfachen Ministerialen!

Mit zusammengekniffenen Augen sah Otto auf die Männer vor sich und schwieg lange.
Nun sag es schon!, dachte Marthe ungeduldig. Mach das Unrecht gut!
Macht er dann auch. Chris wird freigesprochen, Hartwig soll gehängt werden. Randolf macht er nicht voll für die Geschehnisse verantwortlich, aber so'n bisschen schon, weswegen unser Randy ins Heilige Land reisen und dort 40 Tage (und 40 Nächte?) lang die Pilger beschützen soll.
Gut, denkt Marthe, das heilige Land ist gefährlich, vielleicht kommt er ja nicht wieder. Ha!
Aber vielleicht würde er wiederkommen. In zwei Jahren, in drei Jahren?
Im zweiten Band?

Dann ruft Otto Chris, der sich grade entfernen wollte, wieder zurück. Was denn nun noch?
Wahrscheinlich hat Hedwig Otto unter dem Tischtuch gegens Schienbein getreten, jedenfalls ernennt Otto uns Chris dann noch mal eben schnell zum Edelfreien. Na da guck. Chris würde nun natürlich am liebsten gleich Randolf zum Duell fordern, schon weil wegen Marthe, aber er zügelt sich und bittet um eine weitere Gnade.
Weil Otto schon mal grade in großzügiger Stimmung ist, stimmt der zu.
Ja, er hätte seine Ehefrau auch gerne in den Stand einer Edelfreien erhoben. *Marthevorzerr*
Klar, meint Otto, kein Problem. Ketchup oder Mayo dazu?
Ach, ja, und Knappe Lukas würde er übrigens noch gleich am nächten Morgen zum Ritter ernennen. Wo wir alle grade so schön beisammensitzen.

Kapitel zu Ende. Chris edelfrei, Marthe edelfrei, Lukas quasi schon Ritter, Randolf auf potenziell tödlicher Mission.
Wie sich das alles in wohlgefallendstes Wohlgefallen auflöst ... das hätte selbst ein sarkastischer Shakespeare nicht besser hinbekommen.