Mittwoch, 18. Februar 2009

Die Hebamme XLII – Abrechnung

Überraschung! Heute gibt es zwei Kapitel, weil wir dann so richtig schön am Freitag mit dem letzten Kapitel des Buches fertig werden.

Christian, Lukas und Marthe reiten erst einmal Richtung Dörfli. Vorsichtig natürlich, man ist ja Bill nicht von der Schippe gehüpft um sich gleich darauf in Hartwigs Mistgabel zu stürzen, ne?

Doch sie kommen unbehelligt zur Höhle, in der Chris Damals™ seine Rüstung versteckt hat. Dort ist alles unberührt, wunderbar. Chris verkleidet sich also als fahrender Vorwerkvertreter, um erst einmal im Dorf alles Wichtige herauszufinden. Gegner, Stimmung, eventuelle Verbündete und so'n Krams. Er verbietet Lukas und Marthe strengstens, ins Dorf zu kommen, bevor er zurück ist.

Jaaa. Ich sage meinen Katzen auch immer, sie sollen aus dem gelben Sack draußen bleiben. Funktioniert ebenfalls nicht.

Zuerst schleicht Chris in die Schmiede von Jonas und Karl. Die erkennen ihn zuerst nicht, also streift er sich kuhl die Kapuze von den Locken und enthüllt seine ... Identität.
Karl und Jonas sind wie vom Donner gerührt. Man plauscht also aufgeregt über alles, was sich so ereignet hat. Wieviele Leute Hartwig grade da hat, dass der Verräter Kaspar tot ist (vermutlich haben Hartwigs Leute einen Zeugen beseitigt), dass Hartwig jeden Abend Leute ausschicke, die durch alle Häuser gehen, sie durchsuchen und die Leute terrorisieren, sowas und dergleichen.
Sofort hat Chris einen tollen Plan parat: man würde den Zweiergrüppchen der Hausdurchsucher einfach einen entsprechenden Empfang bereiten und so heimlich ganz schnell ganz viele Gegner ausschalten können!

Vor Hildebrand solle sich Chris aber in Acht nehmen, der hätte sich auf Hartwigs Seite geschlagen. Ach!
Außerdem verlange Hartwig unmöglich hohe Abgaben, alle hungerten, jammerklaghärm.
Ja, nu, Kinners, nu ist Papa Chris ja wieder da, der tut den bösen Mann wegjagen und alles ist wieder gut.

Genug geplaudert, nun lasst Taten sprechen! Kuno und Bertram werden organisiert, dann kommen auch schon die Schergen des Verwalters. Die werden nach und nach überwältigt, denn Chris' gewaltigem Schwert kann keiner widerstehen. Jau.
Dann geht's zum Herrenhof. Kloppswopps, die Wache niedergeschlagen, auf zu Hartwig. Noch drei Wachen umtänzelt und niedergestreckt, dann ist Chris am Ziel.

Dann wandte er sich dem kreidebleichen Verwalter zu, der aussah, als würde er sich vor Angst gleich übergeben. Hartwig hatte längst erkannt, wer vor ihm stand.

Wäre ja auch extrem seltsam, wenn nicht. Tsk. Chris fragt, wann Randolf zurückerwartet wird. Hartwig meint, erst mal nicht, der Markgraf beanspruche ihn grade. Aber er wolle benachrichtigt werden, sobald Chris auftaucht.

Und dann kommt eine witzige Textstelle. So ganz überraschend. 'sch meine, wir und das Buch, wir kennen uns ja nun schon eine Weile, aber diese Seite hat es uns noch nie gezeigt. Ich musste spontan schmunzeln, ich geb's zu.

„Die Nachricht wird er bekommen“, sagte Christian grimmig. „Und nun steh auf und mach dir nicht in die Hosen, Mann!“
Zitternd kam Hartwig der Aufforderung nach – zumindest der ersten.


*gicker*
Ja, gut. Dass sich der fiese Möpp letztendlich als fürchterlicher Feigling entpuppt ist nun keine Überraschung.

Mit Hartwigs Hilfe bringen unsere Helden dann die restlichen Wachen noch in ihre Gewalt. Es gibt noch eine kurze Krisenszene, weil der Anführer der Söldner noch mal eben Guntrams Sohn und Emmas Tochter bedroht, aber da kommt dann das Geisterpferd und wiehert, Verwirrung kommt auf und Marthe, die sich natürlich nicht vom gelben Sack fernhalten konnte, entreißt den kleinen Christian dem Unhold. So können die Männer mit Waffen sich um die Entleibung kümmern und schon bald ist alles shiny. Gut, Chris muss sich noch mit Bodo, diesem Anführer duellieren. Klar. Showdown im Weizenfeld. Chris braucht aber wie gewöhnlich nur zwei Absätze, dann ist Bodo erledigt. :staub von den händen klopf:

Chris übergibt die Gefangenen dem Kerker und die Leitung des Dorfes Hermann Bergmann. Joh, meint der, er werde sich um alles kümmern und vor allem auch aussagen, dass die das Bergrecht ganz oft gebrochen hätten, jawohl!

Er blickte sich unter den Dorfbewohnern um und sah abgezehrte, aber erleichterte Gesicher. „Gibt es Dinge, die sofort erledigt werden müssen?“
Lächelnd löste sich Marthe aus den Reihen. „Eine Wunde, die verbunden werden muss.“
Er sah ihr liebevolles, strahlendes Gesicht, während sie auf ihn zuging, und fühlte plötzlich den Drang, sie sofort zu nehmen.

Schweinskram!

Da kommt dann aber schon Pater Barti und zur Verblüffung aller Dörfler verlangt Chris, dass er jetzt sofort mit Marthe verheiratet wird. Also, er selbst. Nicht Pater Barti. Aber das dachtet ihr euch sicher schon.

Nach dem initialen Verblüffen beschließen die Christiansdorfer, dass man Hochzeiten feiern muss, wie sie fallen. Hurra, Hussa, Konfetti. Pater Barti ist auch ganz patent und macht nicht viel Federlesens. Schwuppdiwupp sind Chris und Marthe verheiratet (schneller ginge es in Vegas auch nicht) und man bereitet die Feier vor.

Chris wird von Marthe in ihre Kate gebracht, damit sie sich um seine Wunde kümmern kann. Chris schickt Marthes Stieftöchter unter einem Vorwand weg („Wollt ihr eurer Ziehmutter nicht ein paar Blümchen pflücken, hm?“) und weil die Gelegenheit grade so günstig ist, erfreuen sich er und Marthe mal eben zwischendrin an ein bisschen Körperlichkeit.
Dann wird die Wunde verbunden und gefeiert.

So bald wie möglich ziehen sich Chris und Marthe dann zur Hochzeitsnacht zurück, aus und Chris sagt ... Dinge. Nein, ich bringe es nichts übers Herz, das zu zitieren. Ich kann nicht. Nein, es geht nicht.

[...]

Na gut. Okay. Wenn ihr so drängelt ...

Er fand heraus, welche seiner Zärtlichkeiten sie am meisten genoss, dann führte er ihre Hand sanft an die Stellen, an denen ihn ihre Berührung besonders erregte.
Schließlich war beider Verlangen zu groß, um noch länger zu warten.
"Meine Liebe!", sagte Christian, als er in sie glitt.
"Mein Leben!" Und dann im Rhythmus seiner Bewegungen: "Meine Geliebte, meine Frau, meine Gefährtin!".
Mit geschlossenen Augen ließ sich Marthe erneut in Ekstase versetzen.


!

So ein bisschen Blut hätte Marthe schon für Chris' upstairs brain übriglassen können. Je du mei. Ich meine ... igksargh!

Aber gut. Sie sind jung, sie sind verliebt, sie sind in diesem Buch ... was soll's. Sollen sie ihre Freude haben. Endlich mal. :nick:

Am nächsten Tag hält Chris dann unter der Dorflinde Gericht. Barti muss sorgfältig auflisten, was Hartwigs Männer so alles angestellt haben. Besonders interessant für den Markgrafen: einen ansehnlichen Teil des geförderten Silbers haben Hartwig und die Seinen selbst behalten.

Die Reisigen würden bewacht im Dorf bleiben, Hartwig würde Chris wie einen Rollmops verschnürt mit zum Landding nehmen.
Chris und Marthe diskutieren dann noch kurz darüber, ob Marthe mit zum Landding kommt oder nicht. Chris ist dagegen, Marthe dafür.
Guess.

Sie wird also mitkommen. Wer hätte es gedacht.

Die Hebamme XLI – Die Nacht



Raimund kommt zu Besuch und ist höchst glücklich über Chris' erstaunliche Genesung. Man plauscht ein wenig. Elisabeth schickt Marthe ein Bündel („Ein Bündel! Das habe ich mir schon immer gewünscht!“), das Beebi kann jetzt jeden Tag kommen, Raimund macht sich Sorgen und Chris meint, dass Marthe ruhig mit Rainmund gehen solle, er müsse sich ohnehin um die Wiedererlangung seiner Manneskraft allgemeinen Kräfte kümmern.

Dann werden politische Neuigkeiten ausgetauscht. Gero und Richard wurden wieder weggeschickt. Dietrich und Hedwig würden Chris unterstützen, aber er bräuchte Beweise, dass Oda für den Leu spioniert. (Moment, kümmert sich da nicht Dietrichs Spion drum? Was denn nun?) Helfen könne Chris keiner, der gelte schließlich wahlweise als tot und/oder vogelfrei.

Chris beschließt, sich einen Bart stehen zu lassen, weil ihn dann gewisslich niemand erkennen werde. Der Bart für Männer, die Männerkleidung für Frauen. Jau, so kennen wir das.
Dann wird er, durch den Bart völlig unkenntlich, zum Landding am Collmberg gehen. Das ist in zwei Wochen und Otto wird dort Streitigkeiten unter freiem Himmel schlichten. Raimund ist bass erstaunt über diesen ungewöhnlichen Plan, meint aber, dass es klappen könnte. Eine Chance von eins zu einer Million, aber es könnte klappen.

Im Dorf gibt es auch nichts Neues. Randolf rechnet mit Chris' Auftauchen und hat Hartwig ein paar bewaffnete Leute zusätzlich geschickt. Hartwig mache sich fast in die Hosen, die Leute im Dorf hätten Angst, wie es weitergeht, und Drago suche als Geisterpferd die Wälder um das Dorf heim.

Dann gibt es noch ein bisschen Heckmeck darüber, ob Lukas jetzt bei Chris bleibt („OMG, ich bin voooogelfrei, ich darf nicht mehr Dein Herr sein, wäääääh!“) oder nicht, dann hätte Chris noch gerne zwei Pferde, für seinen Plan, ne, und dann verabschiedet sich Raimund auch schon und nimmt Marthe mit. Für Lizzy. Die kann ihr Kind schließlich nicht ohne Marthe bekommen.

Wie erwartet kommen sie genau rechtzeitig, die Wehen haben grade eingesetzt. Zur Abwechslung ist die uralte Wehmutter (Marthe ist die einzige junge, knackige Hebamme auf der Welt scheint mir. Das dürfte in ein paar Jahren massive Nachwuchsprobleme in dieser Berufssparte geben.) mal froh darüber, dass Jemand Unglaublich Kompetentes© anwesend ist und zieht sich mit ihren gichtigen Händen (in die Marthe schnell noch eine heilende Salbe einmassiert) nach Hause zurück.

Kurz darauf ist das Beebi dann da, und es ist aus völlig unerfindlichen Gründen viel hübscher und weniger verknittert als andere Neugeborene. Marthe scheint auch ein formidables Anti-Falten-Mittel zu sein. Raimund wird geholt und ist entzückt über seinen Sohn. Fiderallala.

Zwei Tage später reist er nach Meißen, denn Otto erwartet ihn. Marthe bleibt bei Lizzy, falls sich noch postpostpostPOSTpostnatale Schwierigkeiten ergeben.

Und in verzehrenden Tagträumen rief sie sich Christians Küsse in Erinnerung, seine zärtlichen Berührungen und sein beharrliches Werben. Sie liebte ihn so sehr, sie sehnte sich so heftig nach ihm. Aber gab es eine Zukunft für sie? Würden sie überhaupt die nächsten Tage überleben?

Na, das ging ja schnell mit dem Randolf-und-den-Rest-Vergessen.

Marthe träumt sich über fünf Tage hinweg, da kommt eines Abends in der Dämmerung Lukas zum Gehöft. Chris und er würden morgen früh aufbrechen, ob Marthe wirklich mitkommen wolle.
Natürlich will sie. Also zackzack die Klotten gepackt und auf zur Hütte des Wilden Mannes. Nomen est omen?

Der Stallmeister brauchte ihnen zwei gute gebaute und bereits gesattelte Hengste.

... wenn das jetzt ein Foreshadowing sein soll, dann ist es das ulkigste, das ich je las.

Schon bald steht Marthe wieder Chris gegenüber und ist aufgeregt. Ihm scheint es gut zu gehen, er zieht nur das eine Bein etwas nach. (HOUSE! )

Der Bart veränderte sein Aussehen, aber ein kurzer Blick in seine Augen sagte ihr, dass seine Gefühle für sie geblieben waren und er in ihrem Gesicht eine Antwort suchte.

Ja, das muss man schon checken, ob ein verändertes Aussehen innerhalb von fünf Tagen nicht auch die Gefühle verändert.
Jawohl.
Hmm-hm.
:nick:

Lizzy hat einen netten Vesperkorb mit Stricken und Dolchen gepackt, vorausschauend wie sie ist. Dat Krams wird verteilt und dann wird Marthe nochmal gefragt, ob sie wirklich mitkommen will.

Sie will immer noch. Wie die letzten fünftausenddreihundertachtundneunzig Male auch.

„Wir sollten zeitig schlafen, um morgen ausgeruht zu sein.“

Jaja, Chris-Schatz, klaaaar. Schlafen.

Das Feuer wird gelöscht, jeder macht es sich bequem. Marthe kann nicht schlafen, denn sie macht sich Gedanken. Also schleicht sie vorsichtig zu Chris und teilt ihm diese mit.

„Niemand weiß, ob wir morgen Abend noch leben“, sagte Marthe schließlich leise. Weil sie die nächsten Worte nicht aussprechen konnte, beugte sie sich über ihn und küsste ihn.

Rücksichtsvoll wie die beiden sind verziehen sie sich aus der Hütte (Lukas muss trotzdem einen echt gesunden Schlaf haben) und gehen zur kleinen Lichtung. Chris strahlt vor Glückseligkeit, kann seine Lenden aber noch genügend zügeln um Marthe zu fragen, ob sie wirklich will.

Nein, sie ist nur zu Dir gekommen, weil sie Dir ihre Briefmarkensammlung zeigen wollte.

Meine Damen und Herren, ich präsentiere voller Stolz das, worauf wir das gesamte Buch, 584 Seiten bis jetzt, hingearbeitet haben:
TEH HEALING SEHKS!

Beim heiligen Georg, wie sollte er jetzt noch behutsam sein, wo sein ganzer Körper danach drängte, sie mit Haut und Haar zu besitzen, und vor Verlangen fast zerbartst?!(sic. Ich denke mir die Satzzeichen nicht aus.)

[...]

Marthe hätte die Gefühle nicht beschreiben können, die ihren ganzen Körper erfassten. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Und sie wollte mehr davon!

[...]

Während er ihre Brüste und dann wieder ihren Mund küsste, glitten seine Hände über die sanften Linien ihrer Hüften, liebkosten ihre Schenkel, fühlten, dass sie berit für ihn war.
Inzwischen zitterte auch Marthe vor Begierde. Scheu zog sie ihn über sich. Sein [beep] war [beep] und erschien ihr riesig.

I knew it! [/nemo]

[beep] [Dinge] [beep]


Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt zugleich.

Und dann liebte er sie noch einmal, diesmal langsam und voller Zärtlichkeit. Er [beepedibeep] und bemerkte voller Freude, dass sie sich ihm entgegenwölbte, als könnte sie nicht genug von ihm bekommen.


Danach macht er ihr gleich nochmal einen Heiratsantrag und sie ist, da guck, auf einmal gar nicht mehr so abgeneigt. Zumindest kommt die Sprache nicht auf Schäfer oder Gottes Ordnung.
Außerdem solle Marthe ihn jetzt doch bitte bei seinem Namen nennen.

„Unmöglich!“

Ja, nee, also das geht ja auch nicht, dass sie ihn auf einmal Christian nennt und Duzt. wo kommen wir denn da hin?

Schee, sie versucht's, es klappt auch ganz gut. Sie sprechen noch mal kurz über die Zukunft, dann schlafen sie ein.
Im Morgengrauen steht Chris auf, hat tiefschürfende Gedanken, betet für Marthe und stellt sich dann wieder neben sie.

Was ist das mit Männern und dem Betrachten von schlafenden Frauen, hu?

Sie steckt voller Geheimnisse, dachte Christian. Aber das größte Geheimnis ist, woher sie immer wieder den Mut und die Kraft nimmt, mehr zu wagen als jeder andere in ihrer Lage.

... Chris, ich sag's nicht gerne, aber wir brauchen professionelle Beratung. Unsere Charakter-Leser-Beziehung steht grade gewaltig auf der Kippe. *zuck*

Lukas (ja, den gibt's auch noch) wacht an diesem schönen Morgen also auf, die Hütte ist leer, er erschrickt. Draußen findet er Marthe und Chris. Er wird stutzig, denn die beiden gehen auf einmal so vertraut miteinander um.

Hatte er deshalb gewartet, dass sie ihm wieder ein anderer wegschnappte?

Ja. Außerdem hattest Du doch ohnehin nie eine Chance. Sorry.

Natürlich ließ sich keiner der beiden vor ihm etwas anmerken. Doch das Leichten in Marthes Augen war unübersehbar, ebenso die verstohlene Zärtlichkeit, mit der Christians Blick sie immer wieder für einen winzigten Moment streifte. Sie strahlten vor Glück.

Aber davon mal abgesehen, dass beide strahlen, leuchten und glitzern wie Hochleistungshalogenscheinwerfer lassen sie sich nichts anmerken. Alles völlig unauffällig. Jaja, neenee.

Sie essen noch eine Kleinigkeit, dann brechen sie auf. Marthe sitzt vor Chris auf dem Pferd und lässt die Erinnerungen nochmal Revue passieren.

So eng und vertraut an ihn gelehnt zu sein und ihn nicht liebkosen zu können, bereitete ihr beinahe Qualen.
Sie wusste, dass Christian ähnlich empfand. Die Liebe, die beim Aufwachen aus seinen Augen sprach, das kraftvolle und zugleich zärtliche Begehren, mit dem er sie am Morgen auf der Lichtung noch einmal genommen hatte, die Innigkeit seiner Berührungen ...

... makes three.

Vor zwei Wochen mehr tot als lebendig und nu schiebt er in einer Nacht drei Nümmerchen und kann am nächsten Morgen noch kraftvoll in den Kampf reiten?
Da weiß man nicht, was potenter ist, unser starker Hengst oder Marthes Heil- und Lendenkräfte.

So reiten sie denn nun in der Morgenfrische gen Landding, in der Hoffnung, ein wenig Gerechtigkeit in dieser grausamen Welt zu finden. [/pathos]

Dienstag, 17. Februar 2009

Die Hebamme ... mieh? 40? Äh ... uhm ... *denk* ... XL – Befreit

Kapitel XL. Es sollte mich nicht halb so erheitern, wie es das tut. Seriously, what's wrong with me? (Ich erwarte keine Antwort. Untersteht euch!)

Die Wahren Männer™ reiten also hoppeldipoppelgaloppel Richtung Randys Residenz.

( ... dängdädädängdädädängdädädäng Bonanzaaaaaa, dängdädädängdädädäng ...) [/soundtrack]


Marthe ist auch dabei und ich frage mich nicht mehr, warum man sie auf eine hochgefährliche Rettungsmission mitnimmt. Ich nehme es einfach so hin. Das ist so, das muss so sein, dass die Männer ein hilfloses Weib, das nicht mal reiten kann, mitschleppen.

Nach einer Weile paddelt man dann mit dem Boot weiter. Bei Randys Burg angekommen berichten Gero und Richard, die gesichts- und konturlosen Chrisgetiere, dass Randolf grade mit Dietrich zu einem kleinen Jagdausflug aufgebrochen sei.
Meine Güte, das nenne ich Timing! Und das zu Zeiten, als das genaueste Zeitmessinstrument eine Sonnenuhr ist. Ich bin beeindruckt.

Marthe bietet an, sich inkognito als Magd auf Arbeitssuche bei Randy einzuschleichen. Raimund, der kluge Mann, lehnt das aber kategorisch ab, schließlich könnte jemand Marthe erkennen.

Ihr habt keine Ahnung, wie gut die mich kennen, dachte Marthe bitter. Doch sie war bereit, es zu wagen.

Aber wir. Wir haben Ahnung. Und wir sind auch dagegen.

Raimund lässt zum Glück nicht mit sich reden, Marthe wird schön brav beim Boot bleiben, Rettungen sind eben Männersache. Jawoll.
Die Frage kommt auf, mit welchem raffinierten Trick (Frauenkleidung ...?) sich die Männer in die Burg einschleichen wollen. Mir würde da spontan einiges einfallen, aber die Storyline bewegt sich dann doch auf der unimaginativsten aller Möglichkeiten: Geheimgang ex machina.

Rainmund lächelte. „Es gibt einen Geheimgang, von dem niemand etwas weiß, vielleicht nicht einmal Randolf.“

Wie un-fucking-glaublich praktisch! [/bale] Raimunds Vater war nämmich mit Randolfs Vater, einem guten Mann, befreundet, und deswegen weiß Raimund von dem Geheimgang.
Randolf wäre nämmich von seiner Mutter verzärtelt und verzogen worden und sei deswegen so ein unglaubliches Pupsgesicht geworden.
Ich wußte, sie würden die Schuld einer Frau geben. [/helga]

Na, jetzt hat Raimund überraschend ein Karnickel einen Geheimgang aus dem Hut gezogen, jetzt ist das alles ja ganz einfach und nichts kann mehr schiefgehen. Super.

Marthe wartet also. Und wartet. Überprüft ihre Sälbchen und Bindchen. Wartet. Wartet.

Der Fluss rauscht.

Die Blätter rascheln.

Der Fluss rauscht immer noch.

Sie isst ein bisschen Brot.

Und wartet.

... die Spannung bringt mich nochmal um! :haarerauf:

Wieder rief sie sich Christians Bild ins Gedächtnis, seine scharf geschnittenen Gesichtszüge, seine dunklen Augen, und betete stumm.


Der Fluss rauscht noch ein bisschen weiter.

Hnnngh! ... irgendwo muss ich noch Florentiner herumliegen haben. Nervennahrung.

Dann kommen, bemerkenswert unbemerkenswert, die Männer zurückgeritten, mit Chris auf der improvisierten Trage zwischen sich.

Also lebte er? Einen Leichnam hätten die Männer bestimmt einfach über den Pferderücken gelegt.

Marthes Feingefühl. Entzückend. Kann sie nun eigentlich Chris spüren oder nicht? Mal ja, mal nein – also was nun?

Der Rest der Männer scheint bis auf ein paar Blutflecken auf den Klamotten unverletzt, aber Chris' Zustand ist erbarmungswürdig.

Er lag in tiefer Bewusstlosigkeit und glühte im Fieber. Seine Wangen waren eingefallen, blutverschmiert und von Bartstoppeln bedeckt, eine große Platzwunde klaffte über der rechten Augenbraue. Unter der zerrissenen Kleidung waren die Spuren grausamer Folterung zu erkennen: Blutergüsse in allen Farbschattierungen, Peitschenstriemen, Brandmale. Und als ihr Blick auf die von Ketten wund gescheuerten Handgelenke fiel, sah sie, dass ihm jemand mehrere Fingernägel herauserissen hatte.

Liebe zum Detail hat sie ja, muss man ihr lassen. Miek! *zuck* Aber halten wir mal fest, dass Chris mehr hinüber als herüber ist, das wird später noch wichtig.

Unser Rettungskommando schafft Chris und sich in das Boot, dann wird flussabwärts geglitten.

Marthe, die hinter Christians Kopf kniete (wie groß ist das Boot eigentlich?), vergaß alles um sich und konzentrierte sich auf ihre Arbeit. [...]
Nach einem stummen Gebet legte sie vorsichtig ihre Hände auf Christians Schläfen. Wieder spürte sie das Prickeln in den Handflächen, das von der LEbenskraft kündete, die von ihrem Körper in den seinen floss. Doch dann fühlte sie immer stärker den Nachhall seiner Schmerzen durch ihre Hände strömen.

Rainmund ermahnt unseren Mittelalterexperimentaldefibrilator, dass es niemanden was bringt, wenn sie umkippt und sie solle sich doch etwas schonen. Tut sie, aber ihre Initialbemühungen haben schon gereicht: Chris' Augenlider flattern. Halleluja!

Ein schwacher, trockender Husten schüttelte Christians Körper, dann schlug er die Augen auf und blickte mit fiebrigem, verwirrten Blick in den Himmel über sich.

Raimund erklärt ihm (und netterweise auch uns gleich mit) dann schnell, was bei der Rettung so passiert ist.
Quasi nichts. Sie kamen, fanden, murksten ein paar Wachen, sackten Chris ein und verschwanden wieder.

Sie bringen Chris dann in Raimunds geheime Hütte im Wald. Da kommt keiner hin, weil R. verbreitet hat, dass dort der wilde Mann umgehen würde.
Ah.
Chris wird noch schnell auf eigenen Wunsch im Fluss gebadet *tunk*, dann tragen sie ihn in die kleine Hütte. Chris dramatisiert noch etwas, „lasst mich in der Sonne sterben!“, aber das bringt ihm nicht viel, weil Marthe andere Pläne hat. Chris bemerkt zum ersten Mal, dass Marthe auch da ist.
Das sieht ungefähr so aus:
„Du bist da!“ – „Aber jaaah!“ – „Du bist hier! Sie haben Dich nicht gefunden!“ *inohnmachtfall*

Romantisch!

Lukas und Marthe bleiben bei Chris in der Hütte, der Rest zerstreut sich. Raimund muss schließlich daheim sein und den Unschuldigen spielen, wenn Randolf wutschnaubend angeritten kommt.
Marthe bittet dann Lukas ihr bei der Entkleidung des Patienten zu helfen.
Lukas ist entsetzt – das geht doch nicht! Wie unanständig!

Marthe verdrehte ungeduldig die Augen. „Entweder wir achten auf Anstand und Sitte und lassen ihn sterben – oder wir kümmern uns nicht darum und versuchen, ihn zu heilen. [...]“

Haben wir ein Glück, dass Chris erst noch gewaschen werden wollte und jetzt unbedingt raus aus den nassen Klamotten muss, was?
Nachdem dank Rome genügend Nacktbilder von Chris bei Google (selbst bei moderatem SafeSearch-Modus) zu finden sind, verzichte ich hier mal auf Verlinkung.

Hust.

Gut. Lukas schickt Marthe nach draußen, entkleidet Chris, bedeckt alle potenziell anstößigen Stellen und ruft Marthe dann wieder rein. Die stellt fest, dass Chris in wirklich schlechter Verfassung ist. Ich verzichte hier mal auf die detaillierte Beschreibung aller Verletzungen, das hatten wir ja schon mal und es wird nicht appetitlicher.

Marthe macht sich an die Behandlung inklusive Handauflegen. Ommmmmmmm. Lukas kocht. Also, Hühnchen. Aber auch so. Das geht drei Tage so, und am Abend des dritten Tages sagt Marthe, dass Chris überleben wird, wenn diese Nacht das Fieber fällt. Aber das ist, trotz Marthe-Heil-Power, nicht sicher. Das Fieber sinkt und steigt und sinkt und steigt und Chris ist nie wirklich bei Bewußtsein.

:fingernägelkau:

In der Nacht wird Marthe von Lukas geweckt, weil Chris ständig im Schlaf nach ihr rufe.

Sie legte eine Hand auf Christian Stirn, die im Fieber glühte, und ließ die Schultern hängen. Allmählich war sie am Ende ihrer Fähigkeiten angekommen.

Dass wir das noch erleben dürfen! Aber jetzt ist ja ohnehin die größte Heilerin der Menschheitsgeschichte, ach was, des Universums dran: die Liebäh!

Christian war stark, bisher hatte er noch nie aufgegeben. So grausam die Spuren der Folter auch waren – sein kräftiger Körper sollte damit fertig werden. Was hielt ihn davon ab, ins Leben zurückzukehren? Es waren nicht die sichtbaren Verletzungen, dessen war sie sich sicher.

Sie beschwört ihn dann, zu kämpfen, und er erwacht und hält ihre Hand, und bittet sie zu bleiben, und sie setzt sich an seine Bettkante und er bittet sie, nicht von ihm wegzugehen und sie sitzt bei ihm und er ... schläft ein.

Okay. Erwarten wir mal nicht zu viel. Da war ja schon viel Schönes bei, so grundsätzlich.

Marthe verbringt dann die gesamte Nacht am Bette ihres Ritters, hält das Händchen und am Morgen geht es Chris schon viel besser. Er ist bei Bewusstsein, verlangt nach Wasser und Nahrung und überhaupt alles wunderbar. Lukas freut sich wie ein Schnitzel und rennt gleich nach draußen, um ein paar Wachteln zu finden.

Chris, grade noch so dem Tode entronnen, verschwendet keine Zeit. Er ergreift die marthe'schen Hände und gesteht ihr dann seine Liebe.

„Ich hatte im Kerker viel Zeit, nachzudenken. Zeit, zu bereuen und meinen Frieden zu machen mit Gott und der Welt. [...]“
Er machte eine Pause.
„Aber eines bereue ich mehr als alles andere: Nicht schon viel eher erkannt zu haben, dass du es bist, die ich für den Rest meines Lebens an meiner Seite haben möchte. Ich liebe dich!“
Marthe fuhr zusammen. „Herr, ihr sprecht im Fieber!“
[...]
„Wenn du es ähnlich empfindest ... und das glaube und hoffe ich ... sag es!“
Marthe senkte stumm den Kopf, während ihr Herz raste.
Zärtlich nahm Christian ihren Kopf in seine Hände und hob ihn an, so dass er in ihre Augen blicken konnte. Was er darin sah, war für ihn Antwort genug.
Sanft küsste er Marthes Lippen. Er fühlte, dass sie seinen Kuss erwiderte, und wurde leidenschaftlicher. Als er endlich von ihr ablassen konnte, griff er erneut nach ihren Händen.
„Marthe ... Du bist meine Liebe, mein Leben! [...]“

Das war jetzt eigentlich ganz nett, aber der letzte Satz ... nee, Chris, das üben wir noch mal. Mein Leben, meine Liebe. Naaah. Das hat Nabokov besser hinbekommen.

Chris sagt dann noch, dass er Wippi ja fragen könne, ob er Marthe freigeben würde, nachdem sie ihm keine Kinder geboren hat bisher. Ja, hum, meint Marthe, das mit Wippi hätte sich dann also schon erledigt. Chris freut sich schon fast, als Witwe ist Marthe schließlich frei, hurra.

„Also dann – willst Du meine Frau werden?“
Verzweifelt schlug sie die Hände vors Gesicht. „Ich kann Euch nicht heiraten. Ich bin unehrlich geboren, meine Eltern waren Schäfer.“

Ooooohhhhhh Kinners! Könnt ihr euch nicht mal ohne Drama bespringen!? Hnnnngh! [/klare Worte]

Marthe möchte ihm dann auch gleich noch beichten, dass Randolf, also, hüstel, ne, der hätte ...
Joh, meint Chris, das wisse er schon.
Marthe ist entsetzt.

Er nahm wieder ihre Hände und küsste die Handflächen, die vom Feuer schmutzig waren. „Lass mich dich vergessen machen, was er dir angetan hat.“ Zärtlich wischte er ihre Tränen weg. „Ich schwöre, ich werde dir niemals wehtun!“

Hnnnnnghx! CHRIS!
Dekorativ ohnmächtig war er mir dann doch lieber. Hört der sich eigentlich zu beim Reden?

Glücklicherweise platzt Lukas mit zwei Wachteln in die lauschige Runde. Der ermahnt Chris, dass der sich doch schonen solle. Jaja, meint Chris, er müsse jetzt erst mal seine Kampfform wiedererlangen, Lukas müsse ihm dabei helfen. Er hätte nämlich vor, seine Ehre, seinen Titel und sein Dorf zurückzuerobern.

... also dafür, dass er quasi noch vor lediglich ein paar Stunden schon Binky mit Bill Door am Horizont winken sah, ist er jetzt wirklich ernsthaft gut drauf.
Bemerkenswert.

Und es wird noch bemerkenswerter werden. Ihr werdet sehen. [/foreshadowing]

Wieder zwei Tage später rennt Chris schon wieder draußen herum. So trifft er auf einer lauschigen Lichtung auf eine nachdenklich unter Farnwedeln herumsitzende Marthe.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet“, sagte er.
Sie stand auf, wie es die Höflichkeit gebot, und schwieg mit gesenkten Lidern.
„Marthe. Willst Du meine Frau werden?“, wiederholte er, ohne sich seine Anspannung anmerken zu lassen.
„Ein Ritter kann keine Niedriggeborene heiraten. Das ist gegen Gottes Ordnung“, sagte sie schließlich.

Yeah, Baby, gib mir die Sahne, gib mir Drama gib mir Licht, all das Emo dieser Welt [/sing]

Das geht noch ein paarmal hin und her, dann gesteht auch Marthe, dass sie ihren Ritter von Herzen liebt, sie befummeln sich schon mal ein bisschen, Chris flüstert ihr ins Öhrchen, dass er sie nicht als Gespielin sondern als richtige Ehefrau wolle und dann wird erst mal ordentlich geküsst.

Und während ihre Hände durch sein dunkles Haar fuhren, stieg ein so süßes Gefühl in ihr auf, dass sie zum ersten Mal etwas von jenen Freuden der Liebe zu ahnen begann, von denen ihr Emma so Unglaubliches erzählt hatte.

Teh Healing Sehks kann nicht mehr weit entfernt sein.

Na endlich!

Montag, 16. Februar 2009

Die Hebamme XXXIX – Burg Landsberg bei Leipzig

Marthe ist glücklich in Burg Landsberg bei Leipzig angekommen, obwohl ihr kurz vor dem Ziel noch ein paar Diebe das Maultier stehlen wollten. Wie sie entkam ist unbekannt, aber ich vermute, sie hat ihnen mit aller Kraft in die Augen geschaut.

In der Burg selbst versucht sie sich zu Hedwig durchzugaukeln, wird aber leider kurz vor der Kemenatentür von den Wachen entdeckt. Die wissen natürlich, dass alle Spielleute notorische Schwerenöter sind und reagieren entsprechend misstrauisch.

Ja, uhm, meint Marthe, sie wolle nur zur Heimlichkeit. Habe sich wohl verlaufen. Ahahahaha.

Die Seniorwache lässt sich nicht foppen und befiehlt, Marthe den lüsternen Spielmann zum Hauptmann der Wache zu bringen.

Huch, äh, ja, jetzt fiele es ihr wieder ein, eigentlich wollte sie nicht zur Heimlichkeit sondern zur Magd Susanne.

... ah. Ich persönlich sehe jetzt nicht so die große Ähnlichkeit zwischen der Heimlichkeit und einer Frau, aber mei. Innerhalb der Logik dieses Buches ist es ja nicht sooo abwegig. Hust.

Die Juniorwache läuft in die Kemenate (Marthe war soooooo *zeig* nahe dran) und befragt Magd Susi. Die kreischt in höchsten Tönen, dass sie eine verheiratete Frau wäre und keine Spielleute kennen würde. Die Juniorwache ist angesäuert.

„Der Kerl hält uns zum Narren! Ab ins Verlies mit ihm! [...]“


Ach, nein, moment, ruft Marthe, man solle Susi doch bitte sagen, dass sie eine Nachricht von Marthe habe, das sei alles ein Missverständnis!

Hätte ihr auch mal früher einfallen können. Blitzbirne. Sowohl Junior als auch Senior haben nun endgültig die Faxen dicke und schleppen Marthe in den Kerker zum Hauptmann der Wache.

„Schafft ihn noch nicht nach unten, sondern in meine Wachstube“, ordnete der Hauptmann an, nachdem er Marthe mit so durchdringendem Blick betrachtet hatte, dass ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief.
„Ich will ihn nachher selbst verhören. Aber bewacht ihn gut. Und niemand rührt ihn an. Um seine Kleider könnt ihr später würfeln.“
Seine letzten Worte ließen Marthe erstarren. So weit hatte sie nicht gedacht! Die Vorstellung von dem, was passieren würde, wenn die Wachen herausfanden, dass sie eine Frau war, ließ ihre Beine zittern.

Unsere auch, Märthsche, unsere auch.

Die Wachen schleifen sie also in eine Turmkammer, wo sie sich ganz ihrer Verzweiflung hingeben kann.

Es war vorbei.
Nachdem die Wachleute ihre Lust an ihr gestillt hatten, würde sie in den Verliesen vermodern, ohne dass Hedwig auch nur von ihrer Anwesenheit ahnte.

Und Christians Freunde würden vergebens auf sie warten und zu spät kommen und Christian war tot und Randolf herrscht über das Dorf und warum sollte sie überhaupt noch leben. Jammer, wimmer, klag, härm, winsel.

Nach einer Weile kommt der Hauptmann, mein Held, zurück. Der schickt erst mal alle weg und dann geschieht das Unfassbare: er weiß, dass Marthe eine Frau ist (der scharfe Blick von vorhin, ne?) und wird ... väterlich!

„Mädchen, was hast Du dir nur dabei gedacht? [...] Bist Du ausgerissen, um deinen Liebsten zu treffen?“

Mein Gott! Ein netter Mensch, äh, Mann! Hier! In diesem Buch! Ohne Lenden (metaphorisch gesprochen. Ähm.)!

Ich glaube, unten in der Küche hat's noch Zwetschgenschnaps. Ich brauche das jetzt. Für meine Nerven. Gleich wieder da, dann geht es weiter.

[...]

*röchelhustbrennhicks*
So. Er verlangt nun von Marthe, die Wahrheit zu sagen. Die gibt ihren Plan, sich auf den Hauptmann zu stürzen, damit der sie wenigstens schnell tötet, auf, und erzählt ihm stattdessen, dass sie eine uuuuunheimlich wichtige Nachricht für seinen Herrn und die Markgräfin Hedwig hätte.

Der Hauptmann guckt verblüfft und etwas ungläubig, aber nachdem er ein guter Mann ist, landet Marthe kurz darauf vor Markgraf Dietrich, dem Bruder Ottos. Er erinnert Marthe ein wenig an Christian und wenn ich dem eher simplen Gut-Böse-Schema des Buches folge muss das bedeuten, dass Dietrich ebenfalls ein guter Mann ist.
Außerdem hatte ich in der Oberstufe einen tollen Mathelehrer, der auch Dietrich hieß.
So. Beweisführung abgeschlossen.

Marthe fängt an zu berichen.

„Ich bin Marthe aus Christiansdorf, eine Wehmutter“, begann sie, doch weiter kam sie gar nicht.
„Marthe?“, fuhr Dietrich dazwischen [...]. „Die Marthe, die meine Schwägerin vor einem Giftanschlag und meine Patensohn vor dem Fiebertod bewahrt hat?“

Ja. DIE Marthe. Gibt es auf dieser Erde noch eine andere? Ich hoffe denke nicht.

Gut, Marthe ist bekannt und der hohe Herr ist ihr grundsätzlich wohlgesonnen. Gute Basis, darauf kann man aufbauen. Dietrich lässt Hedwig holen, die Marthe sofort auf den zweiten Blick erkennt.

Dann darf Marthe berichten. Wie böse Randolf gehaust hat, dass Chris zu Unrecht beschuldigt wurde und jetzt auf Randolfs Burg gefangen gehalten wird und dass die liebe Oda eine Spionin des Löwen sei.

Letzteres interessiert Dietrich dann deutlich mehr als das restliche „Wähwähwäh, die sind böse zum lieben Christan“.

Hedwig zögerte einen Moment.
„Zwischen Randolf und Christian herrscht seit Jahren erbitterte Feindschaft. Das war letztlich auch der Grund, weshalb mich mein Gemahl zu euch geschickt hat. [...] Ich habe Eurem Bruder wiederholt prophezeit, dass Blut fliessen wird, wenn er Randolf Macht über seinen Rivalen verleiht [...]. Nun ist das Unheil eingetreten. [...]
Otto glaubt mir nicht mehr. Er ist von Randolf und dieser Oda völlig eingenommen, die [...] seine Schritte und Gedanken nach den Wünschen des Löwen lenkt. Das dürft ihr nicht zulassen!“


Dietrich lehnt sich zurück und grübelt. Der Leser hat zum Glück einen wunderbaren Logenplatz mit Ausblick auf seine Gedanken. Er denkt nämlich, dass Otto ein Narr sei. Gut, da stimme ich ihm völlig zu. Dietrich hat Otto schon immer um Hedwig beneidet, die so treu und loyal zu ihrem Mann steht, während er in einer Pflichtehe mit einer frömmelnden polnischen Königstochter festsitzt.
Dann wenden sich seine Gedanken den aktuellen Geschehnissen zu und er stellt fest, dass er Marthe glaubt. Außerdem kennt der den tapferen Christian und weiß, dass der nie Silber stehlen würde. Ein so wahrer, aufrichtiger, echter Mann wie Chris musste sich einfach Feinde machen, das war klar.

Aber er musste es wert sein, dass diese junge Frau, die nun vor ihm stand und so verzweifelt um Rettung für ihren Herrn bat, all die Gefahren auf sich genommen hatte.
Wenn er das Leuchten in ihren Augen sah, dann wünschte er sich, einmal so geliebt zu werden wie dieser Christian.

Jaja, das wünschen wir uns doch alle. Weiter jetzt.

Dietrich entscheidet sich. Er könne sich bezüglich des Dorfes nicht einfach so in die Angelegenheiten seines Bruders mischen (Och, warum nicht? Darf doch sonst auch jeder), aber die Oda-Sache sei schon wichtig. Er werde einen seiner Spione in Braunschweig darauf ansetzen.

Marthe ist froh, aber auch ängstlich, denn der Markgraf hat noch nicht gesagt, ob er sie wieder ins Verlies werfen wird.



GAH!

Tut er natürlich nicht, nur die Spielmannskleidung soll verbrannt und Marthe ihrem Geschlecht angemessen gekleidet werden.
Dann lässt er den Haushofmeister rufen. Der solle alles für einen Jagdausflug in kleiner Gesellschaft vorbereiten.

Hedwig: „Böh? Jagdausflug? Jetzt??“
Dietricht: „Hajaklar! So Richtung Süden. Könnte passieren, dass ich bei Randolf Station mache und ihn einen Tag lang ablenke. Kann ich dann ja nix für, wenn Christians Freunde die Gelegenheit nutzen und ihn befreien, ne?“
Hedwig & Marthe: „Ahhh.“

Man reitet am nächsten Tag also gemütlich im gestreckten Jagdgalopp los. Marthe wird mitgeschleppt, Hedwig muss in der Burg bleiben, Susi wird als Spionin zu Ottos Burg geschickt. Dass Susi eigentlich ein Kind haben müsste, wird nicht erwähnt. Mich würde schon interessieren, wo das denn jetzt abgeblieben ist, denn das „Es ist ein haaaaartes Leben“-Lamento des Buches in allen Ehren, ein ca. 1 bis 2 Jahre altes Kind wird man wohl kaum schon als Haushaltshilfe irgendwo unterbringen können. :augenbraue:

Marthe klemmt jedenfalls vor einem Knappen auf dem Pferd und hat wieder ihre „Chris geht es schlecht“-Schläfen-Migräne.

Nach einem durchrittenen Tag erreichen sie Raimunds Gehöft, wo sie von einer gutbehoffnungten Lizzy begrüßt werden.

„Deine Ratschläge haben geholfen“, meinte die junge Frau freudestrahlend [zu Marthe] und legte die Hände auf ihren geschwollenen Leib.

Ich frage mich, wie sich die Menschheit vor Marthe fortgepflanzt hat. Welche Ratschläge eigentlich? So dümmlich, wie die meisten Menschen im Vergleich zu Marthe dargestellt werden lief das wahrscheinlich so ab:

Lizzy: „Ach, wir haben noch immer keine Kinder! Dabei lieben wir uns doch sooo!“
Marthe: „Ja, habt ihr denn auch Sehks?“
Lizzy: „Wie, Sehks? Nein, warum?“
Marthe: „Ja, das braucht man schon.“
Lizzy: „Echt? Ja, dann probieren wir es mal damit.“

Scheint ja geklappt zu haben. Hust.

Der Rest des Aufenthalts vergeht mit Abendessen, dann hegt Dietrich mal kurz den Gedanken, sich die wunderschöne Marthe mal eben ins Bettchen zu holen, aber schon kurz darauf schilt er sich für dieses Ansinnen selbst und lässt es fallen. Wie kann er nur, also nee! Stattdessen fordert er Marthe auf, doch ordentlich zu essen, schließlich habe sie einen langen Tag hinter sich.

Doch noch bevor sie zugreifen konnte, fuhr ein so schrecklicher Schmerz durch ihren Körper, dass sie gequält aufschrie und zusammensackte.

Laaasssssss mich raten: Christian! Richtig?

Marthe wird mit Wein abgefüllt (zur Beruhigung natürlich nur) und soll sagen, was passiert sei.
Ja, Christian. Er hätte furchtbare Schmerzen erlitten und jetzt würde sie ihn nicht mehr spüren, OMG!
Optionieren wir mal dafür, dass er nur ohnmächtig ist. Er schuldet uns schließlich noch was. :fußtrappel:

Zur Erleichterung aller treffen die drei Chrisgetiere am nächsten Vormittag mit Lukas ein. Man stimmt die Pläne aufeinander ab („Uhrenvergleich!“) dann wird gleich ohne viel Federlesens losgeritten, man hat es schließlich eilig.
Na, vielleicht nicht gleich. Zuerst müssen sie noch einen Riesenbohey darum machen, ob Lukas mitkommen darf oder nicht. Um sich zu beweisen muss er erst im Schwertkampf gegen den Markgrafen antreten.

Moah, ey, Jungs! Könnt ihr euren [beep]vergleich nicht irgendwann später abhalten? Chris liegt da grade so ein bisschen sterbend herum! Hopphopp! Nochmal jeder auf die Heimlichkeit und losgeritten!

Marthe hat dann noch eine Vision vom Sohn des Markgrafen, wie er blutüberströmt regungslos auf einer Turnierwiese liegt, aber das sagt sie ihm nicht. Da muss sie erst drüber nachdenken.

Dann brechen sie endlich auf. Wurde aber auch Zeit.

Sonntag, 15. Februar 2009

Die Umzugs-Umfrage

Nachdem das Blogger-Modul noch immer nicht funktioniert, habe ich mal einen externen Anbieter bemüht.

[Es gab mal eine Umfrage. Früher.

Soll FrauKatz mit ihren Lesereien umziehen?
Ja 36%
Nein 7%
Egal 57%

Somit wird umgezogen. Ich danke für die Teilnahme.]

Dann stimmt mal schön.

Samstag, 14. Februar 2009

Gedankengang

Ich überlege grade, meine launigen Lesungen in ein Extrablog auszulagern. Da hätte dann jedes Buch sein eigenes Tag, eventuell gäbe es die einzelnen Buchbesprechungen dann auch mal als PDF zum Download, zwischendrin gäb's eventuell noch Kurzrezensionen ...

Sobald Blogger wieder mitspielt gibt's dazu auch eine Umfrage, aber ich wollte schon mal ein wenig vorfühlen, was ihr so davon haltet.

Also? Meinungen?

Freitag, 13. Februar 2009

Die Hebamme XXXVIII – Auf der Suche

Lukas kann seine Lenden also beherrschen und schon bald reitet das Pärchen in Meißen ein. Dort allerdings wenden sie ihre Schritte nicht zum Burgberg sondern zu einer Gastwirtschaft am Elbufer, um vorher erst einmal die Lage zu sondieren.

„So können wir uns erst einmal umhören, ehe wir uns auf der Burg blicken lassen“, erklärte er Marthe. „Wir müssen herausfinden, ob Randolf dem Markgrafen schon von dem angeblichen Silberdiebstahl und dem Fluchtversuch erzählt hat. Dann wäre mein Herr noch als Toter geächtet und wir sollten vorerst lieber im Verborgenen bleiben.“

Noch als Toter geächtet! Naaaiiin! Ein Schicksal, schlimmer als der ... wait.

Lukas vermutet ohnehin, dass Randolf erst Anklage erheben würde, nachdem er Chris so ein bisschen totgefoltert hätte, aber man weiß ja nie.

Also folgen sie Lukas' Plan: sich bedeckt zu halten und ganz schnell Raimund, Richard sowie Gero zu finden, um Chris so schnell wie möglich zu befreien.

Er war sicher, dass Randolf ein langes Martyrium [Anm. d. Red.: Ein 1,84 m langes Mysterium wäre mir lieber] für seinen Rivalen wollte. Doch angesichts der Grausamkeit, für die der mächtige Ritter bekannt war, wusste niemand, wie lange Christian den Kerker überlebte. Falls er überhaupt noch lebte.

Keine Sorge, Marthe würde es Dir sagen, falls nicht. :patpat: Außerdem muss Chris noch Sehks haben, wir haben uns nicht soweit vorgekämpft nur um dann ums Vergnügen gebracht zu werden! Hömmahier! So geht's ja wohl nicht!

Sie ziehen also ins Gasthaus ein und fragen den geschwätzigen (wie dienlich!) Wirt aus. Der Markgraf sei mit seinem Gefolge unterwegs, allerdings sei die Markgräfin nicht bei ihm. Otto hätte Hedwig auf Abstellgleis zu seinem Bruder Dietrich geschoben, damit er ungestörter mit Oda poussieren könne.
Arsch.
Ludmillus sei außerdem noch in der Stadt. Da guck. Als geheimer Spion aus Berufung weiß der bestimmt einiges zu erzählen. Wie praktisch!

Marthe und Lukas gehen ihn gleich mal suchen, kommen aber ein bisschen zu spät. Er wäre grade aufgebrochen und in die Richtung gegangen, weil er im Krummen Hund wohnt, erklärt ihnen eine ältere Frau, die einen Korb Eier trägt.

... das ist jetzt ein irritierendes Detail. Ich weiß auch nicht. Korb Eier. Pffrchchchch.

Lukas und Marthe rennen ihm hinterher. Sie kommen grade noch rechtzeitig: Ludmillus wird von drei gedungenen Meuchelmördern verfolgt und in die Ecke gedrängt! Huch!
Lukas, von Chris wohlgeschult, zieht sein Schwert (eigentlich ja Chris' Schwert, dem bestimmt noch der Zauber seines früheren Herrn innewohnt) und schlägt dem ersten mit mächtigem Hieb die Hand ab.

Ich bitte um wohlwollende Beachtung der Tatsache, dass ich mich der Erwähnung des Wortes „kurzerhand“ enthalte. Danke.

Nach kurzem Kampf ergreifen die Männer das Hasenpanier; zumindest zwei, dem handlosen Dritten, der sich wimmernd auf der Erde herumwälzt, schneidet der eine schnell noch die Kehle durch. Zeugenbeseitigung. Kann ja sein, dass der nicht schnell genug verblutet, wenn ihm jetzt die Hand fehlt. Als fieser Verbrecher kann man einfach kein Risiko eingehen, nicht mal im Mittelalter.
Versteh' ich voll, Du.

Ludmillus lebt also noch und ist darüber, verständlicherweise, recht entzückt. Auf die Frage, was die Schurken von ihm wollten, antwortet er ausweichend. Das könne er Marthe und Lukas erst in seiner Unterkunft erzählen, hier hätten die Gassen Ohren.

In der Unterkunft angekommen breitet Ludmillus seine Vermutungen aus: das waren keine einfachen Diebe, nein, die sollten ihn umbringen. Ganz sicher. Weil, er hätte nämlich jemanden erkannt. Jawohl.

Jemanden erkannt? *plöpp* *plöpp* :ohrenspitz:

Ja, als er beim Marktgrafen aufgespielt hätte, da hat er jemanden gesehen, der da nicht hingehört. Und diese Person hätte ihn auch gesehen und gesehen, dass er sie gesehen und erkannt hat, und deswegen will ihn diese Person jetzt umbringen!

„Sie? Wer? Sag schon“, bedrängte Lukas den Spielmann.

Lukas ist sehr höflich muss ich feststellen. Ich wäre da wohl deutlicher geworden.

Nu, es handelt sich um Oda, Ottos Geliebte! Die ist nämlich eine enge Vertraute des Löwen, der wo doch Ottos Erzfeind sein tut!

Krawumms! Das'ma 'ne Offenbarung! Da kann man doch was mit anfangen.

Lukas erkannte sofort die Wichtigkeit dieser Entdeckung.
„Wenn Oda eine Spionin Heinrichs ist, haben wir endlich auch etwas gegen Randolf in der Hand. Es heißt doch, sie sei eine entfernte Verwandte Randolfs und der habe sie zu Otto geführt.“
„Wir brauchen Beweise“, wandte Marthe ein.

Yoda hattse Recht. Ohne Beweise Holzkopf Otto sein Honigkuchenpferd madig machen zu wollen ... schlechte Idee.

Ludmillus ist da aber auch keine große Hilfe, der hängt am Leben und weiß, dass das Wort eines Spielmannes nichts gilt. Yoh. Dasisso. Deswegen verzöge er sich jetzt mit Frau und Kegel unter dem Decknamen Reinhardt zum Landgrafen von Thüringen.

Marthe und Lukas denken nach und kommen zu dem Ergebnis, dass sie nun doch zu Hedwig reiten müssen. Allerdings müssen sie auch die drei anderen Musketiere auftreiben, damit Chris gerettet wird. Das ist ja auch so ein bisschen eilig.

Sie gehen dann erst mal zu Josie. Die erkennt Lukas sofort und hatte schon in der Nacht so ein Gefühl, dass Chris was Schreckliches zugestoßen sein muss. Es wird ein bisschen palavert und Marthe beschließt, als Mann verkleidet [Anm. d. Red.: Ja, das Chliché hat noch gefehlt. Gut. Können wir das abhaken.] zu Hedwig zu reiten, während Lukas den Rettungstrupp zusammensammelt.

Dies trifft auf wenig Zustimmung beim Heldenknappen. Er musste schließlich versprechen, Marthe in Sicherheit zu bringen, die Straßen sind unsicher, OMGNÖ. Aber mei. Bringts Drama was?

Zum ersten Mal sah Marthe Lukas mit aller Kraft in die Augen.

Wie das geht möchte ich ja auch mal wissen. Mit aller Kraft? Mit Schwung und Anlauf oder wie? À la Dramatic Chipmunk? (/watch?v=a1Y73sPHKxw)
:runzel:

Er starrte zurück und ließ dann langsam ihre Arme los. Ob es die Intensität ihres Blickes oder die merkwürdige, von der Persönlichkeit der Alten geprägte Umgebung war – ihm lief ein Schauer über den Rücken.

Jahaa! Fear the power of Marthe! Muahahahahahahahaha! Ha!

Jut, so ward es nun entschieden: Lukas reitet zur Burg, Marthe als Spielmann verkleidet zu Hedwig.
Auf einem Esel.
Den Josie mal eben aus dem Hut zaubert.

Well.

Aber zuerst muss Marthe hergerichtet werden. Lukas schneidet ihr unter großem Bedauern die weichen, wonnevollen, hüftlangen Haare ab, Marthe zieht die Spielmannskleidung an. Jetzt muss sie nur noch das Spielmannshandwerk erlernen. Aber Marthe packt das bestimmt innerhalb weniger Minuten.

„Bis zum Schlafengehen zeige ich dir noch ein paar Tricks“, verkündete die Alte zu Marthes Erleichterung.

Josie muss ja auch eine interessante Jugend gehabt haben. Mei, mei.

Ganzwoanders.

„He, komm endlich zu dir, du Bastard!“ Harte Tritte gegen seinen gequälten Körper weckten Christian aus der Bewusstlosigkeit. Benommen blinzelte er gegen das grelle Licht der Fackel.
„Na endlich, wird ja auch Zeit“, brummte der Heisere. „Hast ganze zwei Tage hier herumgelegen.“

Najanun, gab ja sonst auch nicht viel anderes zu tun im Kerker, oder? Tsk.

Chris bekommt dann einen harten Kanten Brot und fauliges Wasser. Während unser angeschlagener (literally) Held sein Mahl mümmelt kommt die Erinnerung zurück und mit ihr die – na? – Schuldgefühle.

Waaaaarum hatte er es nicht geahnt? Waaaarum hatte sie nicht gesagt? Waaaaaaaarum nuuuuuur OMG!??

Jetzt erst verstand er, weshalb sie den alten Witwer geheiratet hatte, weshalb sie so ängstlich zurückgezuckt war, als er ihre Schulter berührt hatte.

Ich verstehe immer noch nicht, warum sie Wippi geheiratet hat. Hat sie ja, ganz objektiv betrachtet, vor nichts bewahrt. Aber mei, nun. Innerhalb der Buchlogik ist das nun mal so. Außerdem durfte er sich so für sie opfern. Hat ja was.

Er fühlte Mitleid, Entsetzen, Verzweiflung. Und Schuld, sie nicht gut genug geschützt zu haben. Doch bald wuchs daraus ein alles andere überwucherndes Gefühl. Er wollte Rache.

Wenn ich zwei Tage lang zusammengeschlagen ohnmächtig in meinem Blut herumliege, würde ich auch einiges spüren, aber ganz sicher kein Mitgefühl mit jemandem. Ich bin ein schlechter Mensch.

Chris beschließt, von Rache und Mitleid getrieben, dass er nun mal alles dransetzen müsse, um aus dem Kerker zu entfliehen.
Nachdem ihn aber schon das Mümmeln des Brotes so erschöpft, dass er schweißübertrömt zusammenbricht, hat dieser Beschluss wohl wenig gute Aussichten auf Erfolg.
Just saying.

Außerdem kommt schon bald Randy wieder zu einer kleinen Stippvisite vorbei. Man muss sich um Besuch ja kümmern, ne?
Zuerst versucht Randy Chris zu behumpsen und lässt im Hintergrund eine Frau schreien. Haha, das sei Marthe.
Chris ist trotz seines Zustandes aber zu clever, das zu glauben. Wenn Randy Marthe wirklich hätte, dann würde er sie auch zeigen. Pfht. Er zeigt also keine Reaktion.

Randy ist enttäuscht und macht weiter im Programm. Dieses Mal erfindet er den Nachfolger des Tätowierens, das Branding. Kohlebecken, glühendes Eisen, fertig.
Jautsch.

Spätestens zwei Tage später musste sich Christian eingestehen, dass jeder Gedanke an Flucht hinfällig war. Er war mit kurzen Ketten an die Wand geschmiedet, die an seinen Händen und Füßen blutige, eitrige Wunden hervorgerufen hatten. Den Rest besorgten Randolfs abendliche Vergnügungen, bei denen er seinen Gefangenen erbarmungslos folterte.
[...]
Christian schloss mit seinem Leben ab.
[...]
Nur eines bereute er: geglaubt zu haben, ohne Marthe und ihre Liebe leben zu können. Ganz gleich, welcher Herkunft sie war, sie war die Frau, mit der er sein Leben hätte teilen wollen. Dass er ihr dies nie mehr würde sagen können, war das, was ihn angesichts des Todes am meisten schmerzte.

Na, dann können die Wunden ja nicht sooo schlimm sein, huh?

Ja, 'sch weiß schon. Die Liebe einer Marthe nicht zu haben schmerzt schlimmer als Amputation, gebrochene Rippen, Brandwunden und Ruhr zusammen. Das ist nun mal so.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Die Hebamme XXXVII – Todesbotschaften

Am nächsten Morgen wird unser rostiger Ritter auf einen Karren gehievt, dort festgekettet und die Augen werden ihm verbunden. Das Dorf versammelt sich erst stumm und gram, dann rufen die Frauen Chris mit tränenerstickter Stimme gute Wünsche um Gottes Schutz und Segen zu, zuletzt Johanna, die kleine Stieftochter unserer Hebamme.

Obwohl er Marthes Stimme nicht hören konnte, war er sicher, dass sie bei dem Mädchen stand und ihn ansah. Er wandte sein Gesicht dorthin, woher der letzte Ruf gekommen war. [...]
Wie gern hätte er sie noch einmal gesehen, wie gern ein letztes Mal den Blick über das Dorf schweifen lassen, in dem sie sich eine neue, bessere Welt aufbauen wollten.

:schindlergeigen:

Hartwig, wie üblich wenig sentimental, gibt das Zeichen zum Aufbruch und der Karren setzt sich in Bewegung. Die Dörfler rufen ihm nochmal gute Wünsche hinterher und bald ist das Gefährt im Wald verschwunden. Zurück bleiben bewaffnete Schergen des rattengesichtigen Verwalters und eine bedrückte Stille.

Man zerstreut sich dann, Marthe steht am Bach und starrt ins Leere, alles wie immer also. Später am Tag kümmert sie sich weiter um die Gemarterten (Gemartheten?). Denen geht es unter Marthesues himmlisch heilenden Händen mittlerweile schon besser, Karl sogar so gut, dass er bereits Rachepläne schmieden kann.

„Ich werde dieses fette Schwein töten“, keuchte Karl, nachdem Marthe ihm leise berichtet hatte, was inzwischen geschehen war.
„Ich weiß genau, dass Du etwas planst, um Christian zu helfen. Nimm mich mit. Ich will dabei sein – und du kannst es nicht allein tun.“
[...] Traurig und gerührt zugleich sah Marthe ihn an. Er war längst nicht mehr der schüchterne Junge, als den sie ihn kennen gelernt hatte. Die vergangenen zwei Jahre hatten einen Mann aus ihm gemacht.

Ein Beitrag aus der Reihe „... aha.“. Gut zu wissen. Kann man bestimmt irgendwann brauchen.

Marthe nimmt ihm dann doch lieber das Versprechen ab, sich um seine Schwestern zu kümmern, wenn sie wegginge. Theoretisch. Wenn sie irgendwas mal ... ne? Hypothetisch.

Wir, im Erkennen eines Foreshadowing geschult, schlussfolgern: Marthe wird binnen weniger Minuten das Dorf verlassen müssen. Huh.

Am Abend des nächsten Tages kommt dann der Verwalter angewackelt und verkündet triumphierend, dass Chris tot sei. Er hätte fliehen wollen und sei deswegen von Hartwigs Männern niedergestreckt worden.

Schreie, Wehklagen, Klagen.

„Er lügt! Christian lebt!“
Verblüfft starrte die Menge auf Marthe, die vorgetreten war und eine ruhige, unterschütterliche Gewissheit ausstrahlte.

Vielleicht schwebt sie auch drei Centimeter über dem Boden, die Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind bestenfalls fragmentarisch. So ein gewisses Leuchten liegt bestimmt auch über ihrem Antlitz, da bin ich mir ganz sicher.
Jawohl.
:nick:

Socke Hildebrand jedoch interveniert. Hartwig sei der neue Herr des Dorfes und alle werden ihm gehorchen.

„Christian ist unschuldig. Und er lebt“, wiederholte sie laut.
„Halt deinen Mund“, geiferte zum Erstaunen aller Kaspar, der sich sonst fast immer im Hintergrund hielt. Sein hasserfüllter Blick flackerte von einem zum anderen. „Woher will sie das wissen? Sie ist besessen.“
Mit aller Kraft blickte Marthe in seine Augen und erkannte nun endlich, was sie längst hätte sehen müssen.
„Du warst es. Du hast das Silber bei Christian und Guntram versteckt. Du hast sie an Randolf verraten und ausgeliefert.“

Pandemonium ensues, wie der Engländer zu sagen pflegt. Kaspar leugnet und bezeichnet Marthe als Hexe. Gertrud, die ex-schwangere Bergmannstochter stößt schnell ins gleiche Horn und ruft, dass Marthe ihr Neugeborenes (das, bei dem Marthe vermutet, dass Gertrud nicht ganz unschuldig an seinem Tod ist, wir erinnern uns?) verhext hätte, so dass es stirbt.

Kaspar greift sich eine Axt und stapft auf Marthe zu, Hartwigs Leute machen das gleiche. Selbst Wippi setzt sich Richtung Marthe in Bewegung.

Wollte auch er sie töten? Diesmal zögerte Marthe nicht und rannte los. Die Dorfbewohner bildeten eine Gasse und schlossen sie wieder, um ihr einen kleinen Vorsprung vor den Verfolgern zu verschaffen.

Doch was muss Marthe zu ihrem erstaunten Entsetzten feststellen, als sie zurückblickt? Wippi stellt sich zwischen sie und die Bewaffneten.

„Lauf“, schrie er ihr zu, ehe er von einem Schwertstreich niedergesteckt wurde.

Right. Hat jetzt nicht viel genutzt, also, so als Verzögerung, weil er ja gleich niedergesteckt wurde. Aber hey. FÜR MARTHE! :brüll:

... doll, jetzt sehe ich Mel „Braveheart“ Gibson vor mir, wie er sich nochmal aufbäumt und „Für Maaaaaaaartheeeeeee!“ schreit. Bis ich dieses Bild wieder aus dem Kopf bekomme, das kann dauern. Tsk.

Marthe rennt wieselflink in den Wald. Anders als bei der ersten Verwarnung kuschelt sie nicht mit dem erstbesten Baum in der Hoffnung, unentdeckt zu bleiben, sondern watet sogar noch durch den Bach, um die Hunde von ihrer Spur abzubringen.
Hunde? Wo kommen die denn her? Noch nie erwähnt, werden nie wieder erwähnt, sind aber handlich zur Hand, wenn man sie mal braucht. Praktisch.

Sie verkriecht sich dann in der geheimen Höhle, die sie mit Lukas als Treffpunkt ausgemacht hatte. Dort bestätigt sie sich darin, dass Kaspar der Verräter ist, denn nun ist ja alles sonnenklar.

Erinnern wir uns noch an Kaspar? Der kam ganz am Anfang mal vor, als Marthe grade zu den Siedlern gestoßen war. Chris hat ihm verboten, seine Frau zu schlagen. Na, dämmert's? Seitdem hat er wohl in einem Erdloch gehockt, jedenfalls wurde er nicht mehr erwähnt.

Na, nu ist er der Verräter, jetzt wissen wir es. Schön. Ein weiterer generischer Böscharacter, der einem am Arsch Podex vorbeigeht. Erschüttert bin ich vom Verrat zumindest nicht. Bei Wippi vielleicht, wenn es aus der Qual des Gefühls der Unzulänglichkeit heraus geschehen wäre. Joh, das hätte mich eher ... aber Who-the-fuck-is-Kaspar ... nee.

Schrittwechsel.

Chris steht auf dem Karren, die Augen sind verbunden aber mit den sicheren Sinnen einer Brieftaube erkennt er, dass sie ihn nicht nach Meißen bringen. Während einer Rast wird er dann bewußtlos geschlagen und wacht erst viel später in völliger Dunkelheit wieder auf.

Bestandsaufnahme: joh, er lebt noch. Immerhin. Gut, er hat eine Gehirnerschütterung, aber ansonsten lebt er noch. Er ist mit Ketten verschnürt wie ein Rollbraten, aber er lebt noch.

Später kommen die Kerkerknechte vorbei.

„Bei Gott, wie ist der denn zugerichtet“, sagte einer mit auffallend heiserer Stimme [...].
„Mit dem hatten wohl mehrere eine Rechnung zu begleichen“, meinte der andere.

Also, Marthe, Marthe könnte bestimmt was gegen die heisere Stimme tun. So mit Salbei und Honig und so. :denk:

Die Knechte hängen Chris dann noch an den Armen (autsch!) an die Decke, so dass seine Füße lauschig über dem Boden baumeln. Igks.

Die Zeit vergeht in der Dunkelheit, dann kommt der nächste Besucher: der liebe Randolf. Der spottet ein wenig herum, boxt Chris in den Magen und diverse andere ämpfindliche Stellen, was man halt so macht. Chris' Geist ist ungebrochen, da fährt Randy schwere Geschütze auf.

„Mit Deiner Angebeteten Luitgard hatte ich wenig Freude im Bett. Temperamentloses Weib. Schwach und ängstlich. Aber weißt du, mit wem ich richtig Spaß hatte? Mit deiner kleinen Hure, diesem Kräuterweib.“
Die winzige Verzögerung, mit der Christians gequälter Aufschrei ertönte, ließ Randolf böse lachen.

Jaa, er hätte sie als erster gehabt, nähnähnäh, und er hätte sie sich immer wieder geholt und hätte ja den halben Tag durchgehalten, Hengst, der er ist. Jaja. Blabla. Außerdem würde er sie holen und seinen Wachen übergeben, dann könne Chris zuhören, harharhar.

Die jäh aufbrandende Welle von Wut weckte ungeahnte Kräfte in Christian. Mit einem unmenschlich klingenden Schrei [Anm. d. Red. Hey, den hatte Marthe doch auch drauf, als sie Chris festnahmen! Sie haben SO viel gemeinsam!] zog er die Beine an und trat mit Wucht gegen Randolf, der taumelte und sich nur mit Not auf den Füßen hielt.

Spätestens jetzt hätte es einem normalen Menschen die Arme ausgekugelt (wenn ich Herrn Borst trauen darf), aber Chris ist schließlich kein normaler Mensch.
Dafür gibt der rostige Ring an der Decke nach, Chris stürzt auf den Boden und wird von Randy und Spießgesellen solange zusammengeschlagen und -getreten, bis er „bewusstlos in seinem Blut schwamm“.

Ein normaler Mensch wäre jetzt verblutet, aber Chris hat bestimmt noch ein paar Extraliter irgendwo gespeichert. :nick: Wahrscheinlich in seinen Lenden, die hat er jetzt ja jahrelang nicht gebraucht.

Tonwechsel.

Marthe sitzt in der Höhle und wartet auf Lukas. Der kommt dann auch bald, bringt Brot und Bier und Neuigkeiten: Chris wäre auf Randolfs Burg gebracht worden (na, das haben wir uns schon fast gedacht, ne?), da hätte er ihn nicht weiter verfolgen können, aber sie wüssten nun, wo er sei.

„In dieser Nacht muss etwas Schreckliches mit ihm geschehen sein, ich weiß es“, brachte Marthe hervor, die immer noch zitterte.

Ja, denn Marthe hat geträumt und hatte einen gar schröcklichen Schmerz in der Schläfe.
Lukas will nun nach Meißen reiten, Marthe will mit. Was Lukas gut findet, so mit Marthe vor sich im Sattel. Sie reiten los, Marthe schläft ein.

... das ist mal Leidenschaft.

Auf dem Weg nach Meißen berichtet Lukas dann weiter:
• Bertram hat seinen Vater, Socke Hildebrand, öffentlich der Feigheit bezeichnet und ist dafür von ihm verprügelt worden
• Johanna und Marie sind jetzt bei Hermann untergebracht
• Bei Hermann gab es furchtbaren Krach. Er zwang seine Tochter, eine Nacht in Sack und Asche vor dem Haus zu knien, weil diese Marthe als Hexe bezeichnet hatte.
• Ein paar Bergleute haben dann nachts noch Kaspar besucht. Zuerst sprachen die Fäuste, dann sprachen die Bergleute (und Karl, das hat er sich nicht nehmen lassen) einen guten Rat aus: er solle doch lieber Kirchenasyl eantragen und sich schon mal überlegen, mit welchen Worten er bezeugen wird, dass er das Silber versteckt hatte.
• Wippi ist beim Bären. Nu, das haben wir uns ja auch schon gedacht.

Marthes Gefühle sind gemischt. Immerhin hat er sie nicht so gut behandelt, wirft auch Lukas ein.

„Das hat er nicht. Aber er hat sich geopfert, um mich zu retten ... Wie vorher schon Grete und dann auch Ritter Christian ... Ich bringe den Menschen um mich herum nur Verderben. Am besten, ich wäre tot.“

Emo-Marthe!

Außerdem hoffe ich mal, dass Chris nicht auf der Opferliste landet. Nach diesen ganzen Verwicklungen haben wir uns ein paar Absätze mit gutem, einverständlichem Sehks mehr als verdient. Pfht.

Lukas tröstet Marthe und natüüüüürlich isser zärtlich und würde am liebsten, ne, tschakkadäng und so. Aber das ist ja politisch unkorrekt, wenn der eigene Herr grade in finsteren Verliesen gefoltert wird. Sowas macht man nicht.

Also reiten sie stattdessen weiter.