Montag, 9. März 2009

Die 2. Hebamme VII – Die Rückkehr

Marthe hatte gewusst, dass dieser Tag kommen würde. Dennoch ließ der Anblick ihr Blut gefrieren.

Steht doch da ganz frech und ungeniert Randolf mitten in ihrer Halle und möchte einen höflichen Nachbarschaftsbesuch antreten.

Sofort, *römmsschepperklönk*, springen die schätzungsweise 5381 Beschützer Marthes in Aktion, allen vorweg der kürzlich von Chris geschickte Richard, und bauen sich zwischen Randolf und dem Subjekt der Begierde des Schutzes auf.

Das dauert natürlich, bis das alles etwas koordiniert ist.



Randolf, nicht blöd, säuselt friedfertig Richtung Marthe, dass er ja nur auf gute Nachbarschaft anstoßen und über alte Zeiten plaudern wolle. Zwinkerzwinker, nudge, Ellenbogen, tief-in-die-Augen-schau.

Marthe, ebenfalls nicht dumm, erkennt messerscharf: der würde es fertigbringen vor allen zu petzen! und wirft stehenden Fußes sämtliche Bodyguards, Richard inklusive, raus. Sie könnten ja draußen warten, wenn etwas sein sollte, würde sie rufen. Shooshoo!

Nachdem die unliebsamen Zeugen erst mal außer Hörweite befördert wurden, plaudert man fein über alte Zeiten. Randolf nimmt sich ein Schlückchen Bier, lobt dessen Qualität und komplimentiert Marthes Figur.

„Immer noch so rank und schlank und schöner denn je", sagte er. „Und immer noch so spröde."


Der perfekte Moment für Märthsche, ein paar Erinnerungen aus der Truhe zu kramen. Wie das damals so war, am Waldrand.

Randolf erkundigt sich auch ganz höflich, ob der Christianssohn nicht vielleicht doch von ihm, Randy, sei, und ob sich Marthe nicht manchmal nach seiner, Randys, Leidenschaft sehne.

Mei, [österreichisch]charmant[/ö].

Angenehmes Geplauder hin oder her, Randy kommt dann doch schnell zum Kern der Sache. Er wolle Marthe ein Geschäft vorschlagen. Sie würde sich darum kümmern, dass Chris Randy in Frieden lasse, und Randy würde als Gegenleistung nicht erwähnen, dass nicht nur er intimere Kenntnis von Marthes anatomischen Bezügen hatte sondern auch noch seine Freunde. Denn das wisse Chris noch nicht, gelle? Na? Hm? Und da hätte er wirklich schwer dran zu schlucken, nicht wahr? Hm?

Sie wusste, dass Randolf vor Christian mit seiner Schandtat geprahlt hatte, als dieser vor ihm in Ketten hing. Doch sie hatte nie mit ihm über jenen furchtbaren Tag reden können, als die vier Ritter über sie hergefallen waren. Und auch nicht über die Tage, an denen sie ihre ungeheuerliche Tat wiederholt hatten.

Momang. Auszeit. Tage? Tage? Wir wissen vom Waldrand und dem Vorfall in Meißen, als sie trotz besseren Wissens diesem fiesen Knappen gefolgt ist. Macht einmal Waldrand und einen zusätzlichen Tag. Und jetzt sind es Tage?

... wir wurden wohl geschont, damals, im ersten Band, und jetzt müssen wir das so hintenrum erfahren. Ich bin nicht amüsiert, gar nicht amüsiert. Tsk.

Aber gut, lamentieren wir nicht über das angeknackste Vertrauensverhältnis zwischen Autor und Leser, gucken wir weiter, wie das mit Marthe und Randolf so läuft.

Marthe stimmt dem Deal zu, denn sie weiß, dass es Christian das Herz brechen würde, wüsste er, dass es außer Randolf und Wippi noch Andere gab. Randy ist zufrieden und rüstet zum Aufbruch.

Lachend stieß er die Tür auf, blieb vor Richard stehen und hob die Hände. „Ruhig Blut, es ist nichts geschehen. Ein rein freundschaftlicher Besuch."

Ahahahahahahahahaha.


Zwei Tage später kommt auch Chris aus Meißen zurück, erfährt quasi schon beim Absitzen davon, dass Randy da war, und ihn ergreift darob große Wut, insbesondere darüber, dass Marthe aus eigenem Willen alleine mit Randy im Zimmer war.

„Was ist in Dich gefahren? Ich schicke eigens Männer, um dich zu beschützen, und du setzt dich allein diesem Ungeheuer aus! Reicht es denn nicht, was er dir schon angetan hat?"
Die Heftigkeit seines Ausbruchs verstörte Marthe zutiefst.
Noch nie hatten sie sich so gestritten.

Ja, also, ganz doll arg ist das. Schlimm. Noch nie so einen üblen Streit gelesen. Huiuiui.

Ja, mei, *flenn*, er hätte gedroht, ALLES auszuplaudern, das hätte sie doch nicht zulassen können. Außerdem sei Richard doch gleich vor der Tür gewartet, da hätte doch gar nichts passieren können. Außerdem hätte sie es ja auch für Chris getan!

„Ich kann auf mich selbst aufpassen", brauste Christian auf und stürmte nach draußen. Marthe hörte die Stalltür klappen und wenig später einen Reiter davonpreschen.

So, Chris voller Wut weggeritten, Marthe voller OMGDrama daheim.

Hatte Randolf recht? Konnte Christian nicht länger mit dem Wissen leben, dass ein anderer seine Frau geschändet hatte? Widerte sie ihn an?
Würde er sie verlassen?

Wow! Von „Liebe seiner Lenden seines Lebens" auf „sie widert ihn an und er wird sie verlassen" in 0,4 Kapiteln. Das ist ... schnell.

Mitten in ihre Verzweiflung platzt dann Lukas, der sie tröstet. Chris würde schon zurückkommen, sowas mache er doch immer wenn er emotional erregt sei.

Spät in der Nacht kommt Chris auch zurück, man spricht sich eingermaßen aus und versöhnt sich dann auf Bonobo-Art.

Eine Woche später trifft ein Bote ein, der folgende Nachricht überbringt: Randy ließe Grüße ausrichten und würde morgen mit den Bauleuten und seiner Gattin in Christiansdorf eintreffen. Chris sei herzlich eingeladen, dem Abmessen des Burglehens beizuwohnen.

Des Abends läd Chris Lukas und Poldi Karl auf ein Bier zu sich ein, zweifellos um die Angelegenheit mit ihm zu besprechen. Doch kaum sitzt man gemütlich herum werden zwei Kaufleute gemeldet, die gerne mit Chris sprechen würden.
Der langen Rede kurzer Sinn: sie sind als Abgesandte der gesamten Kaufleuteschaft hier und denken, dass es vielleicht nicht so günstig wäre, wenn Jonas weiterhin Dorfschulze bliebe, schließlich hätte er in der Vergangenheit schon ziemliche ... Probleme mit dem neuen Burgherren gehabt. Könnte schlecht fürs Geschäft sein, hüstel, sieverstehenschon.

Jaajaa, nee, denkt sich Chris, und wahrscheinlich wollen sie auch noch gleich einen aus ihren Reihen zum Schulzen wählen. Nachtigall etc.
Aber gut, Chris ist ein moderner Dorfherr. Wenn das Volk wählen will, dann soll es das tun.

Der Abend war schon unschön und so reiht sich Randolfs Ankunft am nächsten Tag nahtlos in die Kette der unerfreulichen Vorkommnisse ein. Man begrüßt sich eisig-höflich, dann wird die Burg vermessen.

Während die Männer draußen im Schlamm spielen, besucht Randys Gattin Marthe.

Sie sieht aus wie Oda, war ihr [...] Gedanke.

Sie sieht nicht nur so aus, man munkelt auch, dass sie ihr geistig in nichts nachstünde. Also kein armes Opfer Randolfs sondern eher eine Scylla zu seiner Charybdis. Man spielt sich also gegenseitig die nette Nachbarin vor, plaudert jovial über alles und nichts, da dringt von draußen Lärm an die zarten Frauenöhrchen.

Was ist passiert? Chris hält einen von Randolfs Leuten im Schwitzkasten. Der habe sich nämlich an einem der Mädchen an den Schneidebänken vergreifen wollen. Die übrigens kaum zwölf Jahre alt ist. Diese wichtige Information möchte ich euch nicht vorenthalten.

Gut, der Reisige kreischt herum, dass alles nur ein Scherz/Mißverständnis/Unfall gewesen sei, aber Randy nimmt die Gelegenheit zum Anlass, öffentlich ein wenig guten Willen zu demonstrieren.

Randolf ging drei Schritte auf den Ertappten zu und schickte ihn mit einem gewaltigen Fausthieb zu Boden.
„Habe ich euch nicht befohlen, euch zu benehmen?", brüllte der Hüne.


Nu, der namenlose Reisige wird degradiert, geht eines Zahnes verlustig und das Mädel bekommt eine Münze als Wiedergutmachung. Alle glücklich.

Noch am gleichen Abend verlassen Randy und seine Frau Richenza das Dorf, zweifellos um im Nachbardorf, das von Randys Busenkumpel betrieben wird, standesgemäß unterzukommen, und sie kommen auch nicht wieder.

Grade beginnt Marthe zu glauben, dass vielleicht doch alles wieder gutwerden würde, da taucht ein weiterer Bote auf und vermeldet, dass Otto Marthes und Christians Anwesenheit in Meißen wünsche. Marthe erbleicht und vermutet, dass Randy Chris wegen des mädchenbelästigenden Knechts angeschwärzt hätte.
... Marthes visionäre Präkognition inklusive Fastgedankenlesen hat in den letzten Jahren wohl doch arg gelitten, hu?

Chris ergreift, bei Otto wisse man schließlich nie, was Sache sei, Vorkehrungen und bereitet alles für die Reise von ihm, Marthe und Lukas nach Meißen vor.

Freitag, 6. März 2009

Die 2. Hebamme VI – Das Zusammentreffen

Ein Opossumkapitel.

Noch am gleichen Abend lässt sich Christian bei Otto melden. Gewarnt von Dietrich kann er sich beherrschen, als er Randolf beim Markgrafen stehen sieht.

Aus den Augenwinkeln sah Christian für einen Moment etwas in Randolfs Gesicht aufflackern.

Wiedersehensfreude und Vergebung zweifellos.

Chris darf sich erheben und brütet über gar finsteren Gedanken.

Er würde den Mann töten, der Marthe geschändet und damit vor ihm geprahlt hatte, der Tod und Verderben über sein Dorf gebracht hatte. Lieber heute als morgen.

Na, das dauert bestimmt noch. Derweil befragt Otto Chris nach den Fortschritten der Bergleuterekrutierung. Ah, zehn Männer mit Familie, darunter zwei erfahrene Schmelzer wollen nach Christiansdorf ziehen. Wie schön. Otto ist zufrieden und verkündet, dass es nun höchste Zeit wäre, die Förderung zu erhöhen und eine Burg zu bauen. So eine Burg, ne, die macht schon was her und man kann Silber drin aufbewahren und dem Fald-, Wald- und Wiesenganoven wird es deutlich schwerer gemacht, das hübsche Glitzerzeugs zu stehlen.

Dass Randolf der Burgherr sein wird brauchen wir nicht noch extra zu erwähnen, oder?

Otto macht sich nun also auf seine unnachahmliche Art daran, alle zukünftigen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen: er lässt Chris und Randy einen heiligen Eid aufs Kreuz schwören und betont außerdem, dass Randolf jetzt ja durch das heilige Land geläutert sei, jawohl.
Sollte einer der beiden seinen Eid brechen und Streit anfangen würde beiden die Schwerthand abgeschlagen und jetzt vertragt's euch gefälligst!

Randolf gibt sich versöhnlich, Chris kann sich grade so noch zurückhalten und ihn nicht abmurksen.
Schlechte Ausgangslage, aber Otto ist ja nun auch nicht der Aufmerksamste Welche, wenn es um die Gefühlslage von Mitmenschen geht.

Randolf schwört nun also:
„Ich schwöre bei meiner unsterblichen Seele, keine Feindseligkeiten gegen Christian zu begehen. Sollte ich diesen Eid brechen, möge mir ewige Verdammnis beschieden sein.“

Wir bemerken, so ganz für uns und inoffiziell, dass er hier nur schwört, nicht selbst irgendwas zu unternehmen. Das behalten wir einfach mal im Hinterkopf würde ich sagen.

Dann soll Chris schwören. Er zögert zuerst ein bisschen herum und schon wittert Randolf Morgenluft und grinst gehässig, während Hedwigs Anspannung sichtbar steigt.

Na gut, was will man machen, ne? Aber Chris wäre nicht Chris, wenn ihm dazu nicht noch was einfallen würde.

„Ich schwöre bei meiner unsterblichen Seele, beim Leben meiner Frau und meiner Kinder, stets Eure Interessen zu wahren und Randolf nicht zu töten, bevor Ihr es nicht selbst wünscht.“


Großes Gemurmel setzt ein und Otto läuft erst einmal wutrot an. Hedwig besänftigt ihn schnell und puuh, nochmal gutgegangen.
Nach dem ersten kleinen Showdown wollen sowohl Chris als auch Randy erst mal heim zu Weib und Kind(ern), aber Otto mag sie noch nicht weglassen. Man hätte ja noch so viel wegen der Burg zu besprechen.

„Das gibt euch Gelegenheit, unter meinen Augen zu lernen, miteinander auszukommen.“

Joah. Stuhlkreis in Goslar, mit Sympathie-Tee, Strickpullis und Sozialarbeiter Otto führt die Gesprächsleitung. Gut, dass wir das mal eben kurz angedacht haben.

Die Streithähne treten vor die Tür und o Wunder, Randolf schlägt gar sanft versöhnliche Töne an.

Hat die Sonne ihm das Hirn verbruzzelt?

Ach, ja, Streitigkeiten kämen halt mal vor, das sei lange her, Marthe hätte nichts mehr von ihm zu befürchten, sie würde sich im Gegenteil mit Randolfs Frau anfreunden und Chrissohn und Randolfsohn würden zusammen aufwachsen, tirili.

Holt mal einer den Medicus? Ich glaube Randolf geht es nicht so gut.

Chris hingegen speit Gift und Galle, nur unzulänglich von Ottos Schwur zurückgehalten.

Dieser heißblütige Narr wird mir aus reiner Rachsucht noch alles verderben, dachte Randolf missgelaunt, während er davonstapfte. Ich muss ein paar zusätzliche Vorkehrungen treffen, um sicher zu sein. Und ich weiß auch schon, welche.

Ahhhh! Er hat einen Plan! Na dann! Und ich dachte schon ...

Chris sitzt nach diesem Gespräch mit Lukas und seinen Freunden zusammen und ist wirklich extrem schlecht gelaunt. Er beschließt dann auch, noch einen weiteren Mann (Freund Richard) nach Hause zu Marthe zu schicken.
Lukas kommt das so ein bisschen wie ein Bodyguard-Overkill vor, immerhin logieren schon Herwart und seine Leute bei Marthe. Aber nö, Chris ist unerbittlich.

Da überkommt Lukas die Erleuchtung, warum Chris das so handhaben will. Auf einmal ist alles sonnenklar.

[...] ein furchtbarer Verdacht stieg in ihm auf. Für Christians übertrieben scheinende Vorsichtsmaßnahmen fiel ihm nur eine einzige, allerdings schreckliche Erklärung ein. [...] Denn wenn zutraf und sich herumsprach, was er vermutete, würde jeder erwarten, dass Christian seine Frau verstieß, ganz gleich, ob sie Schuld hatte oder nicht.

Es würde ja außerdem alles erklären, die Heirat mit Wiprecht und warum sie damals so verändert war!

Lukas muss ein Genie sein, so wahnsinnig offensichtlich finde ich aus seiner Warte gesehen die Angelegenheit nun nicht. Aber gut, nehmen wir das einfach mal hin.

Otto verschwendet am nächsten Tag keinerlei Gedanken mehr an Christiansdorf, immerhin hatte er das optimal geregelt und deswegen würde das schon passen.
Sicha dat.

Die nächsten Abschnitte des Kapitels sind reinste Opossum-Essenz. Der Kaiser wird langsam grau, verhandelt die Klage eines Ludwigs, der grade belagert wird (Dasgehtdochnicht!) etc, pp, bla.
Der Leu steht neben Barbarossa und sieht recht selbstbewußt drein.

Großes Opossum, kleines Opossum, fusseliges Opossum, Opossum, Opossum, Opossum, Ente.

Nach der spannenden Sitzung machen sich Otto und Dietrich aus dem Staub und tauschen gegenseitig wichtige Informationen aus.

  • Der Kaiser habe den Löwen herzlich willkommen geheißen, aber der Löwe wird unzweifelhaft bald nach der Macht greifen. Was der Kaiser aber nicht sehen will.
    Sind Otto und Barbarossa vielleicht irgendwie verwandt?

  • Der Löwe wurde auf seiner Reise überall wie ein Kaiser empfangen.

  • Besonders herzlich von Manuel Komnenos, dem R-zfeind des Kaisers. Otto findet es gelinde seltsam, dass Randolf ihm das nicht gesagt hat, als er von seiner Reise berichtete.



Tscha, meint Dietrich, der Kaiser meine eben, dass eine Pilgerfahrt eine heilige Sache sei und den Charakter läutere.

Otto prustete verächtlich. „Vielleicht bei einem einfachen Kaufmann oder Pfaffen [...]. Aber bei einem Mann, der vor allem seine eigenen Ländereien und seinen politischen Einfluss im Sinn hat?“
Dietrich lehnte sich gegen die Wand, verschränkte die Arme und betrachtete seinen Bruder wortlos, mit einem spöttischen Blitzen in den Augen.

Wenig später geht Otto auch auf, dass er grade sein eigenes Argument („Randolf ist geläutert, der war schließlich im heiligen Land, ne?“) ausgehebelt hat.

Ich mag Dietrich.

Er ermahnt seinen tumben Bruder dann noch, doch hin und wieder ein Auge auf Christiansdorf zu haben, bitt'schönn.

Dann gibt's Essen und Otto verkündet in dem Moment, in dem Hedwig ins Zimmer kommt, stolz, dass sie ein weiteres Kind erwarte. Glücklicherweise können sich alle Beteiligten beherrschen und Dietrich gratuliert seiner Geliebten formvollendet zum Kind ihres Ehemannes.

!

„Ich hoffe, es wird ein starker Sohn, ein kühner Recke wie unser Erstgeborener.“

Ja, wir alle wissen, was für ein Herzchen der liebe Erstgeborene Ottos ist, aber Otto merkt und weiß, wie immer, wieder nichts. Nada. Nullinger. Totales Vakuum. Flaute. Ebbe. Flatline.

Sowohl Hedwig als auch Dietrich wollen Otto vorsichtig darauf hinweisen, dass sein Dutziduh ein echtes A*sch ist, aber Otto möchte, wie immer, nichts davon hören. Nö, der sei stark und durchsetzungsfähig und überhaupt ganz doll toll, basta.

Dietrich bleibt skeptisch.
„Und ich hoffe sehr, dein ältester Sohn ist einmal geduldig genug, um zu warten, bis er sein Erbe antreten kann.“


Ich bin grade wieder so Anti-Otto dass ich echt hoffe, dass das ein Foreshadowing war.

Mittwoch, 4. März 2009

Die 2. Hebamme V – Mai 1173, Hoftag in Goslar

Spannend fing es an und spannend geht es weiter. Chris wird von Otto noch vor der offiziellen Ankunft in Goslar erst mal zu den abzuwerbenden Bergleuten geschickt. Der biegt gehorsam ab, lässt seinen Knappen und Lukas aber nicht mitkommen. Schließlich ist er für deren Sicherheit verantwortlich. :edel:

Geführt vom Steiger Fritz, der bei Goslar Verwandtschaft hat, kommt unser Ritter bald in der Siedlung der Bergleute an. Fritz wird von seiner Schwester wie eine Erscheinung behandelt, denn in den Zeiten vor Intercity und RyanAir kamen die Leute nun doch nicht mal so eben schnell zu Besuch, wenn sie erst mal ausgewandert waren.

Die Schwester steht stellvertretend für die ganze bittere Armut, unter der die Bergleute Goslars leiden. Die Kate ist kahl, das Hirsesäcklein, das Chris mitgebracht hat, wird wie Ambrosia aufgenommen, die Frau ist verhärmt und es wimmelt von Wanzen und Flöhen. Der Herr des Hauses sei leider unterwegs, arbeiten, meint die Schwester, aber er würde bestimmt bald kommen.
Chris ist nicht amüsiert, aber was will man machen. Er wartet und lässt sich währenddessen von Fritz ein wenig herumführen.

Als der Mann am nächsten Tag eintrifft, unterbreitet Chris ihm Ottos Angebot:

„Er stellt euch Geleit für die Reise und sichert zu, dass jeder in Christiansdorf als freier Mann nach Silber graben darf, wenn er ihm seien Anteil zahlt. Redet mit Fritz darüber, wie das Leben bei uns ist, und überlegt, ob ihr das Angebot annehmen wollt."

Fritzschwester und Ehemann sind durchaus angetan und Chris hofft, dass sich die frohe Abwerbkunde so schnell in der Bergleutegemeine verbreiten wird. Wunderbar, seine Pflicht und Schuldigkeit ist getan. Er macht sich auf den Weg zu Otto.

Der ist schon in Goslar und grade wieder damit beschäftigt, sich mit Hedwig zu streiten.

„Willst du tatsächlich den gleichen Fehler ein zweites Mal begehen?" hielt sie ihm mit kaum gezügeltem Temperament vor.

Ach! Was für ein Fehler könnte das wohl sein?

Richtig, es hat wieder mit Randolf und Chris zu tun. Offensichtlich will Otto unseren geläuterten Randy mal wieder direkt vor Chris' Nase setzen. Gut, dass Otto ein Dämel vor dem Herrn ist, sonst wäre ihm bewusst, dass das die mieseste Idee seit „Ach, wählen wir doch mal Bush jr." ist. Ich meine, hat Otto nur zwei Gefolgsleute und besteht seine Markschaft nicht aus mehr als aus Meißen und Christiansdorf? Muss er die beiden Streithähne immer wieder zusammen in einen Sack stopfen? Dum?

Andererseits hätten wir, wäre Otto zerebral nicht so schrecklich herausgefordert, nichts zu lesen. Von daher ... :versönlich:

„Ich werde dafür sorgen, dass die beiden diesmal nicht aneinandergeraten. Ich lasse sie einen heiligen Eid schwören", versprach Otto.

Jaaaaaaaa. Super Idee. Heiliger Eid und alles ist in Butter.
Und weil er so begeistert von der eigenen Raffinesse und Hedwigs blitzenden Äugelein ist, zieht er seine Ehefrau gleich mal in ebenselbiges Bette.
Die ist allerdings, wie wir erfahren dürfen, Otto nicht mehr so loyal ergeben wie noch im ersten Buch, denn sie hat ihm die Oda-Sache und ihre deswegige Verbannung nie wirklich verziehen.
Aber Otto zurückweisen ist auch nicht, weil sie dann schutzlos allen Intrigen seiner und ihrer Gegner ausgeliefert wäre.

Also schloss sie die Augen und träumte von einem anderen Gesicht, als Otto sie auf die Laken drückte.

A-HA! Wessen Gesicht mag das wohl sein? Na? Es werden noch Wetten angenommen. :ka-ching:

Chris reitet derweil in Goslar ein und opossumt ein wenig über Bauten und Geschichte der Stadt. In der Kaiserpfalz angekommen läuft ihm zuerst Dietrich (Ottos jüngerer Bruder) über den Weg, der ihn auch gleich mit aufs Zimmer schleift, um ihn zu warnen: jau, Randy sei zurück und hier und Chris werde ihm über kurz oder lang bestimmt über den Weg laufen.

Er richtete seinen Blick auf Christians Hand, die sich unwillkürlich an den Griff seines Schwertes gelegt hatte.

Ja, nun, Chris solle sich aber um Gottes Willen beherrschen, schließlich sei Randy ein Jahr lang im heiligen Land unterwegs gewesen und hätte sogar eine dolle Reliquie mitgebracht, sei also quasi unangreifbar.

Christian atmete tief durch und schwieg. Sollte es ihm wieder verwehrt bleiben, seinen Feind zum Zweikampf zu fordern und sich dafür zu rächen, was er Marthe angetan hatte?

Sieht wohl erst mal so aus. Sorry, Chris.

Dietrich fährt fort. Otto sei in einer verzwickten Lage. Randy habe sich im heiligen Land an den Leu herangewanzt und Otto befürchte deswegen, dass Randolf eventuell überlaufen könnte. Deswegen will er ihm das Verweilen in seinen, Ottos Diensten versüßen, indem er ihm ein Angebot macht, dass er nicht abschlagen kann.

Chris ahnt etwas. Seine Laune sinkt unter den absoluten Nullpunkt.

Haja, ist schon blöd, aber er und die Dame Hedwig hätten sich zu einer kleinen Verschwörung (ich vermute ... oha!) zusammengetan, um Chris zu helfen und Otto Sicherheiten für Christiansdorf abzuringen und er hoffe, dass Chris sich dieser Anstrengungen bewusst sei und nicht alles verderben würde, meint Dietrich.

„Nein, mein Herr", sagte Christian hölzern. Ich danke Euch."

Na, sonderlich glücklich isser nicht, das kann man schon mal feststellen.

Dietrich bittet Chris dann noch darum, seinen Sohn Konrad noch ein wenig im Schwertkampf zu unterweisen, dann trennen sie sich. Chris macht sich wütend auf den Weg zu den Knappen und sucht dort Konrad. Der ist etwas verunsichert, was Chris denn von ihm wollen könnte. Ottos ältester Sohn, ein Unsympath sondergleichen vor dem Herrn, nimmt die Gelegenheit wahr und spottet erst mal über Konrad. Chris hat bald die Faxen dicke und bietet den mit offenem Mund staunenden Knappen einen wilden Schwertkampf. Hinterher sind alle so beeindruckt, dass keiner mehr aufzumucken wagt. Besser ist das, so gereizt, wie Chris ist.

Der Markgraf kniet derweil in der Kapelle neben Hedwig. Ohohoh, Nachtigall, ick hör dir trapsen!
Tatsächlich. Habe ich nicht gleich im ersten Buch gesagt, die beiden würden ein gutes Paar abgeben? Jawohl, das habe ich. HA!

„Lass uns endlich aufhören, die Gefühle zu leugnen, die uns schon so lange quälen", sagte er kaum hörbar und legte seine Hand auf ihre.

Die beiden Turteltäubchen verabreden noch ein geheimes Treffen, dann geht Dietrich wieder, man möchte schließlich nicht verdächtig erscheinen.

Hedwig atmete tief durch. Otto würde ihr seinen Dolch ins Herz stoßen, wenn er herausfand, dass sie ihn betrog. Aber das war ihr gleichgültig. Sie liebte Dietrich.

Drama!

Im nächsten Abschnitt geht es gleich zur Sache, uhm, zum Treffen. Hedwig trifft sich mit Dietrich in einem abgelegenen Wirtshaus, die Kleidung wird ebenfalls abgelegt und Holdudeldidöh. Siewissenschon. Sie sind ganz doll verliebt und Dietrich hat da so ein paar Techniken drauf und Hedwig hat ihren ersten Orgasmus und alles ist überhaupt wunderbar. Bis auf die Tatsache, dass sie grade ehebrechen, aber mei, wer wird in einem Augenblick höchsten Glücks schon so erbsenzählerisch sein.

Wieder zurück in ihrem Quartier fühlt sich Hedwig dann nicht so gut. Wahrscheinlich, weil sie sich nach Dietrich verzehrt und diese Liebe aber nicht sein darf und ogottogott – denkt sie. Magd Susi hat allerdings eine andere Theorie.

„Meine Herrin ... Ihr habt seit sechs Wochen nicht mehr geblutet", sagte sie leise.

Mist. Irgendwie hatte ich auf einen Dietrich-Hedwig-Bastard gehofft, aber nachdem das grade die erste außereheliche Erfahrung körperlicher Art war, ist hier wohl eher Otto involviert gewesen. Meh.

Otto ist von der eigenen Potenz entzückt und gestattet es Hedwig großzügig, heute Abend im Bett zu bleiben. Die ist im Moment ohnehin zu nichts mehr zu gebrauchen und nimmt das Angebot gerne an.

Montag, 2. März 2009

Dramatic Marthe

Jeder in Christiansdorf, besonders Marthe, erwartet bei jedem Pfutz (zwei Reiter nähern sich, jemand möchte euch sprechen edle Dame, der Hund hat Junge, Bauer Fridolins Kuh Elsbeth gibt keine Milch mehr) Randolfs Erscheinen. Erinnert mich ständig an den Dramatic Chipmunk.

„Gnä Frau, da wartet ein Bote in der Halle.“
*bontempi-orgel: DAH DAAAH*

Deswegen.

Die 2. Hebamme IV – Heikle Gespräche

In der (vermutlich) nächsten Nacht hat Marthe einen Albtraum und wacht schreiend auf. Natürlich steht Chris sofort mit dem blanken Schwert in der Hand (:pubertär:) neben dem Bette, um sie vor Unbill zu bewahren.

„Ein Alptraum. Weiter nichts“ sagte sie, am ganzen Leib zitternd, während ihr immer noch das Schreckensbild aus dem Traum vor Augen stand: Sie selbst war mit Ketten an die Mauer eines finsteren Kerkers geschmiedet, während dünne, spinnenbeinartige Finger nach ihrem entblößten Körper griffen.

Natürlich ist ihr Körper entblößt. Geht ja nicht anders. Einige Eidechsenarten werfen in Gefahrensituationen ihren Schwanz ab, Marthes Körper seine Kleider. Stress, *flupp*, entblößt.

Ansonsten wünsche ich fröhliches Raten: was hat Marthe hier visioniert? Wie wird sich ihr Traum dann in der Wirklichkeit darstellen?

Märthsche ist ein wenig beunruhigt. Zwar visionierte sie, wie wir aus dem ersten Buch wissen, pro Kapitel mindestens zweimal, in der Zeit zwischen den Büchern aber eher weniger. Schwangerschaft, Mutterschaft, dreimal täglich sie-wissen-schon mit Chris ... das hält beschäftigt und lässt wenig Zeit, um visionär Visionen zu visionieren.

Chris möchte Marthe gerne beruhigen, aber die meint nur, dass es wahrscheinlich nur die Angst vor dem Fluch des Meisters sei. Oder die Angst davor, dass er zurückkäme und sich rächen würde. Insgeheim wünscht sie sich jedoch Josie herbei, die weise Frau aus Meißen, die im letzten Buch ja mal gesagt hatte, dass sie irgendwann nach Christiansdorf kommen würde, da Chris & Marthe sie dann brauchen würden. Ist wohl noch nicht soweit, denn sie residiert noch immer in ihrer alten Hütte.

Unsere beiden Protagonisten unterhalten sich noch ein wenig über erquickliche Dinge wie „Der Meister wird woanders weitermachen wie bisher“ und dass die ruhigen Zeiten nun wohl wirklich vorbei sein werden, dann legt man sich, von den „Dämonen der Vergangenheit“ gequält, zur Ruhe.

Der nächste Tag bringt die üblichen Verpflichtungen mit sich. Marthe bittet Peter, den kleinen Ex-Dieb, doch mal bitte die ganzen Dirnen einzusammeln und zu ihr zu bringen, es gäbe was Wichtiges zu besprechen.
Es dauert nicht lange und die Damen des leichten Gewerbes trudeln ein.

„Wollt ihr von uns ein paar Ratschläge, wie Ihr Euren Gemahl im Bett an euch fesseln könnt?“, fragte eine vorwitzig.
„Oder sollen wir uns um ihn kümmern? So einen stattlichen und edlen Ritter würde bestimmt jede von uns gern nehmen“, rief eine andere dazwischen.
„Ähm ... das wird nicht nötig sein. Wir kommen zurecht“, murmelte Marthe, während ihr das Blut ins Gesicht schoss.
„Davon haben wir gehört“, rief eine der jungen Huren mit üppigen blonden Locken lachend.

Nicht nur ihr, meine Damen, nicht nur ihr.

Zum Glück trifft gleich darauf Jonas ein und die Sitzung kann beginnen. Es geht, ihr werdet es schon vermutet haben, um das geplante Hurenhaus. Man kaspert aus, dass das Dorf (sprich, Chris) ein Haus bauen lässt und die Damen das monatlich abbezahlen. Sie dürften sich auch selbst verwalten, denn schon damals hielten die Dirnen wenig von Zuhältern Hurenwirten.
Wie auch immer, es solle jedenfalls keinen Streit mehr auf der Strasse geben, meint Marthe streng und sieht den Frauen mit aller Kraft in die Augen.

Sie kannte die meisten von ihnen, denn fast alle waren in den letzten Jahren schon wegen dieses oder jenes Leidens bei ihr gewesen. Nur eine war ihr bisher unbekannt, ein blutjunges Ding, bestimmt kaum älter als zwölf Jahre, das recht hübsch ausgesehen hätte, wäre ihr Gesicht nicht mit deutlichen Spuren von Schlägen verunstaltet.

Heeeere we go again.
Für Sex, Drugs & Rock’n’roll ist die Zeit noch nicht reif, also gibt es das Nächstbeste: Sex, Schläge und Intrigen. Hnngh!

Man einigt sich und die Dirnen brechen auf. Die rothaarige Tilda (die im letzten Buch das Ablenkungsmanöver anführte, als Jonas und Karl im Pranger hingen) wird von Marthe zurückgehalten, sie hätte noch eine Tinktur für eine Freundin.

Die Frau sah sie mit ehrlicher Verwunderung an und sank dann auf die Knie. „Gott segne Euch! Ihr seid wirklich eine Heilige. [...]“

Haja, im ersten Buch gelang schon der Sprung vom Bauerntrampel zur edlen Dame. Vielleicht schaffen wir es ja in diesem wirklich zur Heiligen. Muss nur noch der Papst unter Darmwinden leiden, Marthe zufällig in der Nähe sein ...

Aber im Moment geht es nicht um den Papst sondern um die Dorfhuren, obwohl das, wenn man sich die Geschichte der Päpste so ins Gedächtnis ruft, nicht unbedingt so unvereinbare Welten sein müssen wie man denken möchte. Marthe möchte von Tilda wissen, wer die junge Kollegin von ihr sei und wer sie denn so zugerichtet hätte. Tja, nun, Tildsche mag Marthe für eine Heilige halten, aber das, so findet sie, geht sie nun doch nichts an.

Mit einem Mal verschloss sich Tildas Gesicht. „Weiß ich nicht. Und Ihr solltet es besser auch nicht wissen“, erwiderte sie knapp und verließ das Haus.

Tscha. Abgeblitzt, hu?

Im nächsten Abschnitt kommen zwei Reiter angeritten. Dramatic-Chipmunk-Marthe denkt natürlich sofort an Randolf, aber es sind nur Lenden-Lukas und sein kleiner Bruder. Der scherzt zuerst ein wenig mit Marthe, die er, wie alle Männer im Umkreis von mindestens 500 Kilometer, von Herzen liebt.

Er liebte sie auch, aber nicht wie eine Schwester, obwohl sie nun als Frau seines Dienstherren und besten Freundes für ihn unerreichbar war.

Man denke sich bitte jammernde Geigen im Hintergrund, danke.
Die übliche Routine für weitgereiste Reiter wird abgerollt. Begrüßung, Suppe mit Brot und Bier, Pferde werden versorgt, Neuigkeiten ausgetauscht.

Da guck, Lukas soll gewinnbringend verheiratet werden. Mit der Tochter eines Nachbarn. Der Sohn des Nachbarn sei dahingeschieden und wer auch immer die Tochter heiratet, der bekommt das Gut. Klingt vernünftig. Dummerweise musste der Nachbar seine Tochter, eine überzeugte Jungfrau, dafür aus dem Kloster holen, wo diese sehr glücklich war.
Oha. Ich spüre weiteres Drama am Horizont dräuen.
„O Verezweifelung, o dräuend Ungemach – mir dünkt, der Feind obsieget!“
Hach. Dr. Erika Fuchs war halt doch die Beste. :fangirl:
Aber nun, zurück zum Text.

Die Tage vergehen mit Dorfkrams. Marthe zählt kummervoll die Tage bis zur Abreise ihrer einzig wahren Liebe, heilt die Fieberkranken, managt den Haushalt und bereitet das Osterfest vor. Chris bildet die Wachleute aus, verwaltet die Bergleute und hat auch allgemein viel zu tun. In den wenigen Minuten des Tages, die sie für sich haben (und in denen sie sprechen, ne), muntern sie sich gegenseitig damit auf, dass ja jederzeit alles vorbei sein kann, sobald man sich trenne, sei es durch Unfall, Brand oder Überfall.


Tolle Ehe. So ... aufbauend.

In dieser Nacht schreckt Marthe – mal wieder – aus dem Schlaf. Dieses Mal ist es aber kein Albtraum, der sie alarmiert, sondern Lukas, der allein im Schein einer Kerze unten in der Halle am Tische sitzt und sich hemmungslos betrinkt.
Ei, inquiriert Marthe, was denn los sei. Ja, nun, seine bevorstehende Heirat bedrücke ihn, weil seine Zukünftige ihn irgendwie so ein bisschen von Herzen hassen würde, lallt Lukas zurück. Die Kirche lehre nämlich, dass nur Jungfrauen in den Himmel kämen, und Lukas würde ihr diese Karrierechance in der Hochzeitsnacht wohl verderben.

„Und wenn ihr die Ehe nicht gleich vollzieht?“, fragte [Marthe] vorsichtig. [...]
[Lukas] schüttelte den Kopf. „Unsere Väter haben uns aufs Kreuz schwören lassen, um das zu verhindern. Und sie wollen dem Vollzug der Ehe beiwohnen.“

Oh Jössas. Das wird ja immer drolliger!

Marthe verspricht Lukas, dass sie mit dessen frömmelnder Verlobten mal reden wird und verfrachtet ihn dann ins Bett. In seines. Alleine. Muss man ja schon sagen, hier, in diesem Buch. Sicherheitshalber.

Am nächsten Tag hat Lukas einen Kater und schlechte Laune, die er an seinem kleinen Bruder auslässt. Wobei der es irgendwie schon verdient hat, weil er sich mit dem Schwert nicht so geschickt anstellt wie Lukas in seinem Alter.
Ja, dasma 'ne Logik. :-p

Einen Tag darauf ist es soweit, Chris macht sich auf den Weg, Marthe, Gesinde und der ganze Rest wimmeln herum und halten Abschied.

Sie trat näher, während sie noch einmal den Anblick in sich aufnahm: Christians Bewegungen, kraftvoll und geschmeidig, die unbeschreibliche Mischung aus Gelassenheit und Konzentration.

Ich muss an Ballett denken. Tütüs und Spitzenschühchen. Hm. Wahrscheinlich ist meine visuelle Vorstellung verstellt, seit ich vor meinem inneren Auge Bertram als lebensgroßer Hotdog verkleidet inkognito durchs(<--!) Dorf schleichen sah. Ich sehe mal zu, dass ich das wieder einrenke.

Ja, nun, Chris muss losreiten und Marthe leidet ganz fürchterlich. Wegen Randolf. Und der Vorahnungen.

Freitag, 27. Februar 2009

Die 2. Hebamme III – Gerichtstag

Am nächsten Morgen wird Marthe zu Emma gerufen, deren Kinder das Fieber haben, während sich Chris aufmacht, die Dinge des Dorfes® zu regeln. Lauschiges Dorfleben ereignet sich auf seinem Weg in den Stall. Der kleine Christian, Berthes Sohn, rennt ihn um, sein eigenes Söhneleyn mag mit ihm reiten gehen und sieht ihn dabei mit leuchtenden Augen an, Hauptmann Herwart berichtet über die Fortschritte der Truppen – Idylle, Idylle, Idylle. Hach. Schee.

Chris trainiert dann noch mit Kuno, damit der angenommene Erstleser plastisch vor Augen geführt bekommt, was für ein unglaublicher Schwertkämpfer unser Christian doch ist. Kuno hat, wir wissen es, keine Chance. Er bekommt von Chris dann noch ein paar Tipps und weil's grade so schön ist auch noch seinen Sohn aufs Auge gedrückt, denn Chris hat Wichtiges mit Herwart zu besprechen. Der soll über Ostern, wenn Chris unter der Nase des Kaisers dessen Bergleute abwirbt, vier seiner besten Männer im Haus des Dorfherren stationieren.
Klar, meint Herwart, machma. Er ginge sogar selbst mit, Kampfübungen könne er schließlich auch in Chris' Hof abhalten.

Christian zeigt sich erleichtert und bespricht dann gleich noch die Sache des kleinen Diebes mit seinem Hauptmann. Der geht mit Marthes Theorie der geführten Kinderbande d'accord.

„Hol den Burschen. Und mach ihm tüchtig Angst vor mir“, meinte Christian. Herwart grinste breit. „Aber gern.“


Der Bub wird also indoktriniert und angeschleppt. Halb verhungert ist er, schmutzig wie ein Warg und, natürlich, blaugeprügelt.

Chris tut streng und verkündet, dass er der Herr des Dorfes sei, der ihm morgen eine Hand abschlagen lassen werde. Aber weil er gnädig sei dürfe der Bub sich aussuchen, ob es die linke oder die rechte sein solle.

Gnädig? Commodus, bist Du es?

Dat Kind erbleicht. Nun spielt Chris, der Herzensgute, natürlich nicht umsonst den harten Hund, nein, er hat einen Plan. Nachdem er den Lütten genügend eingeschüchtert hat hofft er herauszufinden, was hinter dieser Kinderdiebesbande steckt.

Viel bekommt er aus dem Kerlchen nicht heraus. Der Meister sorge für die Kinder und schicke sie zum Stehlen aus, sagen dürfe er aber nichts, weil es sonst seiner Schwester Anna schlecht erginge.

„Sag mir, wo ich sie finde, und ich sorge dafür, dass ihr nichts geschieht. Du hast mein Wort.“

Das Wort eines Mannes, der ihm grade noch die Hand abschlagen wollte. Dolle Wurst. Da hätte ich jetzt auch grade mal spontan Vertrauen.

Sprung.
Chris treibt Kuno und Bertram auf, die Söhnchen Thomas grade wunderbare Schauergeschichten erzählen. Sie müssten sich mal wieder verkleiden, er bräuchte sie.
Verkleiden. Gut, Chris meint Bergmannskittel und Bauernkleider.

Aber wir hatten hier grade Fasching. Clowns. Lebensgroße Hotdogs. Hummeln in schwarz-gelbem Satin.

Das ist bei der bildlichen Vorstellung etwas ... ungünstig. Gnihihihihi. Gni. Hihi.

*räusper* Weiter im Text. Dahoam steht Marthe in der Küche und braut etwas gegen Husten. Chris weiß, dass Marthe sehr darunter leidet, nicht alle retten zu können.

Er nahm ihr das Kräutermesser aus der Hand und sagte: „Aber ich weiß von jemandem, den du retten kannst. Bist Du bereit für ein kleines Wagnis?“

Whoa, hier! Das sind ja gradezu Geheimdienstmethoden! Miliz in Verkleidung, Marthe untercover in geheimer Mission – über Langeweile kann sich das Dörfli nun wirklich nicht beschweren. Hui.

Marthe wagt es natürlich und macht sich stehenden Fußes auf den Weg zum Handwerkerviertel. Sie guckt mal hier, guckt mal dort, schlendert herum und schon bald spürt sie, dass sie eine ganze Traube beobachtender Kinder hinter sich herzieht. Noch ein kurzes Intermezzo beim Tuchhändler –

Marthe wusste, dass er sie übervorteilen wollte, weil er glaubte, bei Frauen leichtes Spiel zu haben. Unwirsch unterbrach sie seinen Redeschwall.
[...]
Solche herrischen Auftritte waren nicht Marthes Art, aber sie hatte lernen müssen, dass auch das gelegentlich nötig war, um sich zu behaupten.


– und schon sieht sie, was sie sucht.

Sie winkte ein mageres kleines Mädchen mit strähnigem Haar zu sich, das barfuß und mit zerlumptem Kleid im Schnee stand und sie mit flackernden Augen beobachtete.
„Du da! Du kannst mir die Einkäufe nach Hause tragen. Ich werde sich dafür bezahlen“, rief sie mit befehlsgewohnter Stimme.


Wie praktisch, dass Marthe unter den ganzen zerlumpten kleinen Kindern sofort die gesuchte Anna erkannt hat. Pfhu!

Marthe nimmt die Lütte dann an die Hand und eilt nach Hause, damit das arme Ding schnell in die Wärme kommt. Daheim angekommen bekommt Anna erst einmal etwas zu essen, dann holt Marthe Chris. Als der die Küche betritt, erschrickt sich Anna.

„Das ist Christian, der Herr des Dorfes“, fuhr sie ruhig fort. „Er wird morgen über deinen Bruder richten, der beim Diebstahl ertappt wurde.“


Das Mädel versucht, Chris dazu zu bringen, ihren Bruder zu verschonen. Aus gegebenem Anlass werde ich an dieser Stelle den Pyrr-Schon-Spoiler (PSS) einführen.

[PSS]
„Bitte, Herr, tut meinem Bruder nichts. Dann werde ich auch sehr nett zu Euch sein“, flüsterte sie und hob ihr zerlumptes Kleid hoch, wobei sie sich unbeholfen mit dem Ärmel ein paar Tränen abwischte.
Marthe und Christian wechselten einen finsteren Blick.
[...]
[D]iese magere Kleine war noch nicht einmal sechs Jahre alt!

[/PSS]


...

.....

........

'kay. Also irgendwie, also langsam ... kann man nicht anders darlegen, dass der „Meister“ (:who-ugly:) ein fieser Möpp ist? Muss es denn immer auf das selbe hinauslaufen?

Brmpf.

Chris beruhigt sie und verspricht ihr, ihrem Bruder die Hand nicht abzuschlagen, wenn sie ihm dafür verrät, wo sich der Meister versteckt hält. Außerdem würde er ihnen eine richtige Unterkunft besorgen, mit Essen und ohne zu leistende ... Sonderdienste. Brmpf.

Am nächsten Tag hält Christian Gericht und das mit gradezu salomonischer Weisheit. Der Weinhändler beschwert sich darüber, dass der Bader grade kurz vor der turnusmäßigen Entwertung des Geldes sehr viel Wein bei ihm gekauft hätte. Hat der Bader jetzt also viel Ware, der Weinhändler aber drei Tage später nur noch Geld, das viel weniger wert war.
Gut, denkt sich Chris, er hätte ja nicht drauf eingehen müssen und gibt dem Bader recht. Allerdings ruft er ihm dann noch schön laut hinterher, dass er sich dann aber auch nicht wundern müsse, wenn nächstes Jahr bei ihm grade kurz vor der Geldentwertung besonders viele Leute zu Gast wären. Die angetretene Dorfkulisse kichert und tuschelt und Chris weiß, sein Vorschlag ist auf fruchtbaren Boden gefallen.

Nachdem der Bader jetzt nicht unbedingt mit richtigen Waren handelt, dürfte es ihn aber doch wohl freuen, wenn ungewöhnlich viele Leute kommen, selbst wenn das Geld danach nicht mehr ganz so viel wert ist, oder? Sehe ich das falsch? Berichtigt mich, wenn ich auf dem Holzweg bin.

Anyhoodledoo, nach ein paar allgemeinen Streitereien, unter anderem auch der zwischen Griseldis und der Dirne, kommt man zum kleine Dieb Peter. Die Menge verstummt erwartungsvoll.

Marthe spürte, wie sich eine merkwürdige Stimmung über die Menge legte – die Gier nach harter Strafe. Die meisten, die eben noch gelacht hatten, wollten nun Blut fließen sehen.


Ha! Aber nicht in Christiansdorf! Unser Chris trägt die Anklage vor und zieht dann, *schawuppes*, den Meister aus dem Hut! Hajawoll, meint er, der sei der eigentlich Schuldige! Seine Leute hätten ihn aufgestöbert und festgenommen, jawohl!

Witwe Bolte bekommt ihr Geld zurück und der kleine Peter wird dazu verurteilt, ein Jahr lang für sie zu arbeiten. Der so Bestrafte ist verständlicherweise recht erleichtert und schwört, seine Sache gut zu machen.
Der Meister hingegen giftet herum, dass er ihn und überhaupt alle umbringen werde.

Was passiert mit dem Meister frage ich mich, dem Ursprung allen Übels? Verliert der seine Hand oder gar sein Leben? Na?

Nnnnope. Der wird lediglich gebrandmarkt, fortgejagt und es wird ihm verboten, jemals wieder in die Nähe des Dorfes zu kommen. Dududu, böser Meister!

Bitte? Einmal kurz mit der Zeitung auf die Nase geklopft und fertig? Wie lässt sich das bitte mit dem gerechtigkeitsliebenden Chris vereinbaren?

... ah! Ich verstehe! Der Meister wird später im Buch noch für irgendwas gebraucht! Wahrscheinlich auch noch um mit Randolf zu paktieren. Sowas in der Richtung. Ahhhh!

Gut, das ist ein Argument. Man kann nie genug Feinde haben, die um die Grenzen des Dorfes herumschleichen und einem Böses wollen. Genehmigt.

Der Meister wird davongejagt, ein paar ältere Kinder aus seiner Truppe folgen ihm auch tatsächlich. Die kleineren bleiben unsicher stehen und werden von Marthe eingesackt. Die sensationsgierige Menge zerstreut sich und erstmal ist alles gut.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Ryder Hook ist angekommen

... und er ist schon auf den ersten Seiten noch schlimmer besser, als ich ihn in Erinnerung hatte.

Der bleibt eindeutig auf der Liste. Kähähähähähähähä.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Die 2. Hebamme II – Neuigkeiten

Händchenhaltend schlendern Chris und Marthe nonchalant in die Halle, wo der Rest der Bande schon wartet, derweil den Tisch deckt, Bänke aufstellt und dergleichen.

Chris wechselt ein paar freundliche Worte mit Johanna, Marthes ältester Stieftochter, die sich schon immer für Kräuterkunde interessiert hatte und mittlerweile ebenfalls schon beachtliche Kenntnisse vorzuweisen hat.

Es folgt ein kurzer Exkurs ins „was vorher geschah“, falls hier jemand sein sollte, der das erste Buch nicht gelesen hat. Dass Johanna großen Mut gezeigt hätte, um Karl und Jonas zu helfen, als diese am Pranger standen, la-didah ezettera. Wissen wir ja alles schon, können wir überspringen.

Zum gemeinsamen Abendessen bei Chris wird das halbe Dorf eingeladen, man schmaust und tauscht Neuigkeiten aus. Erneut wird dem ahnungslosen Erstleser ein kurzer Abriss über die Dramatis Personae geliefert. Pater Barti, Bergmeister Hermann, Dorfschulze und -schmied Jonas, Emma, Gero und Richard. Lenden-Lukas und sein kleiner Bruder Jakob, der jetzt Chris' Knappe ist, fehlen. Papa ist krank, die beiden werden daheim gebraucht.

Beim geselligen Plausche ergibt sich folgende Lage:

  • Im Dorf herrscht Fieber, drei Kinder sind schon daran gestorben.

  • Man hat jetzt endlich auch die obligaten Leprösen anwerben können, die in einer Hütte am Dorfrand leben. Ein mittelalterliches Dorf ohne Lepröse, das geht schließlich nicht.

  • Griseldis will das Hurenhaus, weil eine der Hübschlerinnen ihrem Mann, der Socke, schöne Augen gemacht hat. A-HA!
    Sie habe sich sogar mit der Dirne geprügelt. Teehee. Wir haben ein Motiv, Holmes.

  • Auf die Huren verzichten könne man aber auch nicht, weil so viele Männer im Dorf ledig seien und das gebe dann nur ernsthafte Scherereien. Also, die Huren, die müssten schon bleiben.

  • Die Diebstähle würden sich häufen, erst kürzlich hätten die Wachen einen Jungen erwischt, der die Witwe Bolte Elsa bestohlen hätte.


Chris runzelt, denn er vollstreckt ungern Strafen an lütten Kindern, vor allem, wenn ihnen wegen Diebstahls die Hand abgehackt werden soll. Zum Glück hat unser Ritter aber die weise Marthe an seiner Seite, die schon immer mehr Durchblick als alle anderen hatte.

Marthe legte ihre Hand auf seinen Arm. „Diese Sache solltest du genauer untersuchen. Ich glaube, jemand hat eine ganze Bande Kinder hergebracht, die er für sich stehlen lässt. Befrag den Jungen, der ist halb verhungert und grün und blau geschlagen, und finde den Mann.“


Kurz bevor er das gesellige Beisammensein auflöst teilt Chris den Anwesenden noch mit, dass Markgraf Otto (aha, den gibt es also auch noch) möchte, dass Chris ihn gleich nach Ostern zum Hoftag des Kaisers nach Goslar begleitet, um dort Bergleute anzuwerben. Otto braucht nämmich viel Silber, um sich vom drohenden nächsten Feldzug des Kaisers loszukaufen.

Der Bergmeister starrte ihn verblüfft, beinahe entsetzt an. „Ihr sollt dem Kaiser unter seinen Augen Bergleute aus seiner eigenen Stadt abwerben?“

Ah. Es gibt Otto nicht nur noch, er ist auch keinen Deut klüger geworden.

Chris baldowert dann noch kurz mit dem Bergmeister aus, wie man den Auftrag, der ja unmissverständlich sei, möglichst ohne großes Aufsehen über die Bühne bringen könnte.

Danach möchte Chris gerne mit Marthe allein sein (nein, nicht deswegen. Okay, deswegen vielleicht auch. Aber erst mal, um die Wirklich Schlimmen Neuigkeiten™ loszuwerden), nur lungert da noch Karl herum und hat was auf dem Herzen.

Chris steht abwartend bereit, Jonas schubst Karl zu ihm und der stottert verlegen heraus, dass er gerne heiraten würde.

Huch! Und ich dachte, er würde sich sein Leben lang nach Marthe verzehren, seiner einzigwahrengroßen Liebe! Da guck.

Christian war überrascht. „Wer soll denn die glückliche Braut sein?“
„Agnes, die Tochter des Obersteigers. [...]“
Christian rief sich das Mädchen in Erinnerung: ein schüchternes Wesen mit kastanienbraunem Zopf, das äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit mit Marthe aufwies. Er hoffte sehr, dass Karl sie um ihrer selbst willen mochte und nicht nur als Ersatz für Marthe, die er geliebt hatte.


Na, war ja irgendwo auch zu erwarten. Einmal Marthe, immer Marthe. Alle Lenden des Landes sind auf ewig dazu verdammt, sich in unerwiderter Marthe-Liebe zu verzehren. Mei. Kann man nix machen.

Chris ist natürlich einverstanden, wird Karl dann auch gleich noch das Haus seines Vaters Wippi überlassen und leiert dann auch noch an, dass Karl eine eigene Schmiede aufmacht. Alle überglücklich. Konfetti!

Nachdem nun Froide und Glückseligkeit gestreut wurden, kann sich das Grüppchen endlich zerstreuen. Marthe und Chris landen wieder in der Kammer, wo Marthe zwei Becher füllt und Chris dann zur Rede stellt.

„Nun raus damit: Was hast du verschwiegen, um es jetzt erst loszuwerden?“
Resigniert ließ sich Christian auf einen Schemel sinken. Ihr konnte man wirklich nichts vormachen.

Außer natürlich, wenn es grade in den Plot der Geschichte passt. Dann schon.

Chris muss Farbe bekennen. Erstens könne Marthe nicht mitkommen nach Goslar, was diese aber nicht belastet. Töchterli Clara sei ohnehin noch zu jung für eine solche Reise und dann gäbe es da ja auch noch das Fieber, das sie, Marthe, bekämpfen müsse.

[Zwischendrin: Chris schleppt Marthe einen wertvollen Mantel an, weil er es für wichtig hält, dass sie jederzeit ihre hohe Stellung betont. Marthe hat tiefschürfende Gedanken über die zweischneidigkeit der Macht.]

Dann rückt Chris mit dem raus, was ihn wirklich belastet. Es sei möglich, dass die ruhige Zeit nun vorbei sein werde. Der Löwe sei reich und unter Jubel von seiner Pilgerreise zurückgekehrt, die schwelende Rebellion der Fürsten gegen den Leu könnte also wieder aufflackern.

Marthe schloss für einen Moment die Augen. Vor sich sah sie die niedergebrannten Dörfer, die Berge von verstümmelten Kinder- und Frauenleichen, die toten Männer, die jene grausam geführte Fehde gekostet hatte.

Joh. Sie war zwar nicht dabei, aber hey. Sie ist eben mitfühlend.

Das war's jetzt doch noch nicht?, bohrt sie dann weiter. Nein, da wäre noch was, zögert Chris herum.

„Ottos Spione berichten, dass im Gefolge des Braunschweigers auch ein Meißnerischer Ritter von edlem Geblüt aus dem Heiligen Land zurückgekommen sein soll.“
Marthe sank auf ihrem Schemel in sich zusammen, obwohl sie längst mit dieser Nachricht gerechnet hatte.
Randolf war zurück. Der Mann, der sie gemeinsam mit seinen Kumpanen entführt und brutal geschändet hatte, als sie kaum vierzehn Jahre alt gewesen war, der Christian unter falscher Anklage gefangen und beinahe zu Tode gefoltert hatte und der von Otto für seine Missetaten lediglich zu einer Pilgerfahrt geschickt worden war.

Ja! Randolf! Der Randolf!

... wobei er sie, strenggenommen, ja nie entführt hat, ne? Muss man jetzt mal ganz ehrlich sagen. Er hat ja einiges, ne, aber entführt hat er sie nie.

Aber egal! Endlich wieder was los in der Bude!

Wir erfahren dann, dass Randolf vor seiner Abreise ins Heilige Land (immerhin hatte Otto auf dem Landding verfügt, dass er nach drei Wochen auf dem Weg sein solle) ein gar fleissig Bienchen gewesen ist: schnell noch geheiratet und die Frau geschwängert.

In seiner Abwesenheit hatte seine Frau einen Sohn geboren, der fast auf den Tag genauso alt war wie [Marthes] eigener.

Wenn man bedenkt, dass Marthe wahrscheinlich schon nach der ersten Zusammenkunft mit Chris noch vor dem Landding guter Hoffnung war, hat Randolf wirklich nichts anbrennen lassen. Respekt.

Chris versucht sin Fruu noch damit zu trösten, dass Randolf ja eventuell in die Dienste des Löwen getreten sei, doch Marthe winkt ab. Nah. Im Gegenteil, Otto bräuchte ihn, er sei dessen mächtigster Gefolgsmann, der bei Feldzügen den größten Heerbann stellte. Otto würde ihm eher noch mehr Macht geben als umgekehrt.

Sie holte tief Luft. „Du weißt es so gut wie ich. Es wird nicht lange dauern, bis Randolf wieder hier auftaucht. Gott sei uns allen gnädig.“


Jopp. Ich weiß nicht, was ihr macht, aber ich besorge mir schon mal Popcorn.

Montag, 23. Februar 2009

Die 2. Hebamme I – März 1173 in Christiansdorf

Der Prolog:

Mit allem Mut, den sie aufbringen konnten, und unter unsäglichen Mühen waren sie einst aufgebrochen, um in der Fremde ihr Glück zu suchen und ein freies Leben zu beginnen.
Dann wurde in ihrer neuen Heimat Silber gefunden. Unvorstellbar viel Silber.
Schnell verbreitete sich die Kunde, in Christiansdorf liege das Glück nur so auf den Straßen.
Doch unter Leiden mussten die Menschen lernen:
Das Glück liegt nicht auf der Straße. Es will erkämpft sein.


...

.....

Ja. Lassen wir das einfach mal so stehen. Wenn das eine Zusammenfassung des ersten Buches sein soll, dann ist sie leicht irreführend. Vielleicht, wenn man „Silber“ und „Glück“ durch „Marthe“ ersetzt ... ja. Ja. Das passt eher.

Also gut, weiter im Takt.

Das Buch ist wieder in verschiedene Teile geteilt. Teil 1: Gefährliche Begegnungen

„Herr, wir brauchen ein Hurenhaus!“

Das geht ja mal gut los, was?

Beim angesprochenen Herren handelt es sich um einen dunkelhaarigen Ritter von ca. 30 Jahren mit scharf geschnittenen Gesichtszügen, der auf einem Grauschimmel reitet.
Halllloooo Chris! Wie geht's, altes Haus?

Die Frau, die diese seltsame Bitte äußert, wird als keifende Alte bezeichnet und noch bevor ihr Name enthüllt wird muss ich an Griseldis denken.

Bingo!

Hach, ist das nett, lauter alte Bekannte.

Ich würde sagen, wir haben gut drei Jahre übersprungen. Chris kommt grade nach Hause, sehnt sich nach seiner Frau und ist etwas unwillig, sich mit der knätschenden Griseldis zu befassen, die ihm gradezu aufgelauert hat. Die bemängelt weiterhin, dass man ja kaum vor die Tür treten könne, ohne dass einem halbnackte Brüste entgegengereckt werden und überhaupt sei bei dem ganzen Gesindel, das sich hier niedergelassen habe, keine ehrbare Frau mehr sicher.

Chris befindet für sich, dass Griseldis doch recht sicher sein dürfte und schickt sie nach Hause, schließlich ist er seit Tagen durch Kälte, Nässe, Schnee und Hagel geritten, er ist erschöpft, müde, hungrig, nass, durchgefroren und er sehnt sich nach seiner Frau. Falls wir das nicht schon erwähnt haben.

Es folgt ein weiterer Abschnitt von „was vorher geschah". Blabla, Dorf hat sich verändert seit vor sechs Jahren ein kleines Trüppchen unerschrockener Franken ihren Lebensraum dem Düsterwald abgetrotzt blabla.

Über diesen Rückblendegedanken ist Chris mittlerweile daheim angekommen, voller Vorfroide auf Marthe. Aber leider kommt ihm nur die Magd entgegen.

Wozu hat man eine hellsichtige Frau, wenn sie nicht einmal ahnt, dass ich komme, dachte er enttäuscht.

Ja, mal echt jetzt! Erst schafft man sich sowas für teures Geld an und dann funktioniert's nicht mal. Pfht!

Die Magd kann Chris aber beruhigen: Marthe sei zu einem Grubenunglück geeilt, hätte aber gesagt, dass der Herr des Hauses heute kommen würde, dementsprechend sei alles vorbereitet. Chris fönt Drago noch trocken, dann geht's ab ins Haus, wo wir erst mal die kleine Familie vorgestellt bekommen. Zuerst sind da natürlich die beiden Stieftöchterchen Marthes aus erster Ehe, dann gibbet es den kleinen, dreijährigen Sohn (ein genaues Ebenbild Christians) und das neunmonatige Töchterli (ein genaues Ebenbild Marthes).

Fehlt nur noch der Sohn, der aussieht wie Marthe, die Tochter, die aussieht wie Chris, der Sohn, der aussieht wie beide und die Tochter, die aussieht wie beide. Vielleicht im dritten Band.
Der schon existierende Sohnemann ist übrigens ganz wie sein Vater: ritterlich bis ins Mark und gar nicht eifersüchtig aufs kleine Schwesterlein.

Jeden Tag dankte Christian Gott dafür, dass er ihn mit zwei gesunden Kindern gesegnet und dass seine Frau die Entbindungen überlebt hatte. Er konnte sich nicht vorstellen, wie er ohne Marthe leben sollte. Sie war die Liebe seines Lebens.

Falls wir das noch nicht mitbekommen haben sollten. Die Liebe seines Lebens, nach der er sich sehnt, auch wenn er seit Tagen durch Kälte, Nässe, Schnee und Hagel geritten und somit erschöpft, müde, hungrig, nass und durchgefroren ist.

Erst mal gibt es ein bisschen Suppe, dann wird gebadet. Eine passende Gelegenheit, wieder die Gedanken schweifen und uns mitteilen zu lassen, dass mal wieder Ärger dräut und dass Randolf vermutlich bald zurückkehren wird.

Uhhhhhhh.

Viel mehr ist dann auch nicht mehr mit Denken, denn schon knarzt die Tür und unser aller Engel erscheint. :gloriole:

Da stand sie, schlank und zierlich, noch mit Schneeflocken auf dem Umhang. Ihr Gesicht leuchtete vor Freude.

Chris freut sich, sein kleiner Mark Anton freut sich auch und weil man sich soooo vermisst hat, ergreift man die Gelegenheit und übt schon mal für den Sohn, der dann aussehen wird wie Marthe.

Während seine Lippen ihre Schulter liebkosten, glitten seine Hände schon ihre Schenkel empor, die sie bereitwillig öffnete.
[...]
Sie umklammerte ihn, bog sich ihm entgegen und stöhnte erleichtert auf, als er insie glitt und begann, sich kraftvoll zu bewegen. Es dauerte nicht lange, bis sie gemeinsam vor Leidenschaft schrien.

... 'kay.



Irgendwann sind sie dann fertig mit den Freuden des Fleisches und dem Herumgeschreie, das, wie sie selbst vermuten, bis ins Nachbardorf zu hören war. Na, Privatsphäre hatte man im Mittelalter ja noch nicht. 's gab ja nix, die hatten ja nix.

Marthe versucht sich dann anzuziehen, alldieweil unten schon der gesamte Hofstaat herumsitzt und darauf wartet, dass die Herrschaften runterkommen zum essen. Vorher dürfen sie nämlich nicht anfangen.

[Chris] betrachtete sie verliebt. Die zwei Schwangerschaften hatten ihren Körper kaum verändert, sie war mit ihren neunzehn Jahren immer noch fast so mädchenhaft schlank wie an dem Tag, als sie nach vielen Leiden zueinandergefunden hatten. Nur ihre Brüste waren voller geworden.

Klar. Alles noch genauso wie damals, nur größere ... Oberweite. Wie schön für Marthe. Und Chris.

Und weil seinem kleinen Marc Anton der Anblick der nackten, von zwei Schwangerschaften kaum veränderten Marthe gefällt, zieht Chris sein Eheweib gleich nochmal ins Bette.









Irgendwann sind sie dann auch dieses Mal fertig, turteln noch ein wenig verliebt herum, ziehen sich dann aber doch an, bevor der ganze Haushalt verhungert dahinsinkt.

Bevor sie nach unten gingen, sahen sie nach den Kindern, die nebenan ruhig schliefen. „Sie sind wunderbar", flüsterte er und zog Marthe noch einmal an sich.
„Ja, das sind sie", gab sie leise zurück. „Willkommen zu Hause."



!

Bei soviel heiler Welt kann ich Randolfs Ankunft kaum noch erwarten. Dann geht wenigstens wieder die Post ab, jawoll!

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Anm. d. Red: Wer mit den Bildern nichts anfangen kann, der möge sich bitte dieses Video zu Gemüte führen oder bei Youtube nach Wishmaster - The Misheard Lyrics suchen.