Donnerstag, 25. Dezember 2008

Die Hebamme I – 1167 in Franken

Der erste Satz soll ja angeblich einen Eindruck davon erwecken, wie es mit dem Buch weitergeht. Hier stimmt das im großen und ganzen.

„Mach schon, prügle sie, bis sie Gehorsam gelernt hat", forderte Ludolf wutschnaubend seinen älteren Begleiter auf.


Wir merken, die Männer 1167 in Franken sind tumbe, gewaltätige Toren, in deren verkümmerten Hirnen der Schalter entweder auf fortpflanzen oder prügeln steht.

Aber worum geht es eigentlich? Marthe, zart, zierlich, mit kastanienbraunem Zopf und fast schon vierzehn, will ihre Ziehmutter Serafina, die „weise Frau des Dorfes", nicht verlassen, weil die so ein bisschen im Sterben liegt. Sie hat Marthe aufgenommen und sie alles über Kräuter, Weisheit und Hebammentum gelehrt, nachdem Marthes ganze Familie von Gesindel niedergemäht wurde. Normale Krankheiten sind ja auch nicht dramatisch genug.

Ludolf und Begleiter Oswald sollen nun aber für die überraschend niederkommende Gattin des Burgherren Wulfhart eine Wehmutter besorgen und sind wenig geneigt, sich von Argumenten wie „aberaber meine Ziehmutter stirbt! Dasgehtdochnicht!" davon abhalten zu lassen. Insbesondere weil Wulfhart, wie könnte es anders sein, ein mieser, fieser, gewaltätiger Möpp ist, dessen schönstes Hobby aus „Bauern an den Schandpfahl stellen und von Oswald auspeitschen lassen" besteht.

Ossi und Luddi packen unsere zierliche Marthe also kurzerhand mit auf Ossis Pferd und reiten mit ihr gen Burg. Unterwegs, wir sind hier ja nicht zum Vergnügen, fängt Ossi schon mal an, die unwiderstehliche Marthe zu befummeln und nur weil Marthe, durch dieses unverschämte Verhalten in ihrer persönlichen Integrität erschüttert, dem Pferd (das ja nun gar nichts dafür kann) die halbe Mähne ausrupft, hört er auf.

Trotz ihrer prekären Situation macht sich Marthe Sue nur Sorgen um ihre Ziehmutter und bettelt und fleht, man möge der doch einen Priester hinschicken, weil wegen keine Absolution sonst Höllenfeuer und so.

Auf der Burg angekommen sorgt sie sich dann gleich auch noch um den Bauern, der da am Schandpfahl herumsteht. Sie hat eben ein grosses Herz, unser Mädel.

Der herbeigerufene Verwalter der Burg (aufgedunsen, mit verschlissenem und verschmutztem Gewand) erfreut uns dann mit Bonmots wie den folgenden:
„Du hast doch selbst noch kein Kind geboren – wie willst Du da eines auf die Welt holen?"

„Auf die Knie! Die Frau hat zu schweigen und den Blick zu senken!"


Nach ein bisschen herumknien und Blicke senken bringt er Marthe Sue dann zu Wulfhart, der sturzbesoffen in der düsteren, rußgeschwärzten und eiskalten Halle herumsitzt. Er ist auch nicht begeistert, dass keine erfahrene Wehmutter zur Stelle ist, und verkündet dann, dass er Marthe Hände und Füße abschlagen lassen wird, wenn sie ihm dieses Mal nicht den gewünschten Sohn liefert.

Nachdem Frau Irmhild, die holde Gattin, nun schon mehrere Fehlgeburten hatte und dieses Kind auch drei Monate zu früh kommt, weil Wulfi gerne mal seine Fäuste sprechen lässt, sieht es nicht sooooo gut aus für Marthe. Tatsächlich fängt sie dann auch langsam mal an, sich um sich selbst zu sorgen.

Nach einem halben Tag kommt das Kind, eine Totgeburt. Marthe stellt noch sicher, dass es Irmhild gut geht und sorgt noch dafür, dass sich der Kaplan im Zimmer aufhält, wenn Wulfhart die Neuigkeiten erfährt, denn sie hofft, dass der dessen Zorn auf Irmhild im Zaum halten wird. Awwwww, wie selbstlos! So ein Goldstück, unser Madl.

Nachdem sie für alle anderen gesorgt hat (der Bauer am Schandpfahl war aber schon weg, dem konnte sie leider nicht mehr heimlich etwas Wasser bringen. Verdammt!) deucht es ihr, dass es nun angebracht wäre zu verschwinden, denn auf diffuse Weise hängt sie dann doch an Händen und Füßen.

Sie verlässt die Burg, eilt in den Wald und setzt sich unter ein Gebüsch*.

Ende Kapitel I.


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* Leider ist nicht überliefert, ob es sich dabei um Farnwedel handelt. Wem die Vorstellung gefällt, der möge sie verwenden.

Kommentare:

Alienor hat gesagt…

Ein Farnwedel! *hmmpfffkähähä*

Ich glaub, ich mag das Buch jetzt schon. Und natürlich sind ihre Haare kastanienbraun. Einfach-nur-braun oder straßenköterblond geht ja nicht. Und bestimmt sind ihre Augen wahlweise grün-wie-das-sturmgepeitschte-Meer oder blau-wie-ein-Bergsee (wenn sie schon nicht lila oder mit Farbwechseleffekt ausgestattet sein dürfen). :nick:

(Ich geb's ja nur ungern zu, aber ich hab die "Bis(s) zum ... Erbrechen" - Serie übrigens gerade zu Weihnachten verschenkt ;-). Meiner Nichte. Die ist siebzehn, die darf das mögen. ;-))

Anonymous hat gesagt…

Ich hasse historische Weibchenromane. Darum freue ich sehr darauf, Deine detaillierte Rezension lesen. Gut anfangen tuts ja schonmal - weiter so.

Silph
(nein, wir kennen uns nicht, aber Vinni hat mir zu Deiner Biss zum Morgengrauen-Rezension gesagt, ich soll sie lesen)

schildmehdchen hat gesagt…

Kähähä, das geht ja gut los. Visionen. Farnwedel. *prust* Bin gespannt, wie's weitergeht, zu dem Roman konnte ich mich nämlich auch nie entschließen, weil er irgendwie so nach Mary aussah. Also. Noch mehr als die anderen historischen Weibchenromane. *fuchtel*

brombeere hat gesagt…

Ich weiß schon, warum ich keine Historienschinken lese. *ürgs* Aber natürlich warte ich schon gespannt auf das nächste Kapitel, kähä.

Ranwen hat gesagt…

Farnwedel *wegschmeiß*

Ich sollte ansonsten mal aufhören, dauernd 'Mathe' zu lesen. *grummel*. Das mindert den Lesespaß...

Und, joah, fängt so an, wie wir das kennen: Waisenkind < s>Luke< /s> < s>Harry< /s> < s>Eragon< /s> Marthe wächst in der Pampa < s>von Tatooine< /s> < s>von Privet Drive < /s> < s>vom Palancar-Tal< /s> eines kleinen Kaffs bei < s>Onkel und Tante < /s> < s> Onkel und Cousin< /s> Ziehmutter Serafina auf ... ja nee is klar ;).

PS. Wieso darf ich keine < s>-Tags verwenden, hä??