Freitag, 20. August 2010

Die Nebel von Avalon III

Wir machen einen zeitlichen Sprung und treffen auf Iggy und Gorloth, wie sie gerade auf dem Weg nach Londinium zum momentan noch herrschenden Großkönig Ambrosius sind.

Ja, da guck an. Hat Iggy nicht ein Kapitel vorher noch groß verkündet, dass Gorloth sie bestimmt nicht mitnehmen wird? Jetzt wohl doch. Und Iggy beschäftigt sich mit dem Gedanken daran, dass sie ja jetzt schon mit ihren 19 Jahren eine total erwachsene Frau ist, der die Männer mit bewundernder Ehrerbietung begegnen.

Wie schön.

Im Moment ist sie auch totaaaal mit Gorloth im Einklang. Wie lieb er sich um sie bemüht und ach und aawwww und wie rührend, so sanft und besorgt und überhaupt ein Traummann. Und nachdem sie jetzt ja entdeckt hat, dass sie eine erwachsene Frau ist, hat Iggy auch ihre Macht entdeckt. Die Macht der Frau. Die so quer übers Bett ausgeübt wird, ne?

Während Gorloth, Iggy und Entourage so dahinreiten bekommen wir eine Rückblende geliefert, in der Iggy zuerst eine Vision eines zerrupften Golli, pardon, Gorloth hat, bevor der tatsächlich heimkommt. Kein Kapitel ohne Vision, eh?

Als Golli kurz darauf in der Tat zurückkehrt verteilt er Geschenke, stellt fest, dass Morgi eine Schlampe zu werden droht, rät desderwegen zur Verheiratung und teilt, natürlich, auch mit Iggy das Schlafgemach. Die macht sich auch so ihre Gedanken.

Gorlois wird also sterben. [...] Deshalb werde ich noch lange nicht all den Unsinn glauben, den Viviane mir verkündet hat und auch nicht erwarten, daß Gorlois mich nach Londinium mitnimmt!


Am nächsten Tag fragt er sie dann aus heiterem Himmel, ob sie nicht mit ihm zum Großkönig nach Londinium kommen möchte, tanderadei. Warum nur? Weil, na das ist doch klar wie Kloßbrühe, Golli nun langsam in die Jahre kommt und jede Gelegenheit nutzen muss, mit seiner Frau den ersehnten Sohn zu zeugen! Da muss sie eben mitkommen nach Londinium, es gilt keine Zeit zu verlieren!

Na, wer könnte sich einem solch nachvollziehbaren Grund schon verweigern? Iggy nicht, und so machen sie sich auf den Weg. Golli und Iggy unterhalten sich gar über Politik und so kommt auch die Sprache auf Uther Pendragon:

„Ich mag Uther nicht. Er ist ein Lüstling und hat ein Dutzend Bastarde. In seiner Umgebung ist keine Frau sicher.“


Na, das klingt doch schon mal vielversprechend. Trotzdem unterstützt Golli Uther, weil der das Lieblingskind des amtierenden Großkönigs Ambrosius ist. Und weil er gut mit Heer und Schar und überhaupt den ganzen Leuten kann.
Golli breitet darüber hinaus vor Iggy noch seinen Wunsch aus, nur noch friedlich daheim zu leben, ein bisschen Korn anzubauen und seine Kinder auf den Knien zu schaukeln.

Spätestens jetzt weiß jeder, der in seinem Leben einen Actiondramafilm gesehen hat, dass Golli keine Chance hat: der Typ, der nur nach Hause will, um ein friedliches Leben zu führen, seine Verlobte zu heiraten, sein Kind zu sehen, seine Niere zu spenden, whatever, der schafft es nie. Der geht immer drauf. Isso.

Als das Ehepaar in dieser Nacht im Bett liegt, drehen sich Iggys Gedanken wieder um den Sohn, den sie vielleicht heute gezeugt haben. Oder letzte Nacht. Dieses Sohn-gezeugt-Gedöns scheint sie echt total zu beschäftigen, sie denkt an fast nichts anderes mehr.

In Londinium angekommen machen sich G&I soeben für die Kirche fertig, da bringt ein Bote ein Päckchen für Iggy. Der Inhalt: die Mondsteinkette, die Vivi ihr nach Verkündigung des Schicksals abgenommen hatte. Also, ich muss sagen, als Vivi intonierte, dass Iggy tun müsse, was die Göttin verlange, wenn diese Kette zu ihr zurückkehre, da habe ich mir etwas ... nun ja, müsthischeres, geheimnisvolleres vorgestellt. Auf verschlungenen Wegen, seltsamen Pfaden. Aber nicht ein plump-schlichtes Überbringen per Boten.

„Schatz das Zeichen dafür, dass Du die Nektarine bist ist da. Der Hermes-Bote hat's gerade vorbeigebracht.“

Ja. Nee. Pfht.

Da fehlt einfach der Prunk.

Golli ist von überraschenden Sendungen an seine Frau nicht angetan, und die Mühe, ihn als sympathischen, tiefsinnigen, empfindsamen Kämpen aufzubauen hätte sich Frau MZB sparen können, denn jetzt benimmt er sich mal eben wie ein depperter, eifersüchtiger Tyrann.

[...] Gorlois sagte streng: „Meine Gemahlin nimmt keine Geschenke von Boten entgegen, die ich nicht kenne“, und nahm es ihr aus der Hand.




Mehr braucht's auch nicht. Alle positiven Gefühle, die über die letzten Absätze so wunderbar in Iggy geblüht haben, fallen *flupps* von ihr ab und sie verabscheut ihn wieder.

Die beiden bickern sich noch ordentlich an, dann ist auch schon Zeit für die Kirche. Aber natürlich kann auch diese Situation nicht vergehen, ohne dass wir einmal kurz an den Sohn denken, den Iggy eventuell oder auch nicht, jedenfalls im Leib und überhaupt.

Plötzlich hoffte Igraine inbrünstig, daß Gorlois kein Kind gezeugt hatte, daß sie nicht das Kind eines todgeweihten Mannes trug ... Igraine fror.


In der Kirche lernt Iggy dann Ambrosius kennen, einen ihn umschwänzelnden dunkelhaarigen Ritter, der ihr sofort unsympathisch ist und mitten in der Predigt kommt dann noch ein blonder Supermann mit Umhang (Umhang, Cape – gleicher Unterschied) in die Kirche stolziert.

Der Mann sah Igraine an, und einen Augenblick lang schien er sie und Gorlois anzulächeln.


Schön; aber weder Iggy noch wir wissen, welcher dieser Typen denn nun Uther Pendragon ist. Naaaain. Nicht die geringste Ahnung haben wir. Nicht die kleinste!

Nach der Predigt stellt Golli die beiden einander vor, und, haltet den Atem an, es ist UTHER! Nein! Ich bin verblüfft bis ins tiefste Mark!
Uther, laut Golli ein alter Schwerenöter, verliert auch keine Zeit und starrt Iggy gleich in den Ausschnitt. Oder auf den Mondsteinanhänger. Man weiß es nicht so genau. Was Golli, wer würde es ihm übelnehmen, nicht gefällt.

„Es gefällt mir nicht, wie er Euch ansieht, Igraine. Er ist kein Mann für eine ehrbare Frau. Haltet Euch fern von ihm.“


Danach gibt es eine Versammlung der oberen Ritter und viel politisches Blabla. Wir erfahren, dass der schleimige, machtgeile, dunkelhaarige Unsympath Lot von Orkney ist, den ich von jetzt an immer Baßtölpel nennen werde, weil mein Hirn behauptet, dass es die auf den Orkney-Inseln gäbe.
Was wahrscheinlich nicht stimmt. Vermutlich gibt es nicht mal Orkney-Inseln. Aber Baßtölpel passt. So.

Man unterhält sich, pliplaplupp, und es kristallisiert sich heraus, dass das Land echt mal langsam Frieden gebrauchen könnte und deswegen einen König braucht, der es eint und aus den ganzen Kalamitäten herausführt, in denen es steckt.

Außerdem mag Uther den Ambrosius wirklich gern und tut nicht nur so und weil er zufällig neben Iggy sitzt, kann die auch gleich noch unerklärliche Hitzewallungen bekommen. Praktisch.

Der Merlin ist übrigens auch da, aber bis auf einen eher belanglosen Schlagabtausch mit Uther, in dem es um das Schicksal und den Himmel und dergleichen Bla geht, hat er eigentlich nicht viel beizutragen.

Die Stelle mit „Wir brauchen einen Führer“ überspringe ich einfach mal großräumig, auch die Andeutung, dass es schon Legenden gibt, die die Ankunft eines großen Königs prophezeihen, lasse ich einfach mal so fallen.

Oh, und der eventuell in Iggy Leib heranwachsende Sohn muss natürlich auch wieder, ne?

Sie war verheiratet, und in ihrem Leib wuchs vielleicht schon der Sohn, den ihr Gemahl sich wünschte.


Himmelarsch. Das ist so eine wirklich fixe Idee, die schon an Besessenheit grenzt. Außerdem denkt sie uns wieder vor, dass sie ja üüüüberhaupt kein Interesse daran hat, das Bett mit einem anderen Mann als Golli zu teilen. Ja. Schon gar nicht, wenn in deinem Leib vielleicht der Sohn ... ja, ich glaube, wir haben es verstanden. Also ich schon nach dem ersten, zweiten und dritten Mal, aber erwähne es ruhig noch ein bisschen.

Das lange Bla hat Ambrosius erschöpft. Mich auch. Er ist jedoch so konsequent und stirbt dann auch. Alle sind gar schröcklich betrübt. Es gibt ein Requiem und danach kann Iggy im Gespräch mit einer Ritterfrau mal wieder feststellen, wie doof Christen doch so sind:

Sie glaubte sogar, ein Meßbuch in der Wiege helfe gegen Rachitis.

„Rachitis kommt von schlechter Ernährung“, erklärte Igraine. [...]

„Das ist dummer heidnischer Aberglaube“, entgegenete Gwenyth, „das Meßbuch ist heilig und wirkt gegen alle Gebrechen, besonders gegen die Krankheiten kleiner Kinder, die getauft und von den Sündern ihrer Väter losgesprochen wurden und selbst noch keine begangen haben.“


Solche Gesellschaft ist Iggy natürlich nicht zuzumuten (wo sie doch vielleicht schon Gollis Sohn im Leib, ne?) und so macht sie sich aus dem Staub. In einem Baum trifft sie auf den tränenüberströmten Uther und sie führen gar tiefsinnige Gespräche über Gott und den Himmel und Priester und dergleichen und ihre Wesen kommen sich so richtig nahe. Bonding und Krams. Rasende Romantik.

„Ich schwöre, Igraine, ich strebe nicht aus Ehrgeiz nach der Krone, sondern um zu beenden, was unser toter König begonnen hat!“

„Ich glaube, das weiß jeder“, sagte sie und streichelte seine Hände.

Da! Da! Schweinskrams!

So. Man kommt sich also gerade ein bisschen näher, so ganz emotional, da muss natürlich der lästige Ehemann reinplatzen.

Golli: „Wasn hier los?“

Uther: „Nix. Ich geh dann mal.“

Golli: „Hömma, Iggy, ich habe doch gesagt, Du sollst Dich von ihm fernhalten!“

Iggy: „Meine Güte, glaubst Du, wir haben es auf diesem Ast da im Baum getrieben oder was?“

Golli: *watschn*

Iggy: *wutschnaub*

Golli: „Ich traue ihm nicht und Du hältst Dich von ihm fern! Basta!“

Iggy: „Wie könnt ihr es wagen!?“

Sie keifen noch ein wenig weiter und vor der Haustür geht's dann nochmal richtig zur Sache.

Gorlois sah Igraine dunkelrot vor Zorn an und steiß sie wütend durch die Tür. „Ich verbiete Euch, in diesem Ton mit mir zu sprechen, sonst werde ich Euch wirklich prügeln!“

Igraine spürte, daß sie wie eine wütende Katze die Zähne fletschte. Mit scharfem Atem fauchte sie ihn an: „Wagt es nur, Gorlois! Ich werde Euch lehren, daß die Tochter der Heiligen Insel weder die Sklavin noch die Dienerin eines Mannes ist!“


Huiuiuiuiui. Da fliegen ganz schön die Fetzen, kannste glauben.

Kommentare:

mohrchen hat gesagt…

--> Das lange Bla hat Ambrosius erschöpft. Mich auch. Er ist jedoch so konsequent und stirbt dann auch. <--
*roflol*

--> In einem Baum trifft sie auf den tränenüberströmten Uther und sie führen gar tiefsinnige Gespräche über Gott <--
Moment, habe ich die Präposition richtig gelesen: Sie treffen sich *IN* einem Baum? Hat der ne Tür? Warum kann's nicht unter einem Farnwedel sein? ;-)

Ich weiß, dass ich das Buch irgendwann mal gelesen habe, aber an den ganzen Krams kann ich mich irgendwie null erinnern. Muss ich erfolgreich verdrängt haben. *zahn*

Silph hat gesagt…

Bei uns hat sich ja eher der Spitzname König Senkblei von Orkney etabliert. Aber man ist ja flexibel ;)

Außerdem kann Iggy gar nicht schwanger sein, bevor sie mit Uther ins Bett geht. Hat sie ihrer Schwester denn nicht zugehört?

Anonym hat gesagt…

Juhu! Morrowind-Anspielung!

Wüstenratte hat gesagt…

„Schatz das Zeichen dafür, dass Du die Nektarine bist ist da. Der Hermes-Bote hat's gerade vorbeigebracht.“

Bwaaahahaha!


In einem Baum trifft sie auf den tränenüberströmten Uther [...]
Wirklich? Oh boy. Tränenüberströmt?
Heidenei. Ich weiß schon, warum meine bevorzugte Lektüre nicht so ein Emo-Krams ist.
Frauen können durchaus glaubwürdige männliche Charaktere schreiben, ebenso, wie es Männer schaffen können, glaubwürdige weibliche Charaktere zu schreiben, aber Frau MZB versagt da leider kläglich.
Genauso, wie Herr Bulmer bei den weiblichen Charakteren versagt hat, btw.

DieJo hat gesagt…

Woher stammt denn der Begriff Nektarie? Ich verbinde damit nur süße Früchte.

Vinni hat gesagt…

König Senkblei von Orkney *nick*

Iggy nervt mich jetzt schon *seufz* oder ist es die ganze Geschichte...?

Dorte hat gesagt…

Bin auch schon seit langem Frau Katz-Fan. Die Nebel habe ich als Teenie gelesen und fand sie toll, naja, war auch das erste Buch, in dem Sex vorkam, und dann gleich reichlich ;) Jetzt in der Zusammenfassung merke ich gleich wieder, wieso ich beim erneuten Lesen in meinen zwanzigern nicht weit gekommen bin... Schwulst deluxe. Aber auf katzisch sehr gut lesbar!

Elveny hat gesagt…

Biiiiiiiiiittebittebitte nenn ihn nicht "Golli". Golli ist Golwen und eindeutig eine Frau und eine Freundin von mir und würde niemals einen Sohn mit Iggy zeugenodernichtzeugen und sie vor allem nicht watschen :P

schildmehdchen hat gesagt…

Ich schließe mich der Anti-Golli-Bitte an. *nick* Ansonsten: Herrlich. Meine Gedanken beim Lesen, nur besser formuliert. Wobei, besonders erwähnenswert fand ich ja im Bezug auf Uther auch noch Iggys Beobachtung "Sein Schweiß roch frisch und gesund wie der eines Kindes". Yuck.

Vinni hat gesagt…

Immerhin glitzert er nicht? *ugly*

Wüstenratte hat gesagt…

@Jo: "Nektarine" ist die Verballhornung des Titels "Nerevarine" aus dem PC-Spiel "Morrowind".
Der Spieler erringt den Titel im Laufe der Hauptquest, und es werden immer wieder Zweifel an dieser hehren Bestimmung gerührt. Ist man es wirklich? Ist man der Nachfolger des legendären Helden Nerevar, also der Nerevarine?

Die Abenteuer der FrauKatz'schen Nerevarine (Nektarine) sind im Spielblog nachzulesen, von dem ich mir nicht sicher bin, ob ich hier einfach einen Link posten darf.

DieJo hat gesagt…

Ah, daher die Morrowind-Anspielung! Ich hab das Spiel selbst mit Leidenschaft gespielt und konnte keine Anspielung entdecken, danke für den Hinweis.

Neyasha hat gesagt…

Igraine spürte, daß sie wie eine wütende Katze die Zähne fletschte.

Hm, ich versuche mir gerade vorzustellen, wie das aussieht, wenn ein Mensch die Zähne fletscht. Irgendwie stell ich mir das unfreiwillig komisch vor. *g*

Am Anfang des Kapitels war ich überrascht, weil ich Gorlois eher als Ungustl denn als fürsorglichen Ehemann in Erinnerung hatte - aber das sympathische Intermezzo hatte ja dann schnell ein Ende.
Wobei vermutlich die meisten Männer nicht so hochentzückt wären, wenn sie ihre Frau händchenhaltend mit einem Weiberheld in einem Baum antreffen. *lol*

Wüstenratte hat gesagt…

Iggy and Uhty, sitting in a tree...

*roflol*

mohrchen hat gesagt…

Ich versteh immer noch nicht, wie die beiden IN den Baum REIN kommen. Kann mir das mal bitte irgendjemand erklären?

Reaghan hat gesagt…

Iggy und Uther sitzen in nem Baum und K-Ü-S-S-E-N sich. Erst kommt die Hochzeit, dann kommt der Kinderwagen *sing*

DieJo hat gesagt…

@mohrchen: Ich vermute stark, dass der Baum hohl ist.

LaLei hat gesagt…

Also mich erinnert Golli immer an Gollum o.O "Mein...Waaaiiiiib..."

Und ich kann dich beruhigen, FrauKatz, es gibt Baßtölpel auf den Orkney-Inseln ;)

Wüstenratte hat gesagt…

"In einem Baum": ich stelle mir da so einen großen, alleine stehenden Baum mit tief herunterhängenden Ästen vor. Da kann man dann auch vom Boden aus entweder auf einem Ast sitzen, ohne sich vorher in ein Eichhörnchen verwandelt zu haben, oder man ist sowieso durch Äste ringsum relativ sichtgeschützt, und somit "im Baum".
Die Sorte Baum halt, wie man sie in englischen Parks anzutreffen pflegt. Ist ja schließlich bei Königs, da hat man prächtige Bäume zu haben, auch wenn man mittlerweile Christ ist, und kein heidnischer Treehugger mehr. ;-)