Freitag, 11. Februar 2011

Die Nebel von Avalon XXIV

Zeitlich befinden wir uns ein Jahr nach Artus’ Hochzeit Argh! Krönung! Krönung! Ein Jahr nach Artus' Krönung, örtlich in Iggys Klosterzelle, wo sie fried- und betulich ein Altartuch stickt. Ganz fried- und betulich? Nein, denn an diesem Morgen meint sie schon wieder ihre Gähne nach ihr schreien zu hören.

Trotzdem … entschlossen kämpfte sie gegen die Versuchung an. Sie hatte vor langer Zeit das Gesicht als Werk des Bösen erkannt und ihm abgeschworen, wollte mit Zauberei nichts mehr zu tun haben. Sie glaubte nicht, dass Viviane ein schlechter Mensch war, aber die Alten Götter von Avalon standen sicher mit dem Teufel im Bund, denn sonst hätten sie in einem christlichen Land schon lange keine Macht mehr gehabt.


Ja, ich erinnere mich gerade daran, warum ich Iggy so unerträglich fand.

Die lässt ihre Gedanken weiterschweifen. Vivi hatte ihr vor einiger Zeit mitgeteilt, sollte Gähne bei ihr weilen, sie möge ihr sagen, dass alles in Ordnung sei. Was natürlich bedeutet, dass man denken könnte, irgendwas sei nicht in Ordnung und dass Vivi nicht wisse, wo Gähne ist, was ja schon ein unerhörtes Ereignis sei.

Iggy mag blöd sein, aber nicht ganz dum.

Immerhin kommt sie beim Gedankenschweifenlassen darauf, dass sie ihre Kinder zugunsten von Uther doch ziemlich vernachlässigt hatte.

Erst jetzt überkamen sie Schuldgefühle. Hatte sie ihre Tochter nicht zu bereitwillig weggeschickt, um sich Uther und seinen Kindern widmen zu können? Unfreiwillig musste sie an ein altes Wort aus Avalon denken: Die Göttin überschüttet niemanden mit ihrem Gaben, der sie zurückweist … Sie hatte ihre Kinder weggegeben […] und damit vielleicht selbst ihre Kinderlosigkeit heraufbeschworen.


Ja, das wird es sein. Denn jede Handlung hallt in müthischem Rhythmus durch die Ewigkeit an die Ohren oder sonstigen Körperteile der Göttin, so ist das. Ob man jetzt die Kinder wegschickt, mit dem Cousin zweiten Grades herumwonnt oder sich heimlich einen zusätzlichen Keks aus der Dose nimmt, die Göttin ist der Nikolaus und sieht alles!

Im Winter, so erinnert sich Iggy, hatte sie schon mal das Gefühl, Gähne schreien zu hören, und wundersamerweise zählt unsere christliche Igraine dank des Wissens um Beltane eins und eins zusammen: Gähne könnte ein Kind empfangen und dann im Winter, zur Zeit des Schreiens, geboren haben.

Was Iggy aber nicht dazu bringt, mal eben doch kurz das Gesicht anzuwerfen, denn das ist ja böhsäh.

Bevor wir aber noch weiter Absatz um Absatz um Absatz *zuck* im Gefühlsleben der Iggy herumwaten (ich hoffe, jeder hatte seine Gummistiefel dabei), tritt eine Nonne in Ausbildung heran und meldet Gäste. Einer dieser Gäste ist der Erzbischof und wahrscheinlich wird er ein verbohrter christlicher Fanatiker sein. Etwas anderes würde mich bei diesem Buch schwer überraschen.

Iggy legt ihre vollgeheulte Stickerei beiseite; zum Glück blieben keine Flecken.

Nichts bleibt übrig von all den Tränen, die die Frauen auf dieser Welt weinen, dachte sie bitter.


Jaja, so wahr, so weise. *tiefseufz* Noch etwas Baguette zum Schmalz?

Der andere ist der Merlin, der gerade so knapp an der Türsteher-Äbtissin vorbeikam, weil er doch so ein Zaubberer und Schrecksenmeister ist, jetzt alle bitte im Kreis rennen und kreischen.

Meine Herren. Ich bin ja auch nicht so für organisierte Religiosität, aber selbst im Christentum können nicht nur Volltrottel herumlaufen.

Letztendlich entpuppen sich die drei Gäste als Erbischof Patricius, Merlin und König Hörni. Letzterer stellt den Erzbischof vor und der hat auch noch ein paar Worte zu sich zu sagen:

„Ja, nach Gottes Willen“, begann der Erzbischof, „habe ich alle bösen Zauberer aus Irland vertrieben. Und ich bin gekommen, sie aus allen Christenländern zu verjagen. In Glastonbury traf ich auf eine verderbte Priesterschaft, die Gott sogar gemeinsam mit den Druiden verehrte. Unser Herr Jesus, der für uns gestorben ist, hätte blutige Tränen geweint.“


Ein religiöser Fanatiker! Wer hätte das gedacht!

... gut, ich. Aber sonst?

... gut, jeder.

Machen wir also einfach weiter.


Ich erspare euch die Antworten des Merlin an dieser Stelle, die grundsätzlich einfach nur zeigen sollen, dass er die Bibel gar besser kennt als der Herr mit der Überzeugung und diesen auch noch ziemlich blöd aussehen lassen. Ladidah. Irgendwann wird's Hörni dann auch zu doof und er versucht, das Thema zu wechseln.

Igraine sitzt währenddessen zweifelsohne mit einem über der Armlehne baumelnden Bein auf einem Stuhl herum und feilt sich die Fingernägel, bis ihre Gäste sich mal besinnen und überhaupt erklären, warum sie gekommen sind. Aber wir haben ja Zeit. Für eine gute Debatte Kelten gegen Christen ist immer Zeit. Immer. Und immer wieder.

Lesen wir mal weiter ... hmhmhm ... jetzt werden erst mal die Begleitritter des Hörni mit Wein versorgt ... hmhmhm ... Hörni erzählt Mutti, dass Gähne bei Morgi wohnt ... hmhmhm ... es kommt zu kleineren Emotionalitäten, als Iggy ihrem Hörni ermahnt, Gawain nicht zu trauen, so als Lotssohn sei der ja erst mal verdächtig ... hmhmhm ... Erzbischof Patty wirft blödes „Mein Gott hat den Längsten“-Zeug ein ... hmhmhm ... ach Gott, jetzt beharken sie schon wieder theologische Fragen, meine Herren! Mir doch wurscht, ob Leute einen Baum anbeten. Auch Hörni scheint genervt und lenkt das Thema auf ein anderes beliebtes: Heiraten! Na das ist doch interessant! Er sinniert darüber, dass die Tochterlosigkeit der Morgi sehr schade sei, denn dann könnte er die heiraten und alle wären glücklich, denn dann wüsste Lot, dass seine Enkel Großkönig anstelle des Großkönigs werden würden!

Patricius runzelte bedenklich die Stirn. „Ist Morgause nicht die Schwester Eurer Mutter, mein König? Eine Heirat mit ihrer Tochter wäre nicht viel besser, als Eure Schwester zu ehelichen.“


*zing*! Autsch, das ging ja mitten ins Ziel. Hust.

Gut, wie geht's weiter ... Hörni erwähnt, dass König Leo ihm die Hand seiner Tochter und den ganzen Rest noch dazu angeboten hätte und dass die Pferde, die im Deal stecken, schon einen großen Anreiz für Hörni darstellen. Ah, und jetzt, zwei Absätze vor dem Ende des Kapitels, kommen wir zum Grund des Besuchs: Hörni bittet Iggy, doch in ihrer Rolle als Königsmutter zu Leo zu reisen, die positive Antwort zu überbringen und dann Gwünny zum Hofe Hörnis zu begleiten. Na Halleluja! Das hätten wir jetzt aber auch schneller haben können. *schnauf*

Iggy möchte schon zusagen, aber ihre nönnlichen Gelübde, ne, da war doch was, und könnte Hörni nicht einen seiner Ritter ...?

Der Merlin erklärte bedächtig: „Igraine, ich glaube, Ihr solltet gehen!“

„Weshalb, Großvater?“ fragte Artus. „Besitzt Lancelot einen Zauber, und Ihr fürchtet, meine Braut werde ihn und nicht mich lieben?“

Taliesin seufzte.


Ich seufze mit. Das ist ja nicht einmal mehr Foreshadowing auf dem Silbertablett, das ist eine Werbung aus „Saitenbacher! LECKERLECKERLECKER!“ kombiniert mit „CARGLASS TAUSCHT AUS!“, und selbst dann ist es noch nicht penetrant genug. Hurch!

Iggy beschließt dann doch schnell, den Wünschen ihres Söhnchens nachzukommen, schließlich könne ihr die Oberin nicht verwehren, an der Hochzeit ihres Sohnes teilzunehmen.

Und ihr wurde deutlich bewußt, daß es nicht so leicht war, geduldig hinter Klostermauern zu sitzen und darauf zu warten, daß die großen Neuigkeiten in die Einsamkeit drangen, wenn man so lange Königein gewesen war. Das Warten war vielleicht das Los jeder Frau. Aber sie würde solange wie möglich versuchen, ihm zu entgehen.


Ja, arme Iggy. Hinter Klostermauern gezwungen, obwohl sie doch nicht wollte, das ist schon ein hartes Los. Denn es ist ja nicht so, als hätte sie sich freiwillig dafür entschieden und deswegen sogar die Einladung ihrer Leibesfrucht, doch auf seinem Hofe zu leben, ausgeschlagen.

Kommentare:

Nia hat gesagt…

...die Göttin ist der Nikolaus und sieht alles!
*prust* YMMD

mohrchen hat gesagt…

Wieder mal sehr schön geschrieben! Aber eins ist mir nicht klar:
Iggy sinniert vor sich hin, und plötzlich ist ihr Tuch bereits vollgeheult? Hast du da was ausgelassen oder steht das so im Buch?

>Jaja, so wahr, so weise. *tiefseufz*
>Noch etwas Baguette zum Schmalz?
*roflol*

Irgendwie bin ich schon wieder ausgestiegn, was die Personen angeht. Iggy und Gähne sind WAS nochmal voneinander? In dem Zusammenhang müssten dann Hörni und Iggy auch irgendwas voneinander sein.

>Das ist ja nicht einmal mehr
>Foreshadowing auf dem Silbertablett,
>das ist eine Werbung
>aus „Saitenbacher! LECKERLECKERLECKER!“
>kombiniert mit „CARGLASS TAUSCHT
>AUS!“, und selbst dann ist es noch
>nicht penetrant genug.
Der Ruthe-Comic hat's dir echt angetan, hm? *g*

Noch eine Sache, die ich irgendwie mistverstehe:
"In Glastonbury traf ich auf eine verderbte Priesterschaft, die Gott sogar gemeinsam mit den Druiden verehrte."
Da sind ein paar Druiden, die auch Gott verheren, also konvertierte Heiden. Und das stört den Herrn Religionsfanatiker WARUM genau?
*kopfkratz*

DieJo hat gesagt…

Trotz Saitenbacher und Carglass sehe ich das Foreshadowing nicht. :(

Liegt wahrscheinlich daran, dass ich schon den Überblick über die Figuren verloren habe.

Undomiel hat gesagt…

FrauKatz, diesmal hast du mich auch verwirrt. In deinem ersten Satz schreibst du "Zeitlich befinden wir uns etwa ein Jahr nach Artus' Hochzeit", nachher soll Iggy aber erst die Braut zum Bräutigam führen.

*ratlos guck*

Halefa hat gesagt…

:erklärbär:

1. Hörnis Hochzeit = Hörnis Krönung. Vermute ich mal.
2. Iggy - Gähne = Mutter - Tochter
3. Iggy - Hörni = Mutter - Sohn
→ 4. Gähne - Hörni = Schwester - Bruder (halb, aber das ist ja egal)
4. Foreshadowing = ... Lasst euch überraschen. :D (Vielleicht kann FrauKatz in dem entsprechenden Kapitel eine kurze Bemerkung machen. Wenn man dann wieder hierher zurückkehrt, wird man in all ihrer Deutlichkeit Saitenbacher und Carglass erkennen.)

FrauKatz hat gesagt…

@Undomiel
Lefa hat recht, ich meinte die Krönung. Das Schenniffer-Kapitel hat mich verwirrt.
Ich hab's ausgebessert. *hüstelfüßescharr*

Luna hat gesagt…

"Ob man jetzt die Kinder wegschickt, mit dem Cousin zweiten Grades herumwonnt oder sich heimlich einen zusätzlichen Keks aus der Dose nimmt, die Göttin ist der Nikolaus und sieht alles!"

Aber der Nikolaus ist doch ein Mann! Das ist völlig unmöglich, denn wir haben doch in diesem Buch gelernt, dass Männer, insobesondere christliche Männer, total unfähig sind!
*g*
Ja, die Iggy. Kommt auf meiner Liste der unbeliebtesten Buchfiguren gleich hinter Gwünny.

Undomiel hat gesagt…

*ans Hirn patsch*
Da hätte ich aber auch selber drauf kommen können.
Danke, Halefa und FrauKatz

*diskret von der Leitung steig*

Nadine hat gesagt…

Oh Gott. Iggy. Mann, nervt die mich. Gwünni nervt mich aber noch mehr. Hmmmm...

Aber in diesem Post bleib ich einfach mal bei Saitenbacher Müsli... oder so.

Silph hat gesagt…

Nichts bleibt übrig von all den Tränen, die die Frauen auf dieser Welt weinen, dachte sie bitter.
Doch, Salz. Das verdunstet nicht, das trocknet nicht, das Tuch hat jetzt also Salzflecken.

als Iggy ihrem Hörni ermahnt, Gawain nicht zu trauen, so als Lotssohn sei der ja erst mal verdächtig
Pah. :P
Als ob der eigentlich Verdächtige jetzt nicht erstmal Lancelot wäre.