Freitag, 18. Dezember 2009

Das gläserne Tor – XX

Da stehen wir nun und haben plötzlich einen Mönch und einen Friedrichverlobten. Einfach so. Du meine Güte. Diese Plotwendung hätte ich jetzt nicht vorhergesehen.

Während Friederich seine Gehirnerschütterung ausschläft, praktizieren Bruder Benedikt und Anschar male bonding, und das per Hühnchenrupfen.

Ernsthaft. Die sitzen da und rupfen gemeinsam das Abendessen. Währenddessen erzählt Benedict, wie er nach Argadye kam. Er hätte auf der Pfaueninsel einen Mann gesehen (Henon, Henon, Du warst wohl nicht wirklich unauffällig), sei ihm gefolgt, der sei ins Wasser und Benedikt mit dem Boot hinterher und dann war da ein Licht und der Rest ist Geschichte.

Benedikt fand zwar die stationärpermanente Lichtsäule wieder konnte aber in Berlin angekommen nicht ans Ufer schwimmen und musste sich so nolens volens wieder nach Argadye saugen lassen, wo er seitdem gestrandet ist und wohlgemut Gottes Wort verkündet.

Oh, und das Tor sei unberechenbar. Von Argadye aus lande man zwar immer auf der Pfaueninsel, umgekehrt könne man aber werweißwo landen. Da scheint das Tor herumzuwackeln wie ein Kuhschwanz.

Der Abend schleicht sich mit leichter Dämmerung herein, Bruder Mönch brät die Vögel, Anschar und Gigi unterhalten sich. Friederich hat auch ausgeschlafen und kommt zu den beiden gewankt.

„Was tut ihr da?“

„Wir unterhalten uns nur.“

„Man kann sich mit dem unterhalten? Kann man das?“


Ich spüre Spannungen im Dreiecksverhältnis Anschi-Gigi-Friederich, oh ja.

Gigi managt das ganz vernünftig, indem sie Anschar erst mal kurz in die Büsche schickt, weil sie jetzt ein bisschen was mit Friederich zu bereden hätte. Ein wenig eifersüchtig ist Anschar schon, aber was willste machen, ne?
So trollt er sich und Gigi erklärt Friederich alles. Das Tor, die Wüste, das Universum, der Fisch, die 42.

Dann wird gespeist und am nächsten Tag ist es soweit, der langersehnte (und jetzt vielleicht doch nicht mehr sooo willkommene?) Moment ist da: es geht nach Hause. Gigi kleidet sich wieder angemessen, und auf einmal kommen ihr ihre Klamotten eng und kratzig vor, so kratzig wie ihr Hals, wenn sie daran denkt, dass es nun auch Abschied nehmen heißt.

Anschar kommt und hilft ihr beim Schuheanziehen.

„Ich habe darüber nachgedacht, was wäre, wenn ich mit dir gehe“, sagte er.
[...]
„Anschar, das geht nicht. Ich würde es mir so sehr wünschen, aber du kannst in meiner Welt nicht leben. Du würdest sie nicht verstehen.“


Sie diskutieren das noch eine Weile, doch Gigi bleibt realistisch und schließlich muss es auch Anschar einsehen, dass ihre Welt für ihn kein Ort ist. Ein kurzer Austausch von Zärtlichkeiten, da klopft auch schon Friederich mit seinem ungeheuren Gespür für Timing an die Tür.

Sie gehen zum Tor, Friederich nimmt Gigi bei der Hand und schon werden sie emporgesogen, zurück in ihre Welt, fort von Anschar und Argadye.

Sie fühlte sich von Friedrich gepackt und in das Licht gezerrt. „Nein, nicht so schnell!“, rief sie, da riss ihr der Sog die Worte von den Lippen.

Anschar! Anschar!


Anschar bleibt zurück, sieht ihnen nach und wie in Trance tritt er näher an das Tor heran und streckt sogar die Hand aus, um den Sog zu spüren. Vater Benedict schilt ihn.

„Mein Freund, das hat doch keinen Zweck. Komm.“


Dann führt er ihn hinunter zur Eremitenhütte. Nun muss sich Anschar entscheiden, wie das mit ihm so weitergehen soll, immerhin ist er ein entlaufener Sklave (und irgendwie auch ein Mörder, ne, selbst wenn die Argaden das nicht so ernst zu nehmen scheinen) und so groß sind die Möglichkeiten da nun nicht.

Die Entscheidung wird ihm aber dann von verfolgenden herschedischen Palastwachen abgenommen, die sich wohl doch nicht so leicht von Vater Benedict in die Irre führen ließen und sicherheitshalber nochmal nachgucken wollten, ob die Fliehenden nicht vielleicht doch ...

Nu. Anschar versucht noch zu fliehen, doch an einer Felswand treiben sie ihn in die Enge. Ganz kurz erwägt er das heldenhafte „Wenn ich untergehe nehme ich mindestens noch die Hälfte von euch mit!“, lässt sich dann aber doch entwaffnen und mitnehmen.

„Sklave! Weg mit dem Schwert!“

Es musste so enden.


Er wird verschnürt wie ein Rollbraten und dann machen sie sich auf den Weg – allerdings wohl nicht direkt zurück zur Stadt.

Sie nahmen den Weg, der in den Wald führte.


Ohoh. Ich wittere erneut faules Spiel.

Kommentare:

amanda james hat gesagt…

wie jetzt? sie geht mit friedrich mit? wie kann sie nur? was wird jetzt aus anschi? wo bleibt das happy end? menno. nö. so kurz vor weihnachten find ich das jetzt plöd :grummel:

FrauKatz hat gesagt…

Jaja, aber das Buch hat ja noch ein paar Kapitel. Da kommt noch was. *hoffnung*

amanda james hat gesagt…

ui...gut :beruhigtsei:

Milui hat gesagt…

wenn das eine ende vom tor in argadye herumwedelt wie ein kuhschwanz, dann ist das andere ende vom tor und damit unsere welt am hintern der kuh. :grin:

Tokvi hat gesagt…

Anschar wird nicht sterben - es gibt einen zweiten Band :nick:

FrauKatz hat gesagt…

@Milui
Unsere Welt ist das hintere Ende einer Kuh ... äh. Poetisch? :zweifelnd:

:-D


@Tokvi
BOAH! Spoiler! :zeter:

;-D

Anonym hat gesagt…

Einen 2. Band der dem Klappentext nach in unserer Welt spielt - Heuchler die!

Silph hat gesagt…

Das ist bei Parallelwelt-Geschichten meistens so. Ein Band auf der einen, ein Band auf der anderen Welt...
Nur bei einem hab ich erst bei Band vier - oder drei? oder fünf? - gemerkt, daß es überhaupt ein Parallelweltenroman ist.

FrauKatz hat gesagt…

Wobei der Verlag den Klappentext eher verhunzt hat, der zweite Band spielt hauptsächlich noch in Argadye und nur recht kurz in Berlin. (Zum Glück, ich mag es irgendwie gar nicht, wenn Leute aus einer Fantasiewelt in unsere kommen.)

Uuuund 's ist jetzt auch nicht so, als wäre Anschar mit Gigis Wissen undoder Einverständnis dort. :ugly: :herumirr:

Alcarinque hat gesagt…

Ernsthaft. Die sitzen da und rupfen gemeinsam das Abendessen.

Vielleicht haben die da ja größere Hühnchen? So Straußenförmig? *g*

Und wo kommt der Wald her, ich dachte das sei eine wüste Wüste so mit viel gar nichts und noch weniger Wasser?

Halefa hat gesagt…

Der Ebendict reist jetzt wieder nach Berlin, um die Gigi zu holen, damit sie den Anschi rettet. Weil sie mittlerweile verheiratet ist, muss sie wieder zurück. Im Epilog stellt sie fest, dass sie schwanger ist.

Im zweiten Band findet Anschi dann in Berlin heraus, dass er Vater ist.

:nick: