Mittwoch, 18. November 2009

Das gläsernde Tor – VIII

Fidya führt Grazia quer durch den verwinkelten Palast zum Festsaal. Der ist groß und es wimmelt von Gästen und Sklaven, was angesichts der Tatsache, dass grade eine Party steigt, nicht verwunderlich sein dürfte. Als Grazia den Raum betritt, verstummen Besucher und Bedienstete, um sie anzustarren. Bella Grazia ist das unangenehm und so stöckelt sie möglichst schnell zu König Mayonnaise aufs Podest.

„Wie kommt es, dass dein Rücken so steif ist?“, fragte er. [...] „Liegt das an irgendeiner Krankheit? Du siehst ohnehin nicht gesund aus.“


Mei, charmant! [/wiener Schmäh]

Nein, meint Grazia, sie würde so eine Sitte ihrer Welt unter dem Kleid tragen und wäre außerdem dankbar, wenn man bitte das Thema wechseln könnte, hint hint nudge.

Gut, König Mayonnaise will mal nicht so sein und so darf sich Gloria hinsetzen und die aufgeregten Fragen der argadischen Edlen beantworten.

Wo kommst du her? – Weiß ich nicht.
Wie bist Du dahin gekommen? – Weiß ich nicht.
Und wie kommst Du wieder zurück? – Weiß ich nicht.

Also, wenn das eine spannende Abwechslung ist, dann will ich nicht wissen, wie das Leben agadischer Adliger sonst so aussieht.

Doch, behold! Da kommt schon Mallayur, den Gloria an der Familienähnlichkeit mit König Mayonnaise sofort erkennt. Letzterer erkundigt sich gleich höflich nach Anschar. Ja, meint Malle, dem ginge es gut, er sei nur schlecht erzogen. Kein Wunder bei der nachsichtigen Hand des Bruders, ne? Die Brüder, die sich von Herzen zugetan scheinen (Ahahahahahahaha! Ha!) verteilen noch ein paar Spitzen, dann setzt sich Malle neben Grazia und versucht sich in Konversation.

Sag, ist es bei den Wüstenmenschen wirklich so schrecklich? Sie knien sich beim Essen hin, heißt es. Wie Hunde, die aus Näpfen fressen.“


Ich sehe schon, der Charme liegt in der Familie. [/trocken]

Es wird gegessen und tanderadeit, dann wird es unserer grazilen Heldin zuviel und sie möchte sich gerne zurückziehen.

„Aber Du hast ja gar nichts getrunken! Schmeckt dir der Wein nicht?“
Grazia zuckte zusammen, als sie den bis zum Rand gefüllten Kelch sah.


In der Tat hatte sie den Wein getrunken und den leeren Kelch (*elchverkneif*) dann gedankenverloren mit ihrer besonderen Fähigkeit wieder gefüllt. Whoops! Ist zum Glück keinem aufgefallen.

Fast keinem.

Malle, der ausgewiesene Bösewicht der Geschicht, der hat's gemerkt!

Wajakla.

Mit scheelem Blick und schmalen Augen sieht er sie an und lässt schweren Wein nachschenken. Gloria, viktorianisch gut erzogen, nippt zumindest am gehaltvollen Süß und erkundigt sich gleich nochmal nach Anschar, wo wir grade alle so nett beisammensitzen. Oh, und ob man ihn besuchen könne.

Ja, hm, meint Malle, theoretisch schon, aber besser wäre es, wenn er sich jetzt gleich mal ganz an sein neues Leben gewöhne.

„Du bist aus seinem Leben verschwunden. Sein Platz ist jetzt in meinem Palast, und er würde es sicherlich vorziehen, wenn du ihn nicht mehr an vergangene Abenteuer erinnerst.“

Das glaube ich nicht, dachte sie. Niemals!


Jawohl! Gib's ihm! Einfach hier die einzig wahre Liebe des Buches schlechtreden, so geht's ja wohl nicht!

Grazia hat dann nun wirklich genug und möchte erneut gerne gehen. Fidya wird abkommandiert, die Fremde wieder zurück in ihr Zimmer zu bringen. Sie sind am Ausgang des Festsaales angelangt, da wankt eine Frau mit wirren Haaren und blaubeschmiertem Gesicht in den Raum und stört die Feierlichkeiten. Es ist die Frau eines Expeditionsteilnemers, und mitfühlend, wie König Mayonnaise ist, schickt er sie gleich Richtung Grazia. „Da, die kann Dir sagen, was ist.“

Grazia ist erst einmal perplex, kann sie doch auch nicht mehr sagen als das, was sie von Anschar gehört hat: dass alle tot sind, so ein Mist.

Dem folgt ein lautes Jammern und Sildyu, die erste Frau des Königs, zieht Grazia schnell hinaus in den Gang. Sie würde ihr gleich nochmal Fidya schicken, die brächte sie auf ihr Zimmer und morgen könne sich der geehrte Gast dann mit den Priestern unterhalten. Die hätten vielleicht eine Idee, wie es wieder Richtung Heimat gehen könnte.


Sprung zu Anschar. Der bekommt vom kleinen König Malle Unwirsch nun das offizielle Zeichen des Sklaventums, einen silbernen Ohrring, verpasst. Anschar ist mal wieder unamüsiert, aber was will man machen? Überrascht ist er dann allerdings über die auffällig beiläufigen Erkundigungen, die Malle über Grazia einzuholen versucht.

Malle vermutet, dass die rothaarige Fremde eine Nihaye, eine Halbgöttin ist. Weil von wegen der ihre spezielle Fähigkeit, sie wissen schon, ne?

Anschar, der von Feuerköpfchens aquatischer Begabung bislang noch nichts mitbekommen hat, steht da wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg und weiß partout nicht, worauf Malle hinauswill.

Malle wiederum wird stinkig, weil er denkt, Anschar stelle sich absichtlich dumm, denn schließlich war er ja moooonatelang mit der vermuteten Nihaye unterwegs, da fällt sowas doch auf, ne?

Ich wittere einen größeren Konflikt, oha, oha.

Tatsächlich. Malle will Anschar dann liebevoll helfen, sich zu erinnern. Oha! Eiserne Jungfrau, ick hör dir trapsen.

Tatsächlich, im Keller wird Anschar auf ein Brett geschnallt, erneut befragt und bei jeder unbefriedigenden Antwort in das Spülwasser, pardon, Kühlwasser für Weinkrüge getaucht.

Arsch!

Die Befragung zieht sich hin, doch Anschar kann nichts Neues oder Erhellendes beitragen.

„Ich weiß nichts darüber.“

„Anschar!“, brüllte Mallayur über das Wasser hinweg. „Du kannst mir nicht weismachen, du seist Monate mir ihr zusammen gewesen und hättest nichts bemerkt?“


Also, irgendwie ... hat er da schon so ein bisschen Recht.

Anschar, der kleine Rebell, der aber nun tatsächlich halt nun mal nix weiß, macht das beste aus der Situation und spuckt Malle einfach das schmutzige Wasser, das er bei der letzten Tauchung schlucken musste, ins Gesicht.

Wollen wir raten, was ein machtfixierter Molch davon hält? Jau. *tunk*

Anschar weiß sich irgendwann nur noch dadurch zu helfen, dass er das Gedicht vom Herrn Ribbeck aufsagt, das hat ihm Grazia nämlich beigebracht. Malle ist von den fremden Lauten irritiert und beschließt, Anschar ein bisschen Zeit zum Nachdenken zu geben.

*türknall*

Anschar, nun mit Zeit zum Nachdenken, kommen mittlerweile ein paar Sachen dann doch komisch vor. Dass Gloria öfter mal nass war, und dass er sie eigentlich nie hatte trinken sehen. Jetzt, wo Malle es sagte ...

Anschar, dem fremden Feuerköpfchen doch recht zugetan, ist ziemlich enttäuscht darüber, dass sie ihm nichts gesagt hat.

Malle kommt zurück.

„Nun, hast du dich besonnen?“
„Ja, Herr.“
„Gut, ich höre.“
„Ich habe nichts zu sagen.“

Schwer seufzte Mallayur auf und gab den Wächtern einen Wink. Das Brett senkte sich ins Wasser.


Shit!

Kommentare:

Alienor hat gesagt…

Also bei diesem Buch warte ich tatsächlich von-Montag-zu-Mittwoch-zu-Freitag, weil ich wissen will, wie's weitergeht!
Bei Eragon passierte eh nichts (oh, er ist ohnmächtig, ist denn schon wieder ein Kapitel rum?) und bei Marthe passierte zwar mal was, aber das wusste man immer schon vorher (Ritt nach Meißen, Errettung des Kranken XY, Verwarnung. :rolleyes:).

Es macht tatsächlich auch mal Spaß, zur Abwechslung ein gutes Buch - äh - lesen zu lassen. ;-))

Die Jo hat gesagt…

Im Moment finde ich die Charaktere dennoch recht platt.

Anonym hat gesagt…

In einem Buch, wo es doch um Wasserknappheit geht, ausgerechnet eine Wasserfolger anzuwenden, finde ich irgendwie.... dekadent.

Anonym hat gesagt…

Naja, das Wasser wird ja nicht nach jedem Tunken gewechselt *g*

mohrchen hat gesagt…

Hey, der is Kleinkönich, der darf dekadent sein! *grin*

schildmehdchen hat gesagt…

[unqualifizierter Zwischenruf] Herr Ribbeck! Das ist toll. Hach. [/unqualifizierter Zwischenruf]