Montag, 11. Januar 2010

Das gläserne Tor – XXVI

Laszive Jazz-Musik. Eine verrauchte Kneipe. Alkoholgeschwängerte Luft. Zwei Männer mit tief in die Stirn gezogenen Hüten, pardon, Kapuzen.

Es sind Anschar Hammer, Privatdetektiv, und sein getreuer Sidekick Parrad. Sie wollten undercover ein paar Besorgungen für das Geheime Dorf® in einer nahegelegenen Ansiedlung machen, wurden dann aber wohl von unbändigem Durst übermannt und landeten erst mal in der Kneipe des Ortes. Dort sitzen sie, dort trinken sie, dort befürchten sie permanent, dass sie jemand am Knopf Loch im Ohr als entflohene Sklaven identifiziert.

Parrad, seiner Rolle als dämlicher Sidekick gerecht werdend, lässt sich auch fast von der käuflichen örtlichen Kneipendame becircen, was desaströs geendet hätte, wäre Anschar nicht eingeschritten.

Er schlug eine Hand auf Parrads Knie und bohrte die Finger so fest hinein, dass Parrad zusammenzuckte.
„Er will auch nicht“, erklärte Anschar ruhig. „Wir haben einander.“


Slash! Dieses Buch hat wirklich alles!

Die Dame von käuflicher Zuneigung ist wie beabsichtigt sofort angemessen abgeschreckt und wendet sich willigeren Kunden zu. Parrad selbst ist zuerst sauer (nachdem genug Blut zurück in seinen Kopf geflossen ist, auf dass er wieder denken und andere Emotionen empfinden konnte), muss dann aber Anschi zustimmen, der meint, dass Parrad seine Wüstenwastl-Sklaven-Identität während des Kopulierens nun wirklich nicht hätte verbergen können. Den hellen Lehmstaub, zur Tarnung seiner dunkleren Hautfarbe, hat er sich schließlich nur ins Gesicht und auf die Hände geschmiert, hüstel, hüstel, Augenbrauengewackel.

Gut. Sie sitzen noch ein wenig in der Kneipe herum und da, auf einmal, kommt ihnen ein Gerücht zu Ohren über eine helle Lichtsäule, die eines Nachts vor gar nicht allzu langer Zeit in Heria erschienen sein soll.

Anschar stellt aufgenblicklich die Öhrchen auf (*plopp* *plopp*) und weiß: das war Gigi! Sofort fühlt er den dringenden Drang, diese Örtlichkeit zu verlassen und gen Heria zu ziehen.

Draußen gibt es noch ein bisschen Verwirrung, weil der dritte im Bunde, Wüstenwastl Oream (Oreo? Lecker!) an ein paar Dorfschläger geraten ist, die ihn für einen Sklaven halten. Anschar entschärft die Situation, allerdings wird das von Parrad (ein doofer Sidekick muss tun, was ein doofer Sidekick nun mal tun muss, da beißt die Maus keinen Faden ab) durch übertriebene und dadurch verdächtige Hektik beim Aufbruch wieder wettgemacht, es gibt Geschrei und den dreien gelingt, naturalmente nur durch Anschis Eingreifen, grade mal so die Flucht.

Grade im Wald und damit in Sicherheit angekommen, bekommt Anschi dann einen kleinen Nervenzusammenbruch. Er könne so nicht mehr leben, das sei doch alles Scheiße und er würde ja nicht anerkannt und den Wald könne er auch nicht ausstehen und überhaupt könnten sie ihn alle mal.

„Bevor Du kamst, haben wir wie Tiere in unseren löchrigen Zelten gehaust. Jetzt haben wir gute Werkzeuge, Waffen, anständige Kleidung, wir haben ...“

So genau kommt das nicht raus, aber ich glaube, es war Anschi, der die Idee hatte, immer mal reiche Reisende um ein wenig Wegegeld zu ... erleichtern und sich damit in den umliegenden Ortschaften Dinge zu kaufen. Anschi Hood, also doch!

Nun hat es sich aber ausgerobinhooded! So nicht! Nase voll! Gruppe, der Anschi geht jetzt wirklich!

... und weil sie nichts Besseres zu tun haben, gehen Oreokeks und Parrad gleich mit. Wahrscheinlich haben sie Angst im dunklen Wald ohne Anschi. Was weiß denn ich. *fuchtel*

So reiten sie Richtung Heria, wo die leuchtende Lichtsäule aufgetaucht ist, und stolpern schon bald über ein Lager.

„Es werden Reisende nach Praned oder Scherach sein. Händler wahrscheinlich. Es ist wohl besser, wir machen einen großen Bogen um sie.“


Doch beim Bogen machen fällt Oreokeks auf, dass dieser eine Hüne da, der das eine Zelt da bewacht, dass der genauso eine Tätowierung hat wie Anschar. Der, nicht nur ein Mann des Schwertes sondern auch einer des Geistes, schlussfolgert messerscharf:

– einer der Zehn (von denen es mit ihm grade auch nur noch drei gibt, aber wer wird denn kleinlich sein, ne?) bewacht das Zelt.
– der Meya kann nicht im Zelt sein, sonst wäre das Lager dreimal so groß
– wer dann?
– Gigi!
– OMG, ich muss ins Zelt!

Mit geringstmöglichen Aufwand (er muss nur Kollege Buyudrar ausschalten) schlägt (Ha! Wortspiel!) er sich zum Zelteingang durch, betritt es und – Engelschöre! Harfenklänge! Kleine, dicke Cherubin mit Pfeil und Bogen! Barry Manilow!

Er sah sie sofort. Sie lag auf einer mit Fellen üppig belegten Pritsche, die Arme um eine Wolldecke gelegt. Ihr lockiges Haar, zu einem dicken Zopf zusammengefasst, fiel auf ihre Brust.


Schon möchte unser Liebender auf die Erfüllung aller seiner Sehnsüchte zustürzen, da wird er aufgehalten. Von dem Fontantebuch, das neben ihrem Kopfkissen liegt. Genau das Buch hatte sie ihm geschenkt, bevor er zu Malle nach Heria ging, und der böse Ömmel hatte es vor seinen Augen verbrannt. Und doch liegt es jetzt hier neben ihr. Das verwirrt Anschar, der nichts von der Buchdruckkunst und Buchhandlungen weiß, und er verschwindet wieder.

So lautlos wie er eingedrungen war, verließ er das Zelt.

*brummelbrummel* wennerwenigstensmaleingedrungenwäreichsagsjanur *brummel*

Ich weiß nun auch nicht, warum ihn das so aus der Bahn wirft, es hält ihn allerdings nicht ganz von Gigi fern. Nur lässt er sie stattdessen von Oreokeks und Parrad entführen, was diese trotz der den Wüstenwasteln allgemein inhärenten Inkompetenz dann doch ganz ordentlich hinbekommen.

Gigi wird also wie ein Rollbraten verschnürt, auf ein Pferd gehievt und dann durch die Nacht entführt.

Irgendwo hinter sich vermeinte sie Schwertergeklirr zu hören. Und eine Stimme, die sich über die der Wächter erhob. Eine Stimme, die etwas in ihr anrührte, eine tiefe Sehnsucht. Eine Stimme, die zu hören nicht wahr sein könnte. Sie täuschte sich. Sie musste sich täuschen!


Nope, liebe Gigi, Du täuschst Dich nicht. Allerdings ist Dein guter Anschar grade dabei, das leidenschaftliche Wiedersehen gehörig in den Sand zu setzen, so deuchet mir zumindest.

Kommentare:

Silph hat gesagt…

Ich lese immer Heia statt Heria O.o

Und er läßt sich von einem Buch total verwirren, schon klar. Ist ja sicher auch total heilig - er kanns ja eh nicht lesen.
Aber vielleicht wars ja auch die Manilow-Musik ;)

FrauKatz hat gesagt…

Ich bin momentan auch ein bisschen verwirrt, warum ihn das jetzt genau dermaßen aus der Bahn wirft. :suspekt:

Vielleicht vermutet er ja, dass Malle irgendwie die Finger im Spiel haben könnte und ist lieber vorsichtig.

Sarahleandra hat gesagt…

Also, meiner Meinung nach hat der Kerl nicht alle Tassen im Schrank!
Ehrlich, wie doof muß man denn sein? Und so einen Deppen (okay, Depp mit Muskeln und ... Naja, allem, was dazu gehört) will die Gigi unbedingt haben? *grübel*
Naja, egal, bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht.

Alcarinque hat gesagt…

Zweimal das selbe Buch?
Magie!!111 (Nicht das sie wasserwerfen könnte oder so)

Scheint irgendwie wieder etwas abstrus zu werden...

amanda james hat gesagt…

@silph: omg! ich les das auch die ganze zeit

und ich glaube, der ist so verwirrt, weil sich das halt besser macht(im buch) und er kann doch nicht ohne ihr einverständnis in sie eindringen:hust: so sehr seine lenden (ha) das auch wollen