Freitag, 11. Juni 2010

Der Nova-Mann – II

Da hockt nun also der mittellose Rest der Passagiere jammernd und zähneklappernd in der Rettungskapsel und müsste sich hilflos in sein Schicksal ergeben (so kurz vor knapp von den golden beoverallten Zöllnern zum Zwecke der monetären Maximalauspressung gerettet zu werden), wenn, ja, wenn sich nicht zufällig Ryder Hook unter ihnen befinden würde. Wir erinnern uns: „Sie machten ihn zum Supermann und hetzten ihn gnadenlos durch die Galaxis“

Und Ryder Hook hat die Faxen dicke und keine Lust mehr zu warten!

Aber, so weibelt Pera Blauauge herum, was wolle er denn tun und sie würden doch warten müssen?

„Ich bin der Meinung, daß die anderen Rettungskapseln sich näher gelegene bewohnbare Welten ausgesucht haben. Wir sind hier ganz auf uns allein angewiesen.“

Er setzte nicht hinzu, daß ihm die Situation, ganz allein auf sich angewiesen zu sein, durchaus vertraut war.


Awwwww! Der einsame Wolf! Wie klassisch!

Durch die Masse der nutzlos herumwimmernden restlichen Passagiere bahnt sich unser Fels in der Brandung also seinen Weg zum Cockpit, in seinem Kielwasser, natürlich, seinen höchsteigenen, blaubeäugten, silberglitzernden Fanclub.

Pro forma muss es natürlich einen dicken, schwitzenden, rothaarigen Terraner geben, der sich der natürlichen Autorität Hooks aus schierer Dummheit nicht unterwirft, sondern, ich schnappe ungläubig nach Luft, ihn sogar davon abhalten will, alle und deren Großmütter zu retten!

Ich bin schockiert!

„He, Sie da!“ brüllte er. „Wer hat Ihnen gesagt, Sie sollten diese Kapsel landen?“

Hook sah nicht auf. Er konzentrierte sich völlig darauf, ein Programm zum Checken der Flugtauglichkeit einzugeben.


Genau! So ein deppertes Verhalten muss nicht auch noch mit Aufmerksamkeit geadelt werden! Recht hat er, der Hook!
Nun sind aber die Deppen leider nicht empfänglich für ihre Deppertheit, sonst wären sie ja keine, und so tatscht der Boris-Becker-Nachfahre unseren Helden einfach so an!

Eine schwere Hand fiel auf seine Schulter und krallte sich durch das dunkelblaue Material seiner Jacke in sein Fleisch.
„Hör zu, Gonil! Du wirst mein Leben nicht bei einem Brennschuß riskieren! Laß die Finger von den Kontrollen!“


Poah! Ohoh! Das wird sich Ryder Hook nicht einfach so gefallen lassen. Ich sehe sein Testosteron schon schäumen.

Schon oft im Leben hatte Ryder Hook auf seiner Schulter die Hand der Autorität gefühlt. Wenn es nichts gab, was er dagegen tun konnte, hatte er sich still verhalten. Aber später hatte so mancher zu seinem Nachteil erfahren, dass Ryder Hook ein sehr gutes Gedächtnis hatte.


Ja, nu, aber der Typ namens Dittrich (Olli? ) hier ist ja nun alles andere als eine Autorität, und so fackelt Ryder Hook nicht lange.

Er hob die linke Hand, faßte Dittrichs Arm, riß den Mann zu sich herunter, drehte seinen Kopf zur Seite und drückte seinen Zeigefinger leicht hinter das Ohr des rothaarigen Terraners. Sofort verlor Dittrich das Bewußtsein.


Pera und ein borstenhaariger Riffiner namens Giffler dürfen ihren Mitpassagier dann entsorgen. Was Ryder Hook bei diesem Stunt nicht bedacht hatte (ich meine, wer hätte das auch voraussehen können, ne?), ist, dass seine Geschichte vom reisenden IT-Mann nun doch schon ziemlich große Löcher bekommen hat. Giffler (ich muss bei dem Namen immer an Kimmy Gibbler denken. Aus Full House.) nennt ihn gar einen wilden Mann.

Der wilde Mann. Zum Teufel. Wieviel von dem, was sich hinter seiner undurchdringlichen Maske verbarg, hatte der Riffianer erraten?


Äh. Äh. Hook, Schatz, wir müssen dringend mal über die Definition von „undurchdringlich“ reden. Wenn Du den harmlosen Verwaltungsfachangestellten für Bits und Bytes gibst, dann ist es nicht unbedingt undurchdringlich, wenn Du einfach mal so einen Typen mit einem Schnickser Deines Zeigefingerchens ins Land der Träume schickst, ne?

Da muss Giffler („wie unhöflich!“) der Riffianer, gar nichts „erraten“. Ne? Aber das diskutieren wir, wenn Du die Kapsel runtergebracht hast. Mach mal weiter.

Pera Sotherton schüttelte über sich selbst den Kopf. Sie verstand nicht, warum sie in einer Situation, bei der ihr vor Angst die Haare zu Berge stehen müßten, so ruhig blieb. Gedankenverloren richtete sie die blauen Augen auf Ryder Hook. Wie kam es nur, daß dieser Mann ihr solche Zuversicht einflößte?

Weil Deine Ovarien gerade Tango tanzen würde ich ganz trocken mal sagen.

Während der nächsten Absätze wird vermittelt, wie billich und schlecht die Kapsel gebaut ist, und dass es selbst mit einem hervorragend konstruierten Schiff saaaauuuuschwer wäre, auf einem Planeten zu landen und überhaupt. Drama. Hook lenkt dat Schiffchen also herunter, es fängt an zu rütteln und schmelzen und noch mehr Drama. Ein normaler Pilot hätte sich aufgrund der G-Kräfte schon gar nicht mehr bewegen können, aber gut, dass wir Hook haben, der könnte bei 10 G noch ein flottes Tänzchen aufs Parkett legen.

Die Rettungskapsel schoss laut kreischend durch die Luft. Die Hülle erhitzte sich immer mehr, die Isolierungsschicht rauchte und qualmte und loderte in Flammen auf.
[...]
Seine Hände flogen über die Kontrollen.
[...]
Die Hitze stieg an. Der Schweiß lief ihm in Strömen über die Brust.


Und so weiter, und so fort. Ihr versteht schon.

Kein Mann, dessen Knochen und Muskeln nicht der tiefgreifenden Konditionierung unterzogen worden waren, die Hook als junger Freiwilliger bei jenem Projekt des Interstellaren Raketen-Konsortiums über sich hatte ergehen lassen müssen, hätte tun können, was Ryder Hook jetzt vollbrachte.


Ernsthaft? Interstellares Raketen-Konsortium? Das ist, als hieße der James-Bond-Bösewicht, ja, weiß nicht, Detlef oder Hans-Peter.

Aber gut. Das Buch wurde Mitte der 70er geschrieben, da kommen bestimmt noch weitere amüsante Anachronismen. Wie beispielsweise:

Sie würden einfach abstürzen und in den Boden einschlagen wie ein flammender Meteor. Sie würden ein Loch aufreißen, in das man einen ganzen Häuserblock versenken konnte, und nicht einmal die Fernsehantennen auf den Dächern würden darüber hinausragen.


Äh-hä. Wir schreiben das 101te Jahrhundert(!), aber die Häuser haben natürlich noch Fernsehantennen. Jupp.

Machen wir es nicht allzu spannend, natürlich schafft es Hook-man, die Kapsel runterzubringen. Sie zerbricht zwar, aber allen Passagieren geht es gut.

Hook löste die Sicherheitsgurte und stieg mühsam von dem Pilotensitz.
Zum Teufel mit allen Mogulen des Raums! Er hatte sie Landung fertiggebracht.

Sie waren unten.


Whoopdeedoo! Jetzt noch schnell die heimische Pferdeart zähmen und eine eigene Armee zusammenstellen und die Zollstation von Lerdun angreifen! Yoh!

Kommentare:

Sakura hat gesagt…

>>Sie waren unten.<<

Watt denn? Runter kommen se immer alle. :ugly:

Aber er ist schon ein toller Held. *ugly*

Freylabella hat gesagt…

Bin ich überrascht darüber, dass er diese unglaublich schwierige Aufgabe bewältigt hat? Nee.

Undomiel hat gesagt…

Haach, was für ein Mann!
Meine Ovarien werden auch bald Tango tanzen, wenn das so weitergeht
*pfffgnihihihi*

DieJo hat gesagt…

"Die Hitze stieg an. Der Schweiß lief ihm in Strömen über die Brust."

*in Ohnmacht fall*

Rychie hat gesagt…

Gibts in diesem Buch wenigstens Kekse? Also für diese filmreife Bruchlandung hätte der Hook doch einen verdient :zahn:

Suzume hat gesagt…

Oh man, das ist ja schon mal ein... interessanter Anfang!
Ich muss zugeben, dass ich bei Aspirine am Ende nicht mehr regelmäßig dabei war, aber das hier liebe ich jetzt schon :ugly:

Neyasha hat gesagt…

*lange stille Mitleserin meldet sich zu Wort*
Um Himmels Willen ... Marthe und Ayla waren ja schon schlimm, aber das hier. *glubsch*
Ich weiß ja nicht, ob es nur mir so geht, aber ich finde das so schlecht, dass ich es nicht mal mehr lustig finde (also Ryder Hook, nicht die Verkatzung). Kopf -> Wand

mohrchen hat gesagt…

--->„Ich bin der Meinung, daß die anderen Rettungskapseln sich näher gelegene bewohnbare Welten ausgesucht haben. Wir sind hier ganz auf uns allein angewiesen.“

Er setzte nicht hinzu, daß ihm die Situation, ganz allein auf sich angewiesen zu sein, durchaus vertraut war.<---
Oh, super! Beunruhigen wir die Mitpassagiere doch noch ein wenig. Eine Prise Panik ist genau das, was die Passagiere hier noch ausstrahlen könnten, damit sich Ryder Hook auch richtig konzentrieren kann, was? *doh*

--->Er hob die linke Hand, faßte Dittrichs Arm, riß den Mann zu sich herunter, drehte seinen Kopf zur Seite und drückte seinen Zeigefinger leicht hinter das Ohr des rothaarigen Terraners. Sofort verlor Dittrich das Bewußtsein.<---
Und das sieht für die anderen Passagiere wie aus? Ich mach mal als RPG die obligatorische Stimme aus den hinteren Reihen:
"OH MEIN GOTT, ER HAT IHN UMGEBRACHT! Er hat ihm das Genick gebrochen! DIESER WAHSINNIGE! WIR WERDEN ALLE STERBEN!einself"
Nein, noch besser: "OH MEIN GOTT, SIE HABEN KENNY GETÖTET!" *grin*

Ist übrigens mal eine coole Einstiegsidee für eine Star Wars Runde: "Sie sind schiffsbrüchig und möchten landen? Gerne. Zehntausend Credits pro Nase. Haben Sie nicht? Nun, Sie können selbstverständlich einen Schuldschein unterschreiben." Kähähä!

--->Pera Sotherton schüttelte über sich selbst den Kopf. Sie verstand nicht, warum sie in einer Situation, bei der ihr vor Angst die Haare zu Berge stehen müßten, so ruhig blieb. Gedankenverloren richtete sie die blauen Augen auf Ryder Hook. Wie kam es nur, daß dieser Mann ihr solche Zuversicht einflößte?<---
Weil man in (speziell lebensbedrohlichen) Krisensituationen IMMER auf den hört, der die Initiative ergreift. Normalerweise strahlt das Zuversicht aus.
Ich lese übrigens auch ständig "Petra"

--->Während der nächsten Absätze wird vermittelt, wie billich und schlecht die Kapsel gebaut ist, und dass es selbst mit einem hervorragend konstruierten Schiff saaaauuuuschwer wäre, auf einem Planeten zu landen und überhaupt.<---
*bwahaha* Geil! Als nächsten kommt so ne Kapsel mit Bankern und Anwälten an.
Raumkontrolle: "Schönen Guten Tag. Schiffbrüchig? Gut, das kostet dann soundsoviel Credits!"
Banker: "Ist gut." *überweis*
Raumkontrolle: "Danke sehr! Sie dürfen die Kapsel dann landen, folgen sie dem Leitstrahl, Freigabe für Plattform 27. Einen schönen Tag noch!"
Banker: "Äh WAS? Wasdennwiedennwohindenn?"
Schiffscomputer: "Sicherheitsmeldung: Das Schiff tritt gleich in die Antmosphäre ein. Bitte übernehmen Sie das Steuerhorn, um die Eintrittssequenz manuell zu steuern! Sie sollten einen Eintrittswinkel von 25 Grad bis zum Eintritt in die untere Stratosphäre halten."
Passagiere: "WAAAAAH!"

Oh Mann, das Buch fällt hier schon vor Logiklücken gnadenlos auseinander!

--->Kein Mann, dessen Knochen und Muskeln nicht der tiefgreifenden Konditionierung unterzogen worden waren, die Hook als junger Freiwilliger bei jenem Projekt des Interstellaren Raketen-Konsortiums über sich hatte ergehen lassen müssen, hätte tun können, was Ryder Hook jetzt vollbrachte.<---
Jau, mein oben skizziertes Szenario ist also ausgesprochen wahrscheinlich. Tolle Rettungskapsel, meint Ihr nicht? Man hat also die Wahl zwischen: Ich sterbe einen schnellen, kalten Tod durch Ersticken im Weltall oder ich lasse mit in meiner Rettungskapel durch die Eintrittssequenz in die nächste Atmosphäre grillen. Das sind doch mal feine Rettungsboote!
Ich geh dann mal leise weinen.

Beim Fußball hieße es im Forum: Was für ein Grottenkick!

Milui hat gesagt…

Boah, ist das schlääächt. :ugly:

Silas hat gesagt…

Ich finds ja amüsant. Nett, dass mal ein Kerl durch die Mangel... ahm, Verkatzung gezogen wird.
Obwohl ich zugeben muss, dass ich es wohl selber nicht lesen würde. (oder nicht mehr:-)
Grüsschen

Ranwen hat gesagt…

Kch. Rettungskapsel in Billigqualität? Warum erinnert mich DAS nur an Ijon Tichy... "Rakete fliegt gut, Mann, brauch ich nix teuer Inspektion! :sauer:"

(Das ist allerdings gewollt trashig... wayne's interessiert, der suche Ijon Tichy, Raumpilot, bei YT.)

Und Herr Hook ist ein elender Naaaaachmacher. Den FSNP konnten die Vulkanier schon in den 60ern.

... ITler. Honestly. :doh:

balu hat gesagt…

Ich bin ein bisserl spät dran, ich weiss, wollte nur erstmal das Orginal-Kapitel lesen, bevor ich hier reinschaue....

Also wenn man das Buch liest, erwartet man am Ende des zweiten Kapitels einen James-Bond-Vorspann, bei dem irgendwelche mehr- oder minderbepelzte weibliche ausserirdische Silhouetten mit futuristischen Waffen vor dem geistigen Auge entlangschweben.

Ich mein es gab einen Zwischenfall, eine Flucht, eine Bruchlandung ... die perfekte Eröffnungssequenz !

Und für die passende Musik gibt es ja schon einen passenden James-Bond.-Song von Carly Simon, sie ersten vier Worte sagen eigentlich alles über Mr. Hook aus - siehe :
http://www.youtube.com/watch?v=MZBCcY0nJao