Montag, 27. April 2009

Die 2. Hebamme XXVI – Der Silberschatz

Als Marthe Christian, Konrad und Lukas zurückkommen sah, erkannte sie schon an den Gesichtern der Männer, dass neues Unheil bevorstand. Christian berichtete ihr in wenigen Worten, was der Markgraf entschieden hatte. Sie verkrampfte die Hände ineinander und wurde blass. Man musste nicht das zweite Gesicht haben, um ein schreckliches Blutvergießen zu befürchten.

Was ganz praktisch ist, da Marthe momentan ja ohnehin durch Sebbi viel zu gestresst ist, um zu gesichtern. Chris versucht noch, sein gar zartes, zerbrechliches Weibi zu beruhigen. Es könnte ja auch alles gut gehen, ne, und selbst wenn nicht, würde man es den Angreifern nicht leicht machen.

Ich muss sagen, an Marthes Stelle würde ich mich da ungeheuer getröstet fühlen.

Man bereitet alles vor. Chris wird, auf Anraten Marthes hin, Radomir nicht reiten, weil ein schwarzes Pferd zu auffällig wäre. Da wäre er bestimmt nie selbst drauf gekommen. Chris vertraut Kuno und Bärtram den Schutz von Haus, Hof und Johanna an.

... ahnen wir, wer demnächst in Gefahr gerät? So ganz vage? Irgendwie, ne? Aber tun wir einfach überrascht, wenn es dann passiert, okay?

Marthe wird erneut nach Meißen unter Hedwigs schützende Fittiche geschickt.

Marthe tat sich schwer damit, schon wieder nach Meißen zu ziehen. [...] Aber diesmal durfte sie wirklich nicht alleine hierbleiben. Am liebsten würde sie auch Johanna mit auf den Burgberg nehmen. Sie hatte kein gutes Gefühl dabei, das Mädchen im Dorf zu lassen, wenn hier Randolf und Sebastian regierten und weder Christian noch seine Ritter zur Stelle waren.

Warum nimmt sie Johanna nicht einfach mit? Weil die fest entschlossen ist zu bleiben. Na, wird schon sehen, was sie davon ha... ähm, ich meine, Lalalalalalala, wir ahnen nix, wir ahnen nix, lalalalalalala!

Man verabschiedet sich noch von Jonas und Emma, am Abend wird gebetet und am nächsten Tag (Sehks wird nicht erwähnt, aber ich denke, wir dürfen annehmen, dass er stattgefunden hat) geht es dann auf nach Meißen.

Dort sind die Vorbereitungen schon in vollem Gange. Einen Transport soll Arnulf, den anderen Chris' Freund Raimund anführen. Chris' eigener Transport, der tatsächlich Silber enthält, soll als Salztransport vom Markt aus losfahren.

... den Schlonz nicht unbedingt gleichzeitig abzuziehen wäre schon hilfreich gewesen, aber da wir ohnehin davon ausgehen können, dass die Zeit des Verrats hereingebrochen ist (das Drittel-Kapitel heißt schließlich so, ne?), macht das nun auch keinen Unterschied mehr.

Man bricht auf. Marthe ist bekümmert, Hedwig sicherlich auch. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Wolken herumdräuen und ein kalter Wind weht, der das Gebell eines einsamen Hundes mit sich trägt, während die in den kahlen Bäumen herumhüpfenden Krähen nur ein gelegentliches Krächzen von sich geben, was alle Schwangeren in Meißen dazu veranlasst, ihre Hände schützend auf ihren Bauch zu legen. Wahrscheinlich riecht die Luft sauer nach Verrat und die Tiere sind ungewöhnlich nervös.

Jaja. So ist das.

Sie reiten also. Und reiten.

Nach einer Weile erreichten sie ein Waldstück, in dem Christian die merkwürdige Ruhe auffiel. Kein einziger Vogel sang. [...] „Sie sind hier."


Jawoll, das sind sie. Weswegen wir ganzganz schnell zurück zu Marthe auf dem Burgberg überblenden. *zing*
Die hat ihrem Liebsten bang nachgestarrt und fühlt sich gar nicht wohl, weswegen sie alleine herumwandert.

Das hatten wir schon lange nimmer.

Wen trifft sie da natüüüüüüüü*lufthol*üüüüüüüürlich? Ulrich, des Markottos Schwiegersohn, der schon beim letzten Fest so ungeheuer begeistert von ihr war.

„Ihr wirkt sehr besorgt. Das müsst ihr nicht. Euer Gemahl ist von großer Tapferkeit", meinte Ottos Schwiegersohn.
„Was nützt Tapferkeit gegen Verrat?", antwortete sie bitter.
„Ihr solltet Euch nicht mit Kummer beladen. Gott hält seine schützende Hand über die Tapferen."
Warum war sie nicht dankbar für diesen Trost? Es musste an dem begehrlichen Blick liegen, mit dem er sie anstarrte.

Na endlich wird sie mal wieder fremdbegehrt! Ich fürchtete schon, sie hätte ihren Zauber völlig verloren. Phhhuuu! *schweißvonderstirnwisch* Wir sind wieder in bekannten Gewässern, Matrosen, ihr könnt euch von den Masten losbinden.

Ulrich will Marthe zu einer Festivität einladen, doch Marthe hält das für unschicklich. Ulrich dringt weiter in sie (... äh. Ihrwisstschon! :fuchtel:), das wäre doch völlig in Ordnung, niemand würde schlecht über sie denken und dann küsst er ihre Hand.
Nein, meint Marthe, es gäbe bestimmt viel edlere und schönere Damen, die heute Abend an Ulrichs Tafel sitzen könnten.

Uhh, das wird jetzt gut.
*räusper* *inpositurstell*

„Mag sein", entgegnete er. „Doch Ihr habt einen besonderen Reiz, vielleicht grade deshalb, weil Ihr Euch dessen gar nicht bewusst seid. Ihr seid zu jung und zu schön, um Euch in der Kammer zu vergraben, solange Euer Gemahl nicht bei Euch weilt. Sonst werdet Ihr sehr lange sehr einsam sein."
Seine letzten Worte waren wie eine verborgene Drohung, auch wenn er sie dabei anlächelte. Er griff erneut nach ihrer Hand und küsste inbrünstig ihre Handfläche. Dabei konnte sie spüren, wie er seine Zungenspitze auf ihrer Haut kreisen ließ.

Wie ... *fuchtel* ... metaphorisch.

Marthe, reinen Geistes und Kleides, flieht vor den Avancen des des liebestollen Böhmenprinzen und guckt lieber mal nach ihren Kindern. Ach, stimmt, die gibt's ja auch noch. Vor lauter Kabale, Sorgen, Leid und Gejammer kommen die irgendwie deutlich zu kurz deucht mir.

Die Kids spielen mit Hofdamen und Marthe versucht mittels Meditation, wieder in ihre Mitte und damit Zugang zu ihren Ahnungen zu bekommen. Klappt dann passenderweise auch. Sebbis unheilvolle Aura ist wohl zu weit weg.

Der Tag war noch nicht zur Hälfte verstrichen, als sie qualvoll aufstöhnte und wusste, dass Christian und seine Männer Opfer eines furchtbaren Verrats geworden waren.


Clara merkt das natürlich auch (so begabt wie das Kind immer vorgeführt wird erwarte ich demnächst die historische Lesereihe „Die Tochter der Hebamme – jetzt noch begabter und gefährdeter!" oder sowas. ) und Marthe muss sie mittels eines Schlafmittels sedieren. Nicht, dass noch jemand was merkt. Ist ja auch ungewöhnlich für kleine Kinder, mal laut herumzuplärren, das fällt gleich auf. :-p

Schon bald kommt Lukas blutend, verletzt und verschwitzt angeritten. Sie folgt ihm zum Markotto und kümmert sich um seine Wunden, während er Bericht erstattet.

„Verrat! Wir sind verraten worden", stieß Lukas hervor und wankte sogar im Knien.

Das dürfte nicht das sein, was Otto hören möchte.

Fassen wir zusammen: mehr als 100 Mann, die eindeutig wussten, welches der richtige Transport war. Armbrüste hatten sie (pfui!) und das Silber dann auch bald. Gero und Richard sind tot, überhaupt seien alle tot, außer Lukas konnte nur noch ein junger Reisiger entkommen und Chris wurde gefesselt und fortgeschleppt.

Wer war es, der bei Marthes Entführung vor einem halben Buch unkte, dass jetzt nur noch eine Chris-Entführung fehle? Gratulation! Sie werden zum Ehrenbasilikum ernannt.

Dann kippt Lukas aus Blutverlust um, Marthe kümmert sich um ihn, Otto schickt Männer los, um das Silber zurückzuerobern.
Lukas kann ihr noch mitteilen, dass einer der schlimmen Schergen rief, man sollte Chris leben lassen, für den zahle der Landgraf viel Geld. Man hat also zumindest eine schwache Spur, wo Chris sich aufhalten könnte. Marthe geht zu Otto und bittet um Rettung ihres Ehemannes von der Wartburg in Eisenach.

Otto ist sehr un-amused. Er könne Ludwig schließlich nicht einfach so beschuldigen, Marthe solle gefälligst warten, bis Lösegeldforderungen gestellt werden.

Doch Marthe wollte und konnte sich nicht gedulden. Ihre Gefühl sagte ihr, dass jeder Tag zählte.

Sie widerspricht also, was Otto noch deutlich un-amuseder macht. Aber er lenkt ein und meint, Lukas solle als Späher nach Eisenach reiten, sobald er das wieder könne. Und jetzt alle raus, er hätte dringendere Sorgen, nämlich das verschwundene Silber.

Vor der Halle wird Marthe von Ulrich dem Beharrlichen abgefangen. Es würde doch sicher noch dauern, bis Lukas wieder einsatzbereit sei, nichtwahr, und er, Ulrich, hätte einige Männer unter Befehl, die er sofort losschicken könnte. Falls Marthe sich ein wenig erkenntlich zeigen würde, beispielsweise heute Abend in Ulrichs Bett. Er sichere ihr auch völlige Diskretion zu.

Marthe ist entsetzt und fällt ihn Ohnmacht. Ulrich denkt zuerst, das sei vorgetäuscht, muss dann aber enttäuscht feststellen, dass sie wirklich umgekippt ist und lässt sie von einem Diener in ihre Kammer bringen.

Ein paar kräftige Schläge ins Gesicht brachten Marthe wieder zu sich.

Warum das nur Ulrich nicht eingefallen ist?

Marthe wälzt sich in Zweifeln. Einerseits ist das Angebot des Böhmen natürlich völlig indiskutabel, andererseits hat Chris ja schließlich auch ewige Verdammnis auf sich geladen, um sie endgültig vom Raubvogelgesicht (ARGH! For gods sake, irgendein anderer Name muss doch ...!) zu befreien.
Sie weiß nicht, was sie tun soll.

Einige Tage später kommt ein unbekannter Reiter (unter einem bestimmten Zeichen geboren, zweifelsohne) zu Randy und bringt dem eine vertrauliche Botschaft. Randys Laune steigt sofort und er ruft sein Radieschen, um seine uneingeschränkte Herrschaft über Christiansdorf zu feiern.

Die ist entzückt und erkundigt sich gleich danach, was Randy denn nun mit Marthe vorhätte. Ekki, zufällig anwesend, schlägt gaaaaaaaaaaaaaaaanz unverfänglich und beiläufig etwas vor, das Randolf sehr zusagt.

Was das wohl sein mag, eh? Wir haben ja gar keine Ahnung.

„Ich sollte wohl besser gleich nach Meißen reiten, bevor mir jemand zuvorkommt."

Ulrich beispielsweise?

Kommentare:

Ranwen hat gesagt…

Raubvogelgesicht hat doch einen anderen Namen: Geierwaldo. :ugly:

FrauKatz hat gesagt…

Geierwaldo wurde ja aus meiner eigenen Verzweiflung geboren. Wenigstens einen Namen hätte man dem Nasenpriester ja doch geben können. Ständig nur RVG ist ... ARGH! :zeter:

Stina hat gesagt…

Gah.

GAAAAAAAAAAAAAAAAAAH.

Gaaaaah.

Himmelherrgott.

amanda james hat gesagt…

ich gahe mal mit stina mit:

gah.

gaaaaaaaaaaaaaaaaaah.

gaaaah.

FrauKatz hat gesagt…

Aber! Das ist doch ein wunderbares Kapitel! Marthe wird wieder begehrt und bedrängt, Otto ist wieder schlecht gelaunt und Chris wird wieder entführt.

Wie sähe denn die Alternative aus?

„Ja, da sind wir wieder. Wir haben das Silber beim Kaiser abgeliefert, hier die Quittung. Lief alles problemlos." *grillenzirpen* *tumbleweed*

:ugly:

Elveny hat gesagt…

JA! Endlich läuft die Ebert wieder zu Marthehochformen auf! Action! Chrismarthedrama! Ein roter Faden! Ivöl Randy! Kreisende Zungenspitzen!

...


Wait... :ugly:

amanda james hat gesagt…

@elveny: ich hab grad "charismadrama" gelesen:ugly:

@frau katz: die alternative wäre doch nun wirklich mal ne überraschung, oder?

can't wait till the next chapter :-S

FrauKatz hat gesagt…

Zumindest wir wüssten ÜBerraschungen zu schätzen. :-)

Das nächste Kapitel lässt es dafür wieder ordentlich in altbekannter Manier krachen. Huiuiui. :uhoh:

Silph hat gesagt…

Ich glaub, mich hätte die Alternative mehr beeindruckt. Ganz großes Kino!

Centaurea hat gesagt…

Ich möchte einmal... ein Buch über Profis lesen.

Farnwedel hat gesagt…

"Kein einziger Vogel sang. [...] „Sie sind hier.""

Unter Vögeln kräht so etwas kein Hahn nach - und nach spätestens zehn Minuten singt alles wieder, wie gehabt. :p