Sonntag, 30. August 2009

Hape Kerkeling, Ich bin dann mal weg

Wie alt ist dieses Buch eigentlich? Ein paar Jahre bestimmt. Ich erinnere mich noch einigermaßen gut an die Zeit, in der es auf den Markt kam und stehenden Fußes zum Bestseller avancierte. Ich glaube, es war kurz vor Weihnachten und es wurde verschenkt, als gäbe es keine iPods mehr auf dieser Welt.

Nun stehe ich solchen Promibüchern grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber, da es sich oft entweder um von A bis Z ghostgewriteten Schund handelt, der schnell auf den Markt geschmissen wird, um auch von diesem Kuchen die Sahne abzulecken, oder aber um betuliche Machwerke selbstverliebter Egomanen, die allen Ernstes glauben, der Welt die Erleuchtung bringen zu können. *hust*GwynethPaltrow*hust*.

Hape Kerkeling ist mir, eher ein Sonderfall, unbekannterweise sehr sympathisch, allerdings habe ich aber komischerweise nie sonderlich viel von dem mitbekommen, was er so macht. Muss ja auch nicht. Dass er mal als Königin Beatrix unterwegs war weiß ich dank Youtube, und Horst Schlämmer ist ja nun auch in aller Munde.

Ich mag ihn, so vage und fusselig, wie man halt jemanden mag, der nur hin und wieder am äußersten Rand des eigenen Bewusstseinsradars auftaucht und in diesen Millisekunden einen durchaus netten Eindruck macht.

Ich ignorierte das Buch nun also die ganzen, langen Jahre, nicht aktiv, nein, nur, wie man etwas eben ignoriert, dass einen nicht betrifft. Bis zum Juni (oder war es Juli?) 2009. Da war ich in einer kleinen Buchhandlung meines kleinen Städtchens. Bei uns hatte grade ein Hugendubel (oder war's doch Thalia? So eine große Buchhandlungskette eben.) aufgemacht, was mich nicht uneingeschränkt mit Freude erfüllte. Mein erster Weg führte also in ebenjene kleine, inhabergeführte Buchhandlung, und ich kaufte ein paar Krimis. Und, weil es an der Kasse so schön in einem kleinen Stapel auslag, auch das Kerkeling-Buch. Nachdem der übertriebene Begeisterungssturm nun abgeflaut war, so sagte ich mir, könnte ich ja auch mal reingucken.

Nachdem über dieses Buch bestimmt schon hunderte flammender, mitreißender Rezensionen geschrieben wurden, werde ich nicht versuchen, da noch einen draufzusetzen. Ich mach's deswegen kurz: ich hab's gelesen und es hat mir gefallen. Egal, ob dem tatsächlich so ist, man nimmt es Hape einfach ab, dass er das Buch von vorne bis hinten selbst geschrieben hat, inklusive der ersten Holperseiten, bevor er seinen Tritt findet.

Er ist wunderbar ehrlich und gesteht, dass er zumeist einen großen Bogen um die refugios macht und lieber in kleinen Hotels unterkommt, sogar, dass er einige Streckenabschnitte mit dem Bus zurücklegt.

Das Buch ist ruhig, aber interessant geschrieben, sehr anschaulich, oft mit einem Quentchen Humor, ebenso oft mit einer aufrichtigen Ernsthaftigkeit. Die ganzen Menschen, die er auf dem Weg trifft, sind pointiert und liebevoll beschrieben, die ganzen teils aufregenden, erschöpfenden und erstaunlichen Erlebnisse. Man pilgert ein wenig mit, und auch wenn man die manchmal etwas esotherischen Erkenntnisse nicht zur Gänze begreifen kann, ein wenig versteht man sie doch.

Ein sehr schönes, sehr un-promihaftes Buch, das zu Recht den netten „Bestseller"-Aufkleber aufs Frontcover gebäppt bekam.

Und wenn ich jetzt noch die Textstelle finden würde, in der er der netten Anne mit den schlechten Erfahrungen das „Hömma, ich will nix von Dir, I'm gay!" an den Kopf wirft, woraufhin sie in schallendes Lachen ausbricht und sie fortan die besten Freunde sind, dann wäre ich richtig zufrieden.

Kommentare:

Alienor hat gesagt…

Der Empfehlung kann ich mich anschließen. :nick:
Das Hörbuch ist übrigens auch wirklich nett.

Bei mir war's andersrum: Ich bin eher kein besonderer Hape-Kerkeling-Fan (von Horst Schlämmer krieg ich Ausschlag! *grusel*), aber mein Freund hatte sich das Hörbuch zum Geburtstag gewünscht.
Und dann hab ich irgendwann auch mal reingehört und war äußerst positiv überrascht!

amanda james hat gesagt…

ich fand das buch auch toll und kanns, wenn mich jemand fragt, ehrlichen und reinen herzens empfehlen:nick:
sidenote: als ich das hörbuch an der kasse über den scanner zog und mir dabei ansah stutze ich erst, weil ich hab den vorleser gesucht um dann zu lesen " hape kerkeling liest(klein geschrieben!!!) ich bin dann mal weg" sowohl kundinnen als auch ich mußten ziemlich lachen.denen ists nämlich auch so ergangen :D