Montag, 22. Februar 2010

Mammutjäger – XII

Am nächsten Tag kümmern sich Aspirine und Karl gemeinsam um die Pferde. Der Winter naht mit großen Schritten und die Equiden haben dementsprechend Eis im Fell. Aspirine macht sich Sorgen. Und will nach Hause, wo es keine unverschämten Frebecs gibt.

„Du hast gesagt, wir könnten jederzeit wieder fort. Ich möchte zurück ins Tal.“


Karl ist davon nicht so angetan. So ein bisschen andere Gesellschaft findet er schon ganz nett, man kann ja schließlich nicht den ganzen Tag herumwonnen, das ist spätestens nach einer Woche langweilig. Und aufgescheuert. Ahüm.

„Ayla, hat man uns hier nicht willkommen geheißen? Sind uns die meisten Leute nicht mit Freundlichkeit und Großzügigkeit entgegengekommen?“


Aspirine jedoch bleibt stur.

„Ja, sie haben uns willkommen geheißen. Die Mamutoi bemühen sich, ihren Gästen gegenüber großzügig zu sein, aber wir sind eben nur Besucher, und es ist an der Zeit, daß wir wieder gehen.“


So sehr Karl seiner Aspirine zugetan ist (und eiiiiigentlich sollte er doch ganz einverstanden damit sein, sie aus Ranecs Dunstkreis zu entfernen, oder? Komisch, da denkt er gar nicht dran. Sowas.), er will nicht weg und in einem gottverlassenen Tal in einer gottverlassenen Höhle herumsitzen und sich die Zeit mit Vögeln vertreiben. (Da. DA! Seht ihr, wie wichtig korrekte Groß- und Kleinschreibung ist? Na?)

So weist unser einfühlsamer, sensibler Lendenschwinger sein Täubchen behutsam darauf hin, dass er ihr ja gesagt hätte, dass sowas passieren könne, wenn sie mit ihrer Clan-Vergangenheit zu offen hausieren ginge. Ne?

Aspirine ist aufgebracht! Gestorben wäre, sie, wenn der Clan sie nicht aufgenommen hätte! GESTORBEN! JAWOHL! Ihre Leute seien das und wie könne Karl nur verlangen, dass sie ihre Leute verleugne, und überhaupt sei es für sie als Medizinfrau ganz schrecklich, Fralie leiden zu sehen und nicht helfen zu dürfen!

... holla! Wo kommt denn dieser plötzliche Themenwechsel her?

Egal. Latie kommt heran und will helfen. Sie darf die Pferde bürsten. Super. Karl ist ganz froh darüber, dass das Weggehen-Gespräch erst mal auf Eis liegt, denn er hat das Gefühl, sich mal wieder dappich ausgedrückt zu haben.

Achwatt?

Ein Hauptargument Aspirines ist es übrigens auch, dass die Pferde im Löwenlager keinen Unterstand hätten und den harten Winter einfach da draußen bestimmt nicht gut überstehen würden. Latie schlägt daraufhin vor, dass man doch einen Unterstand bauen könnte.

„Ich glaube, Frebec hätte es nicht gern, ein Tier in so großer Nähe zu haben“, sagte Ayla.

Ach! Daher weht der Wind? Miss Perfekt fühlt sich aufs Ego getreten? Da guck.


Im Inneren des Langhauses wird zeitgleich ebenfalls debattiert. Nezzie ist der Meinung, dass es Frebec und seiner schlechten Laune nicht gestattet sein sollte, die wundervolle Aspirine zu vertreiben. Talut Bärenbart hingegen hätte sie jetzt nun zwar auch gerne den Winter über behalten, aber man könne sie schließlich nicht zwingen und außerdem wäre Ayla keine Mamutoi und Karl ein Zellentier oder sowas (Zelandonii, Herr Bärenbart). Darüber hinaus hätte er einen Kater vom Schnappes. Autsch.

Nu, meint Nezzie, dann machen wir Ayla eben zur Mamutoi. Talut ist skeptisch, schließlich mache man nicht jeden X-beliebigen zum Mamutoi und man müsse das auf dem Sommertreffen der Stämme schließlich gut begründen können.

Kommt das nur mir so vor oder ist das Bullshit? Was Ayla bislang so alles Gutes getan hat, sollte für drei Mamutoi-Mitgliedschaften mehr als ausreichend sein, aber man kann es ihr natürlich nicht zu einfach machen, also muss sich irgendein hohes Tier noch sträuben. Gegen alle Logik, aber trotzdem!

Talut geht nach draußen um seinen Kater zu lüften und Nezzie kontempliert darüber, welchem Stamm Ayla wohl angehört haben mochte, bevor sie zum Ehrenflachschädel wurde.

Der Rest des Löwenlagers kommt nun auch langsam in die Puschen und so wird Karl von Druwez und Danug zum Speerwerferwerfen abgeholt. Nachdem die Abreise nicht akut zu sein scheint, lässt er sich mitziehen. Ayla striegelt weiter und bemerkt, dass Talut Kopfschmerzen hat. Als Medizinfrau hat sie natürlich die Pflicht, den Armen, Schwachen und Kranken zu helfen und so braut sie ihm einen schicken Migräne-Tee.

Wenn das jetzt der Grund dafür ist, dass Ayla als Mamutoi adoptiert wird („Sie kann das Wundermittel gegen Kater brauen! Mit Seife und einem ungerupften Huhn!“), dann werde ich nicht umhin können, Frau Auel ein wenig zu schmähen. Weil, das, also, das, das wäre dann doch wirklich ...

Ayla bringt dann Latie noch ein wenig Speerwerfen mit den Speerwerfer bei. Weil wegen Emanzipation und Frauen können ja auch und überhaupt! Jawoll! Schließlich muss sie die Zeit herumbringen, die ihr Trank braucht, um zu wirken.

[Sie] schlenderten hinunter zur Erdhütte. Als sie sich dem Eingang näherten, kam Talut herausgestürmt.
[...]
„Meine Kopfschmerzen sind wie weggeblasen! Ich fühle mich wie neugeboren!“


Ja, ich sehe schon, die herzliche Aufnahme Aspirines in den Stamm der Löwen steht unmittelbar bevor. Doch ehe Talut die notwendigen Anträge und Formulare (in dreifacher Ausfertigung) ziehen kann, geschieht wieder etwas Dramatisches!

Plötzlich lenkte ein schriller Schrei die Aufmerksamkeit aller in Richtung Fluß. Hinsehen und den Hang hinunterlaufen war für Ayla eines; etliche andere folgten ihr.


Nezzie war mit Rydag zum Fluss gegangen, und der liegt jetzt leblos auf der Erde. Ayla, als Medizinfrau, sieht sofort, was Sache ist. Das Herz isses, naturalmente. Sie lässt Rydag ans Herdfeuer des Mamut tragen und bereitet selbst einen Trank aus Fingerhutblättern zu.

Am Herdfeuer des Mamut befiehlt sie dann alle herum („Heißes Wasser! Sofort!“) und jeder gehorcht ihrer natürlichen Autorität, die sie nur herauskehrt, wenn es darum geht, Leben zu retten. So für sich würde sie nieeeee. Weil viel zu bescheiden. Wissen wir ja.

Der Reststamm trommelt unterstützend im Hintergrund, während Ranec im Takt dazu mit Elfenbeinreifen rasselt. Ich muss wieder an Disney denken, was der Szene dann doch einiges an Dramatik nimmt.

Nu gut, alles ist waaahnsinnig aufregend, weil der Trank so stark ist und das kleinste Bisschen zuviel könnte Rydag töten und OMG!

Aber was soll ich sagen, Aspirine Wundertier schafft es erneut und Rydag schlägt die dankbaren Augen auf. Hussa!

... hat sie nicht schon im letzten Kapitel oder so ein Kind vor dem sicheren Tod gerettet? Jetzt schon wieder? Ich meine, nichts gegen das Retten von Kindern vor dem sicheren Tod, ne, aber wenn das jetzt jedes Kapitel einmal vorkommt ...

Gut. Rydag ist gerettet, Ayla bringt Nezzie bei, dass er von jetzt an jeden Tag ein wenig Medizin nehmen muss und dann ergeht sich das Buch in etlichen Seiten über Aylas unglaubliches medizinisches Wissen und plipperlaplupp.

Aus diesem zeitlosen Schatz schriftlich nicht fixierter Geschichte, das(sic) durch die Ausbildung, die sie von Iza erfahren hatte, auf sie übergegangen war, sowie gelenkt von einer ihr innewohnenden analytischen Begabung und intuitiven Wahrnehmung, konnte Ayla die meisten Krankheiten und Verletzungen diagnostizieren und behandeln. Mit einem rasiermesserscharfen Flintmesser führte sie gelegentlich sogar kleinere chirurgische Operationen aus[.]




Später sortiert Aspirine dann ihre Medizinmittel, während Mamut danebensitzt und darüber nachsinnt, dass sie ja für Großes bestimmt sei und eine natürliche Anführerin und weiteres Pliplaplupp, das wir ja schon zur Genüge kennen. Dann fällt sein Blick auf ihren Medizinbeutel und das scheint ihn zu verblüffen und aufzuregen. Er befragt Ayla nach den Namen ihrer Aufzieher und wird immer aufgeregter.

„Große Mutter! Ich kann es nicht glauben! Jetzt verstehe ich!“


Warum Ayla hier ist und so weiter. Dann erzählt er seine Geschichte:

Als er noch jung war, wollte er auf Wanderschaft gehen. Mit einem Freund, doch der wurde krank und so ging Mamut (der damals noch kein Mamut war) alleine. Er stürzte ein Klippe hinunter, verletzte sich, wankte im Fieberwahn weiter und sah schließlich ein Feuer. Er dachte, dass es dort Hilfe gäbe, wankte noch in den Lichtschein und dann verließen sie ihn. Also, die Geister. Das Bewußtsein.

Als er wieder aufwachte stellte er fest, dass er von einer Gruppe Flachschädel gerettet worden war. Die brachten ihm einiges bei und die Medizinfrau, die Mamut heilte, war zufällig die Großmutter von Iza, der Clanfrau, die Ayla großzog!

Die Welt ist ein Dorf, eh?

„[W]ie ist es möglich, daß Du noch lebst?“

„Ich habe mich selbst gefragt, warum es Der Mutter gefallen hat, mir so viele Jahreszeiten zu gewähren. Ich glaube, soeben hat Sie mir eine Antwort auf diese Frage gegeben.“


Jau. Um der überragend begabten Ayla auch noch alles Wissen der Cro Magnons einzutrichtern, auf dass sie noch erstaunlicher und weiser und überhaupter werde.

Ist doch offensichtlich!

Kommentare:

Vinni hat gesagt…

Ich hab jetzt doch glatt aylalytische Begabung gelesen...

A. Nym hat gesagt…

Aspirine erfindet Aspirin. Na da schau.

Und die armen Wildferdschn würden im Tal der Pferde gar fürchterlich leiden, wenn sie im Winter nicht von Aspirine gestrigelt werden. Warum sind dann im Tal der pferde pferde und weshalb heißt es so? Aua? :suspekt:

Silph hat gesagt…

Dieses Zitat über medizinische Begabung und so bewirkt genau das Gegenteil, denn da wird einem ja schlecht von.

Anonym hat gesagt…

Bei dem Kopfschmerzmittel gibt es ja wirklich keinen besseren Namen als Aspirine für die Frau, wie A.Nym schon sagt.
Und dann das messerscharfe Messer ...%-D

Vinni hat gesagt…

Naja, historisch korrekt sind die Bücher schon, gerade was das Herstellen von Waffen und Werkzeug und die Verwendung von Pflanzen angeht... Feuersteinklingen sind sauscharf, da kann man mit operieren und das wurde, wenn ich mich nicht irre, auch gemacht... Aber daß natürlich alles die eine und großartige Ayla erfunden haben soll bzw. strahlend auf sich vereint *augenroll*

Silph hat gesagt…

Wahrscheinlich ist sie symbolisch und steht stellvertretend für ganze Stämme durch ganze Jahrzehnte.

amanda james hat gesagt…

:headdesk:

mohrchen hat gesagt…

Ich muss mal eben den Oberlehrer rauskehren:

>Aus diesem zeitlosen Schatz schriftlich nicht fixierter Geschichte, das(sic) durch die Ausbildung, die sie von Iza erfahren hatte, auf sie übergegangen war,

Ja "das" mit einem S (vor dem sic) ist korrekt, weil man stattdessen auch "dieses, jenes, welches" (also immer nur eins davon) einsetzen kann. Nennt sich dann Relativsatz.

Ansonstn verdient das Buch seine Verkatzung. *grin*

mohrchen hat gesagt…

Ah, jetzt sehe ich, was gemeint ist. Vergesst meinen Kommentar. Sowas sieht man immer erst nach dem Abschicken. *durchgeknallt*

FrauKatz hat gesagt…

Ha! Und was lernen wir daraus?

Nie sollst Du zweifeln an der Katz! :-D

Wobei das bei weitem nicht der einzige Übersetzungs-Lapsus ist. Dass das so veröffentlich wurde, tsk. Man bildet sich dann doch gerne ein, dass es früher noch Qualitätsarbeit gab. :zahn:

Hoppi hat gesagt…

Ich hab jetzt doch glatt aylalytische Begabung gelesen...

Nicht nur du. :rofl:

Und: Ayla ist eine Vorfahrin von House!