Mittwoch, 4. Februar 2009

Die Hebamme XXXI – April 1169

Ich würde sagen, wir haben grade mal locker so gut sieben Monate übersprungen, denn als wir ahnungslos das Kapitel betreten liegt Hedwig grade gewaltig in den Wehen.
Bei ihr sind, außer den obligaten Bediensteten, eine alte zahn- und namenslose Hebamme und, ganz klar, Marthe. 's war nämmich scho keine leichte Schwangerschaft und da wollte Heddi unser Schatzepups gerne um sich haben, wenn es dann ans Eingemachte geht.

Sie weht nun also schon die ganze Nacht und Marthe, die das Kind wahrscheinlich innerhalb von einer Sekunde nur durch Berührung auf die Welt holen könnte, *zing*, hält sich zurück. Denn sie will die alte Hebamme nicht verärgern, die hat schließlich schon die beiden Söhne geholt.

Hedwig geht es aber nicht nur wegen der doch recht anstrengenden Geburt schlecht, auch die letzten Monate haben sie zermürbt. Der Kaiser hat einige Fürsten in Beugehaft genommen, weil der Frieden mit dem Löwen nicht so recht vorangehen wollte. Vor allem aber nagt an ihr, dass Otto eine neue Geliebte von ebenfalls neuem Format hat: Oda, angeblich eine entfernte Verwandte Randolfs. Riechen wir den Braten, hm?
Otto ist vernarrt in Oda und anders als seine früheren Gespielinnen wird sie ihm nicht schnell langweilig, im Gegenteil, er hört in allem auf sie und entfremdet sich immer mehr von Hedwig.

Dumme Situation. Gut, der Markgraf ist selbst auch nicht grade der hellste, da kann die Situation um ihn auch nicht grade intelligenter sein.

Das alles lastet auf Heddi, als sie so vor sich hingebiert und nichts voran geht. Mit der Zeit kommt das sogar der alten Hebamme komisch vor und sie stellt fest, dass die neue Tochter eine schlechte Orientierung hat und mit dem Hintern zuerst kommen will. Die olle Wehmutter beschließt also, das Kind „aus dem Leib [zu] ziehen“. Uärgs.

Stichwort Auftritt Marthe. Die ist besorgt, denn es ist für die Gebärende nicht gesund, wenn jemand da so in ihrem Inneren herumfuhrwerkt und mirnichtsdirnichts das Baby herauszieht.

Ach was?

Marthe meint also zur ollen Wehmutter, sie könne das Kind vielleicht drehen, also, so von außen.

„Unfug“, fauchte die Alte. [...]
„Einen Versuch ist es wert“, beharrte Marthe.
[...]
Mit wütendem Blick und abfälligem Gemurmel trat die alte Hebamme beiseite.

Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn mal ein Charakter vorkäme, dessen geistig-emotionale Entwicklung über der von Badewannenritzenschmodder läge.

Marthe schafft Hedwig zum Bett und *zick* *zack* *zuck*, dreht sie das Baby. Einfach mal so.

Dann übte sie zwischen den schnell hintereinander verlaufenden Wehen gezoelt Druck aus, um die Lage des Kindes zu verändern.


Nachdem das Kind nun richtig liegt, ist die restliche Geburt quasi nur noch ein Klacks und schon bald ist das Baby da und tut seinen ersten Schrei. Hedwig ist rechtschaffen erschöpft.

Kraftlos dank sie zurück und nahm nur noch wie durch einen Nebel die Geschäftigkeit und die besorgten Rufe um sie herum wahr.
Als sie wieder zu sich kam, fühlte sie zwei Hände über ihrem Herzen, durch die eine belebende Kraft und Wärme strömten.

Wem mögen die wohl gehören?

Man würde dann gerne Otto nach vollbrachter Geburt das Ergebnis präsentieren, aber der ist grade unauffindbar. Was bedeutet, dass er grade Oda beglückt, wie jeder auf dem Burgberg weiß. Sieht ihm ähnlich, dem strunzblöden Kartoffelhirn unsensiblen Lüstling. Also wirklich, dass der sich nicht in einem Wandschrank verläuft und elend verhungert wundert mich immer mehr.

Als er dann kommt sind seine ersten Worte „Wo ist mein Sohn?“. Noch tiefer in die Clichékiste konnten wir nicht greifen, was?
Die olle Hebamme hält ihm mutig die Tochter unter die Nase und verkündet, dass die Frau Gemahlin die Geburt fast nicht überlebt hätte, jawoll.

Das dringt dann doch zu Otto vor und anstatt Hedwig anzumosern, warum sie ihm keinen Sohn geboren hat, eilt er an ihre Seite und fragt, wie sie sich fühle.

Marthe musste die Alte insgeheim bewundern. Mochte sie als Hebamme auch unzulänglich sein, so zeigte sie nun großen Mut, um die Wöchnerin zu schützen.

Da. Das ist es, was an Marthe richtig, richtig nervt. Goldekindeleyn hat nie was dafür tun müssen, war von Natur aus schon immer perfekt und klüger und schöner und besser und überhaupter als alle anderen. Grade mal dass ihr die obligate Obi Josefa Kenobi zugestanden wird, die aber selbst sagt, dass sie ihr eigentlich nichts mehr beibringen konnte. Und so eine Bratze beurteilt einfach mal so alle anderen als unzulänglich. Den Medicus, die Hebamme – unwürdiger Dreck gegen sie.

Und das Schlimmste ist, dass sie damit quasi auch noch Recht hat. In diesem Buch gibt es keinerlei Graustufen. Die wenigen, fast an einem Finger abzählbaren edlen, hilfreichen und guten Gestalten sind gleich wieder so gut, dass sie aus innerer Anständigkeit eigentlich von Rechts wegen leuchten müssten, der Rest der Menschheit ist nicht nur dumpf, dumm und dröge sondern auch noch grundsätzlich grundlos gezielt bösartig. Es läuft auch kein einziger Mensch herum, dem Marthe am Allerwertesten vorbeigeht. Nein, sie ist für jeden sofort der Lebensinhalt, sei's im positiven oder negativen Sinne.

GRAH!

[/rant]

Otto sitzt also bei Hedwig und riecht nach Sex, plump ausgedrückt. Was Hedwig weniger als gar nicht erfreut, aber jetzt herumzukeifen wäre wohl ungünstig. Sie reißt sich also zusammen, nutzt die Gelegenheit und meint, dass Otto seine Tochter in zwei Jahren mit dem Sohn des Herzogs von Böhmen verloben könne, dann hätte er an der Grenze endlich Ruhe. Otto ist gebürend beeindruckt und geht dann auch bald, damit Hedwig ruhen kann.

Die Markgräfin liegt also mit geschlossenen Augen da und ruht.

Marthe wusste, dass sie nicht schlief, denn sie empfing das Durcheinander der Gefühle, das Hedwig wach hielt [...].

Marthe, der Kurzwellenempfänger. *beep*

Nach einer Weile bittet Hedwig Marthe dann nochmal um das heilende Handauflegen.

Marthe nickte wortlos und sprach leise ein kurzes Gebet. Heilen war ihre Berufung.

Das hätten wir dann langsam schon kapiert. Dochdoch. Ich befürchte, ich werde bald wieder auf das nutzlose Wissen zurückgreifen müssen, auch mir gehen die Variationen von „Argh!“ so langsam aus.

Ortswechsel. Eine beliebige Treppe in der Burg. Randolf trifft auf Oda und giert sie an. Sie ist aber ein anderes Kaliber als die furchtsamen Mägde, die er immer mal verwarnt, und lässt ihn abblitzen. Dabei wird klar, dass die beiden sich gut kennen und gegen Otto paktieren.

„[...] Grade habe ich dir zu einem einträglichen Geschäft verholfen und ganz nebenbei auch noch zu einer Gelegnheit, diesem Ministerialen das Leben schwer zu machen, den du so hasst. Also zeig mir deine Dankbarkeit in Schmuck und Silber und nicht in plumper Annäherung.“
[...]
Lachend lief Oda davon.
Randolf hieb wütend mit der Faust gegen das Mauerwerk.
Nein, heute würde er nicht ins Hurenhaus gehen. Heute musste eine der Mägde dran glauben. Er wollte sie schreien und jammern hören, damit er endlich wieder das Gefühl bekam, dass er die Weiber beherrschte und nicht umgekehrt.

Na wunderbar, wäre Randolf jetzt endlich auch tiefenpschikologisch analüsiert. Das freut uns doch. Noch mehr beschäftigt mich jetzt aber die Frage, inwiefern Oda es Randolf ermöglichte, unserem verehrten Chris das Leben schwer zu machen?

Die Antwort kommt im nächsten Absatz. Otto besucht Hedwig, das Drumherum inklusive Marthe wird vor die Tür geschickt und die beiden besprechen einige Dinge. Schon bald dringen erregte Stimmen aus der Kemenate, denn Oda hat Otto wirklich wunderbare Flöhe ins Ohr gesetzt: Randolf wird als Vogt Christiansdorf vorstehen. Hedwig ist von soviel Blödheit schier entgeistert und fragt, ob ihr lieber Mann denn noch alle Tassen im Schrank hätte.

„Ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich kann keinen einfachen Ministerialen zum Vogt über einen Ort machen, der bald eine Burg und ein paar hundert Bewohner haben wird, zum Aufseher über riesige Silbervorkommen. Randolf ist ein Mann von edler Herkunft, der mir schon viele gute Dienste geleistet hat. Das ist mein letztes Wort.“
„Viele gute Dienste ...“ Im Innersten getroffen sank Hedwig zurück. „Ich verstehe. Zum Beispiel dir diese ... Dame ... zugeführt zu haben?“, sagte sie leise mit gefährlichem Unterton.

Das Innerste! Da ist es ja wieder, ich habe es schon vermisst! :-D

Otto ist weniger erfreut und pampft, dass sein Entschluss gefallen sei, so! Dann rauscht er aus dem Raum.

Hedwig ist bleich und übt sich nun in Schadensbegrenzung. Sie ruft Marthe und erzählt ihr von Ottos Plänen. Herzekind wird ebenfalls bleich. Ogottogott, Randolf als Vogt in Christiansdorf!
Heddi schickt sie zu Raimund, der sofort aufbrechen und Christian warnen soll.

„[W]enn Christian euer Dorf gegen Randolf behaupten will, muss er dort sein, bevor der eintrifft.“

Na, da sind wir aber mal gespannt, was das wird.

Kommentare:

Stina hat gesagt…

...wann ist Marthe eigentlich zur Reiki-Meisterin dritten Grades aufgestiegen?

FrauKatz hat gesagt…

Erfunden hat sie Reiki! :fuchtel:

Alienor hat gesagt…

"Marthe wusste, dass sie nicht schlief, denn sie empfing das Durcheinander der Gefühle, das Hedwig wach hielt [...]."

Klaaar. Inzwischen kann sie also nicht nur die Zukunft visionieren, sondern auch gleich noch Gedanken lesen.

Und jetzt wird also Randolf Chef von Christiansdorf, damit wir noch ein bisschen großes Drama-kurz-vor-Schluss kriegen. Lasst mich raten, ein paar Vergewaltigungen bringen wir doch bestimmt noch unter.

OK. Ich beantrage ab sofort nicht mehr, dass Vianne auch noch Teil 2 der Hebamme besprechen muss. Wir werden schon irgendwas anderes Nettes finden, dass sie für uns lesen kann. ;-)
Aber noch ein Marthe-Band ist ja echt nicht zumutbar.
:AU.GEN.ROLL:

Centaurea hat gesagt…

> Aber noch ein Marthe-Band ist ja echt nicht zumutbar.
:AU.GEN.ROLL:

Seh ich auch so. Die Schmerzen, diese unsäglichen Schmerzen!

Ich versuch mich mal in Voraussicht: Marthe wird diesmal nur beinahe verwarnt. Aber so wirklich ganz, ganz haarscharf. Chris rettet sie. Und wenn von dieser Beinaheverwarnung ist sie so angetan, dass sie jetzt scharf auf Chris ist. Wetten? Alles schon gelesen. *grusel*

hoppi hat gesagt…

Marthe, der Kurzwellenempfänger. *beep*

@Randolfs Pschikoanalüse: Moah, das ist es glaub ich, was mich an dem Buch am meisten nervt - es ist so plump geschrieben.

FrauKatz hat gesagt…

OK. Ich beantrage ab sofort nicht mehr, dass Vianne auch noch Teil 2 der Hebamme besprechen muss.
Ungünstigerweise habe ich mir damals unbesehen die ersten beiden Hebammen-Bände gekauft, weil ich nach dem Glückstreffer mit Andrea Schacht auf der Suche nach einer neuen, guten „Serie“ war.

Well ...

Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich den ersten Band gar nicht sooo schlimm fand, den zweiten aber dann doch recht absurd. Ich hab's schon mal erwähnt glaube ich, der zweite Band ist noch schlimmer. :ugly:

Aber zum nächsten Buch wird es eine Abstimmung hier im Blog geben. Ich habe geübt, ich kann sowas jetzt. :stolz:

Stina hat gesagt…

"Ich hab's schon mal erwähnt glaube ich, der zweite Band ist noch schlimmer."


Jetzt lügst du aber! Wie soll denn das bitte gehen?!

...No, wait. Don't answer that.

FrauKatz hat gesagt…

„Jetzt lügst du aber! Wie soll denn das bitte gehen?!

...No, wait. Don't answer that.“

Mir ist ja nicht mehr alles im Gedächtnis, aber den dicksten Hund könnte noch so ganz grob nacherzählen. :ugly: Muahahaha! You've seen nothing yet!

Alienor hat gesagt…

Band 2 wird SCHLIMMER?!?

Das ist ein Witz, oder?

Was soll den noch kommen?
Was wird Marthe noch alles perfekt beherrschen - außer Gedankenlesen, die Zukunft vorhersagen, per Handauflegen heilen und alles besser können als jeder Fachmann, der das jeweils schon seit Jahrzehnten macht? Telekinese? Levitation? Wird sie die Sprache der Tiere verstehen? (Hey, was ist eigentlich aus dem Kätzchen geworden, das könnten wir doch auch noch einbauen! ;-))

Wird sie nicht von vier Rittern gleichzeitig "verwarnt", sondern von einer ganzen Fußballmannschaft? (Aber keine Sorge, sie wird sicher keinerlei bleibende Schäden davontragen.)

Werden noch mehr absolut undurchschaubare und völlig unerwartete Ränke geschmiedet? Gibt es irgendwo noch Männer, die noch nicht in Marthe verliebt waren? (Spätestens in Band 3 muss Marthe doch eigentlich auswandern; in Europa gibt es dann für sie nichts mehr zu tun. ;-))

Fragen über Fragen.

Hiilfe. :uhoh:

FrauKatz hat gesagt…

„Band 2 wird SCHLIMMER?!?

Das ist ein Witz, oder?“

Näh. :ugly:

Falls die Abstimmung gegen Band 2 ausfällt kann ich als Postscriptum noch schreiben, an was ich mich erinnere. Ist nicht mehr sooo viel, aber es zeigt die allgemeine Richtung. ;-)

Zikädsche hat gesagt…

Bittebittebitte lies uns auch den zweiten Band. Dann les ich ihn auch, parallel. Ich hab doch den ersten schon verschlungen. ;) Und bin jetzt määächtig neugierig auf den dicken Hund.